Handspiel – Was ist Absicht?

Die praktischen Fragen zum Thema Handspiel beantwortet dieses Mal Bundesliga-Schiedsrichter Peter Gagelmann.

Peter Gagelmann (46) aus Bremen.
Peter Gagelmann (46) aus Bremen.

Herr Gagelmann, ein Schiedsrichter darf ein Handspiel nur dann pfeifen, wenn er dem Spieler Absicht unterstellt. Wie erkennt er auf dem Platz – ohne Zeitlupe und innerhalb von Sekundenbruchteilen – ob beim Spieler diese Absicht tatsächlich vorliegt?

Peter Gagelmann: Die Grundlage hierfür ist in der Regel 12 beschrieben: Zwei ganz entscheidende Indizien für ein strafbares Handspiel sind zum einen die Position der Hand beziehungsweise des Arms und zum anderen die Entfernung zwischen Ball und Gegner.

Andersherum gefragt: Was sind Situationen, in denen ein Handspiel typischerweise unabsichtlich ist?

Gagelmann: Wenn der Ball aus einer kurzen Distanz gespielt wird, der Arm in einer fußballtypischen Körperhaltung ist und ein Spieler seine Körperfläche „vergrößert“, dann handelt es sich um ein unabsichtliches Handspiel, das kein Eingreifen des Schiedsrichters erfordert.
Häufig ist auch zu beobachten, dass ein Verteidiger zum Kopfball hochspringt, den Ball nicht erreicht und der dahinter stehende Stürmer den Ball an den Arm des Verteidigers köpft. Wenn also der Verteidiger den Ball gar nicht sehen konnte, spricht dies ebenfalls gegen ein strafbares Handspiel.

Genauso ist es, wenn der Ball zunächst von einem anderen Körperteil eines Spielers abprallt und von dort gegen den Arm dieses Spielersspringt. Auch hier kann man dem Spieler kaum Absicht unterstellen.

In diesen Situationen wird von Spielern der gegnerischen Mannschaft trotzdem oft und lautstark „Hand“! reklamiert – vielleicht aus mangelnder Regelkenntnis. Wie sollte man als Schiedsrichter hier reagieren? Denn das Spiel läuft schließlich weiter …

Gagelmann: Mit einer kleinen unaufgeregten Geste kann der Unparteiische die Situation schnell entspannen. Es ist wichtig, dass der Schiedsrichter allen am Spiel Beteiligten klarmacht, dass er das Handspiel durchaus wahrgenommen hat – dass er es aber nicht srafbar bewertet.

Oft hört man nach einem Pfiff wegen absichtlichen Handspiels die Forderung der Gegenspieler: „Absichtliches Handspiel ist doch Gelb“! – was ja völlig falsch ist …

Gagelmann: Zu einer Verwarnung kommt es bei einer Handspiel-Situation wirklich nur dann, wenn eine Unsportlichkeit vorliegt. Das ist konkret der Fall, wenn zum Beispiel ein Angreifer durch ein absichtliches Handspiel versucht, ein Tor zu erzielen – oder auch, wenn er sich vor einem Torschuss den Ball absichtlich mit der Hand vorlegt.

Ebenso gibt es „Gelb“, wenn ein Verteidiger mit seinem absichtlichen Handspiel eine gute Angriffs-Situation unterbindet. Verhindert. Verhindert er sogar eine klare Torchance, dann erhält er aufgrund des absichtlichen Handspiels „Rot“.

Wie bereits erwähnt: Die Absicht eines Handspiels ist lediglich aus Kriterium, ob ich als Schiedsrichter das Spiel unterbrechen muss oder nicht. Ob eine Persönliche Strafe notwendig ist, hängt von anderen Faktoren ab. (SRZ/rk)

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