Kinderpornografie – Fußballkreis sperrt Schiedsrichter

Ein Schiedsrichter, der sich vor Gericht wegen des Besitzes von Kinderpornografie verantworten muss, hat ein kurzes Gastspiel im Fußballkreis gegeben. Als die privaten Verstrickungen des 50-Jährigen im Kreis bekannt wurden, hat der Kreisschiedsrichterausschuss den Unparteiischen sofort gesperrt.

Der Verein SF Germania Datteln, für den der Nordkirchener kurzzeitig gepfiffen hat, hat dem Mann umgehend die Mitgliedschaft entzogen. Etwa ein halbes Dutzend Seniorenspiele hat der Mann im Frühjahr im Fußballkreis geleitet. Nicht nur dort ist man bemüht, die Sache aufzuarbeiten. Denn die Angelegenheit hat eine Vorgeschichte.

Der Schiedsrichter musste sich im vergangenen Dezember vor dem Amtsgericht Lüdinghausen wegen des Besitzes kinderpornografischer Bilder und Videos verantworten und wurde zu zehn Monaten Haft verurteilt. Bereits 2009 war der Mann nach ähnlichen Vorwürfen zu einer – mittlerweile abgegoltenen – Bewährungsstrafe verurteilt worden.

Rechtskraft erlangte das Urteil vom vergangenen Dezember nicht, weil der in weiten Teilen sogar geständige Mann in die Berufung ging.

Ob die zu seinem Vorteil verlaufen wird, ist ungewiss: In der Berufungsverhandlung vor dem Landgericht Münster im April sollen weitere belastende Beweise gegen den Mann aufgetaucht sein.

Verband kann den Mann komplett ausschließen

Der Fußballkreis Lüdinghausen hatte den Schiedsrichter bereits nach der Verhandlung vor dem Amtsgericht Lüdinghausen aus dem Verkehr gezogen und gesperrt. „Dazu sahen wir keine Alternative“, so der Lüdinghauser Kreisvorsitzende Robert Heitmann. Das war im Dezember. Da der Referee nur auf Kreisebene gepfiffen hatte, war die Sperre auch Sache des Kreises.

Unterstützung erhielt der Kreis damals durch den Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen, der in einer Mitteilung die Maßnahme ausdrücklich begrüßte. Dabei hätte auch der Verband die Möglichkeit gehabt, den Referee komplett aus dem Verkehr zu ziehen, etwa indem er ihn ganz aus seiner Schiedsrichterliste streicht.

Soweit kam es nicht. FLVW-Justiziar Dieter Ostertag: „Dazu bedarf es eines förmlichen Verfahrens. Das wurde noch nicht vorgenommen, weil das Urteil aus dem Strafprozess nicht rechtskräftig ist.“

Wohl aber habe es zu Jahresbeginn eine Warnung des Verbandes an alle Kreise gegeben, den Mann nicht mehr für Jugendspiele einzusetzen. Ob dabei der Name des Schiedsrichters aus Gründen des Täterschutzes weitergeleitet worden sei, könne er aber nicht sagen, so Ostertag am Mittwoch auf Anfrage.

Als der Nordkirchener nun im Kreis Recklinghausen vorstellig wurde, habe er keinen Verdacht geschöpft, so Kreisschiedsrichter-Obmann Harald Woller. Als Grund für seinen Wechsel habe dieser gesagt, durch die bevorstehende Auflösung des Fußballkreises Lüdinghausen sei er auf der Suche nach einem neuen Tätigkeitsfeld. Von dessen strafrechtlich relevanten, privaten Verstrickungen habe er keine Kenntnis gehabt, versichert Woller.

So erging es auch den SF Germania Datteln, denen sich der Nordkirchener anschloss. „Ehrlich gesagt fühlten wir uns verarscht“, so SFG-Geschäftsführer Dominik Lasarz. Seine Befürchtung ist nicht von der Hand zu weisen: Was, wenn das nach außen untadelige neue Vereinsmitglied sich im Laufe der Zeit im Verein wohlgefühlt hätte? Wenn es nach neuen Aufgaben gesucht hätte? „Das will ich mir alles nicht vorstellen“, so Lasarz.

Dass Kreis und Verein umgehend reagierten, nachdem beide Hintergrundwissen hatten, ist nachzuvollziehen. Umso lauter fragen beide, wieso es in der Sache keinen deutlicheren Warn-Automatismus gegeben hat?

Führungszeugnis für Schiedsrichter ist keine Pflicht

Michael Liedtke, der Vorsitzende des Verbandsschiedsrichter-Ausschusses, verweist auf das laufende Verfahren gegen den Mann und sagt: „Es ist schwierig einem Schiedsrichter das Pfeifen zu untersagen, wenn er sich sportlich nichts hat zuschulden kommen lassen.“

Dass die Beweislast gegen den Nordkirchener offenbar erdrückend ist und dieser den Besitz von Kinderpornografie vor Gericht eingeräumt haben soll, „hat sich für mich bislang so nicht dargestellt“.

Ein polizeiliches Führungszeugnis ist in der Schiedsrichterei im Übrigen nicht notwendig.

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