Schiedsrichter im Mittelpunkt: Auswertung strittiger Szenen

Schiedsrichter im Mittelpunkt: Auswertung strittiger Szenen

12. August 2018 0 Von Reiner Kuhn

Schiedsrichter haben es nicht leicht. sie müssen 22 Spieler im Auge behalten und haben keine Zeitlupe. Wir nehmen einige Szenen des 4. Spieltages vom Samstag noch einmal unter die Lupe. 🔍 

Schiedsrichter Bastian Börner stand in Meppen im Mittelpunkt, als er einen Strafstoß für die Heimelf pfiff.

Unterhaching 2:1 Rostock: Nach einer Eingabe von der rechten scheiterte die Kogge-Elf zunächst am Pfosten, ehe Hachings Kiomourtzoglou den Ball an den Arm bekam. Schiedsrichter Johann Pfeifer gab keinen Strafstoß (im Video ab 3:33)

IG-Schiedsrichter: Zwar ist die Distanz zwischen Torwart und eigenem Verteidiger sehr gering, sodass dieser niemals hätte mit dem Ball rechnen können, da man nicht davon ausgeht, dass der Torhüter diesen mit der Handfläche in Richtung des Verteidigers wegschlägt. Allerdings überzeugt die Bewegung des Arms zum Ball ein wenig mehr, da diese in keinster Weise im Verhältnis gerechtfertigt werden kann. Der Verteidiger zieht hier zunächst, als der Ball in seine Richtung flog, den Arm nach oben und danach sofort wieder nach unten zum Ball, während er sich dreht. Die Position des Arms an sich ist durchaus natürlich, da der Spieler seinen Lauf abstoppt und seinen Arm zur Balance verwendet. Allerdings stellt die Bewegung des Arms zum Ball am Ende das entscheidende Kriterium dar. Hier liegt aus unserer Sicht eine Fehlentscheidung des Schiedsrichters vor.

Zwickau 1:0 Köln: Mike Könnecke wurde im Strafraum von zwei Spielers angegangen, die Kölner Nr. 4 traf den Zwickauer im Vorbeilaufen. Schiedsrichter Jonas Weickenmeier gab keinen Strafstoß (im Video ab 1:04).

IG-Schiedsrichter: Kein Strafstoß! Der Angreifer wird eindeutig durch das nachgezogene Bein des Verteidigers am rechten Schienbein/Fuß getroffen, allerdings fällt dieser recht ungewöhnlich und viel zu spät. Im Hinblick auf das DFB-Pokalfinale ist hier also für eine Strafbarkeit genauso wichtig, dass die Wirkung zum Vergehen passt. Der Angreifer hätte also für eine Strafbarkeit auf die linke Seite fallen müssen. Stattdessen bleibt er zunächst stehen und fällt auf die entgegengesetzte Seite. Da ist sehr viel schauspielerisches Talent vorhanden, und letztendlich kann man eindeutig sagen, dass der Kontakt hier nicht ursächlich für den Fall ist! Weiterspielen ist hier also aus meiner Sicht völlig richtig.

Nach 66 gespielten Minuten gab der Referee dann den Elfmeter für Zwickau. Nach einer Weiterleitung von Bonga mit der Brust auf Ronny König kam der FSV-Akteur wieder durch die Kölner Nummer 4 zu Fall. Jonas Weickenmeier entschied auf Strafstoß. Toni Wachsmuth trat an und erzielte den Siegtreffer für den FSV Zwickau (im Video ab 2:34).

IG-Schiedsrichter: Strafstoß. Hier muss man genau hinschauen, da es sonst so aussieht, als wenn der Stürmer schon vor dem Halten abheben würde bzw. schon vor dem Haltegriff fällt. Allerdings wird er mit Beginn der Ballannahme gehalten und letztendlich bis auf den Boden gezogen. Das ist ein strafbares Haltevergehen, welches folgerichtig einen Strafstoß nach sich zieht. Die Verwarnung lässt sich hier ebenfalls gut begründen, da nicht die volle Ballkontrolle des Angreifers vorliegt und zudem der Winkel zum Tor für eine offensichtliche Torchance fragwürdig ist. Das Vergehen an sich hätte aber im Falle des Erkennens einer offensichtlichen Torchance einen Feldverweis nach sich gezogen, da dieses nicht ballorientiert ist. In der Summe ist die Entscheidung Strafstoß und Gelb aber durchaus vertretbar.

Meppen 1:0 Aalen: Nachdem Kleinsorge durch einen leichten Kontakt von Geyer im Strafraum zu Boden ging, zeigte der Unparteiische Bastian Börner auf den Punkt. Tankulic trat an und hämmerte das Spielgerät flach an den linken Pfosten (im Video ab 0.49).

IG-Schiedsrichter: Kein Strafstoß. Hier sieht man gut, dass beide Spieler im rahmen eines regelkonformen Zweikampfes förmlich ineinander geraten und daher beide fallen. Vom Verteidiger jedoch liegt kein Vergehen vor, welches zu diesem Fallen führt, sodass die Entscheidung von Schiedsrichter Bastian Börner schlichtweg falsch war. Dieser hatte eine gute Sicht und hat sofort entschieden, allerdings sind das keine fundamentalen Gründe für eine richtige Entscheidung. Man kann auch „schnell“ falsch entscheiden, wie dieses Beispiel zeigt. Hier liegt aus meiner Sicht eine Fehlentscheidung des Schiedsrichters vor.

Halle 2:0 Kaiserslautern: Nach einem Foul im Sechzehner von Özdemir an Ajani zeigte Schiedsrichter Arne Aarnik auf den Punkt. Bahn schnappte sich den Ball und verwandelte links unten zur 1:0-Führung für die Gastgeber (im Video ab 1:13).

IG-Schiedsrichter: Das ist eine harte aber korrekte Entscheidung des Schiedsrichters. Özdemir stellt sein rechtes Bein raus. Eine zärtliche Berührung die Ajani gerne annimmt.

 

Share This: