„Jedes Spiel ein Highlight“

Felix Zwayer wurde am 19. Mai 1981 in Berlin geboren. Er ist seit 2004 DFB-Schiedsrichter und pfiff erstmals 2007 ein Spiel der 2. Bundesliga. Vor Beginn der Saison 2009/10 wurde Zwayer als Schiedsrichter für die Fußball-Bundesliga nominiert. Er debütierte am 15. August 2009 beim Heimspiel  von Hannover 96 gegen den FSV Mainz 05.

Bisher leitete er insgesamt 329 Spiele (davon 86 in der Bundesliga und 54 in der 2. Liga sowie 23 in der 3. Liga. In den bisherigen 329 Einsätzen zeigte Felix insgesamt 1320 mal Gelb, 37x Gelb-Rot und musste 30x in die Gesäßtasche greifen.

 Im Alter von 12 Jahren, erlebte er erstmals bewusst und aufmerksam, die SR bei einem Hallenturnier, bei dem er selbst als Spieler aktiv war. Sie haben mich fasziniert und mein Interesse geweckt. Er machte sich kundig und meldete mich mit dem Einverständnis meiner Eltern zu einem Anwärterlehrgang an. Die Antwort: „Du bist zu jung“! enttäuschte ihn und weckte seinen Ehrgeiz. Es konnte eine Ausnahmeregelung erreicht werden, so dass ich bereits im Alter von 13 Jahren einen Anfängerlehrgang besuchen durfte.

Das ich tatsächlich die Pfeife an den berühmten Nagel hängen wollte, daran habe ich nie gedacht! Natürlich gab es auch mal im ersten Moment eher enttäuschende Erlebnisse. Allerdings waren diese immer Ansporn! Die so zahlreichen tollen Ereignisse, Eindrücke und Erfahrungen und natürlich die vielen tollen Menschen, die man im Laufe der Zeit kennenlernt, sind so überwiegend, dass ich bis heute noch nie daran dachte, die Schiedsrichterei für mich zu beenden. Sie ist eine große Leidenschaft und zu einem wichtigen Bestandteil geworden und immer wieder eine Herausforderung!

Bei der so genannten Dreifachbestrafung, handelt es sich um eine aktuelle Festlegung, deren Änderung nicht den aktiven Schiedsrichtern obliegt. Es bleibt also nur, den Regeln zu folgen und ungeachtet etwaiger Kritik daran zu entscheiden.

In welchem Stadion pfeifst du am liebsten?

 Gerade hier in Deutschland haben wir herausragende Stadien mit überwältigender Atmosphäre. Allerdings sind Erlebnisse bei internationalen Spielen, gerade an den weltbekannten Spielorten wie in Mailand, Paris oder Madrid genauso interessant und zum Teil einmalig.

„Jedes Spiel ein Highlight“

Da ich davon ausgehe, dass meine Laufbahn sich noch viele Jahre fortsetzt, kann ich diese Frage aktuell nicht beantworten. Irgendwann werde ich zurückblicken und zahlreiche überragende Erlebnisse aufzählen können. Aktuell ist jedes Spiel ein Highlight mit immer neuen Eindrücken, Erlebnissen und Herausforderungen. Schon bis heute konnte ich allerdings feststellen, dass nicht immer die „großen“ Spiele prägend und andauernd in Erinnerung bleiben, sondern die außergewöhnlichen und die, die auch tolle menschliche Begegnungen hervorbringen.

Aber ein persönliches Highlight in 2015 ist die erstmalige Teilnahme an einem FIFA-Turnier wo ich bei  der U20-Weltmeisterschaft in Neuseeland im Einsatz bin. Natürlich träumt man davon ein WM-Finale leiten zu  dürfen, aber das ist natürlich auch immer abhängig wie weit die die Deutschen kommen. Auch der Faktor Glück spielt da eine entscheidende Rolle.

Das zur Weltmeisterschaft eingeführte Freistoßspray, hat sich als nützliches Hilfsmittel bewiesen. Es sorgt für Klarheit und Transparenz für alle Beteiligten. Auch wenn ich persönlich nicht den Eindruck hatte, dass ich es zwingend gebraucht hätte, hat sich die Anwendung als positives Instrument herausgestellt und die Arbeit auf dem Platz spürbar erleichtert. 

Wie läuft eine Woche bei Felix Zwayer ab?

Die Tages- und Wochenplanung ist natürlich komplett auf die Schiedsrichterei abgestellt. Hierbei nehmen vor allem die Vor- und Nachbereitung von Spielen, Trainingseinheiten und Reisen viel Zeit in Anspruch.

Allerdings bleibt mein eigentlicher Beruf als Immobilienkaufmann ein wichtiger Bestandteil. Diese Abwechslung hilft mir dabei, vom Sport abzuschalten und mich auf andere Themen und Inhalte zu konzentrieren und auch einmal abzuschalten. 

Mit 45 Jahren ist international Schluss. Sollte man die Altersgrenze nicht erhöhen?

„Weg frei machen für junge Talente“

Ich bin heute 33 Jahre alt. Um ehrlich zu sein, ich habe mich damit nicht wirklich beschäftigt. Das Spiel wurde und wird immer schneller und athletischer. Die Spieler werden immer jünger und halten der Belastung auch nicht mehr so lange Stand wie früher. Im Vordergrund muss auch hier die sportliche Leistungsfähigkeit stehen. Wenngleich die Erfahrung gerade bei Schiedsrichtern natürlich auch ein wichtiger Bestandteil ist. Da aber sicher auch immer wieder junge Talente nachrücken, sollte man auch hier den Weg frei halten.  

In der Bundesliga pfeifen nur Männer. Bibiana Steinhaus bringt schon Jahre gute Leistungen. Hätte sie es nicht mal verdient, in der Bundesliga zu amtieren?

Der Schritt von der Zweiten in die erste Bundesliga ist enorm. Unabhängig von Geschlecht, Herkunft, etc. sollten und werden nur diejenigen diesen Schritt gehen können, die die Entscheidungsträger mit Ihrer Leistung vollends überzeugen können. Die Frage, ob und wann ein Kandidat überzeugt hat, ist von der Schiedsrichterkommission Elite zu beantworten.

 Was gibst du jungen Schiedsrichtern mit auf den Weg?

Spaß und Freude an der Schiedsrichtertätigkeit sollen im Vordergrund stehen! Übermäßiger Ehrgeiz kann sich hier negativ auswirken. Jeder sollte sein Verständnis der Aufgabe des Schiedsrichters für sich definieren und seinen eigenen Weg finden. Hierbei spielen sicher auch Kritikfähigkeit, Lernbereitschaft und eine realistische Selbsteinschätzung eine wichtige Rolle.

Welche Regel würdest du verändern?

 Als Schiedsrichter muss man die Regeln kennen und verstehen. Natürlich kann und sollte man darüber nachdenken und darf auch mal philosophieren. Allerdings ist es primär die Aufgabe, den bestehenden Vorgaben Geltung zu verschaffen und das Spiel im Rahmen dieser Regeln zu leiten. Einiges stößt nicht allseits und immer auf Verständnis. Allerdings gibt es immer auch Gründe, Anlässe und Ideen für die aktuellen Regeln und auch für die Anpassungen.

„Familie und Beruf geben mit die Kraft für den Sport“

Auf die Unterstützung und den Rückhalt meiner Frau, meiner Familie, Freunde und meiner Geschäftspartner. Diese geben mir Kraft, alle anstehenden Aufgaben und Anforderungen zu bewältigen.

Das Interview führte Hanspeter Benad für den Westlausitzer Fußball-Verband.

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