Schiedsrichter Benedikt Kempkes: „Mein Ziel ist die 2. Liga“

Beruflich geht Benedikt Kempkes aus Kruft als Zahnarzt voll in Richtung Markus Merk, als Schiedsrichter hat er wegen der Frisur eher Pierluigi Collina und Howard Webb als Vorbild vor Augen. Der knapp 30-Jährige, neben Mike Pickel das zweite Schiedsrichter-Aushängeschild im Fußballkreis Rhein/Ahr, pfeift seit 2001 und hat seine erste Saison als Schiedsrichter der 3. Liga hinter sich. Ein Grund, den in Koblenz praktizierenden Zahnarzt, der demnächst in Thür sein Eigenheim bezieht, nach seinen Erfahrungen im Profibereich zu befragen.

1 Nach einem Jahr in der 3. Liga: Was hat sich grundlegend verändert?

Der Zeitaufwand ist noch größer geworden. Die Einsätze waren in den Jahren zuvor regionaler begrenzt, da ich nur in der Regionalliga Südwest zum Einsatz kam. Die 3. Liga ist die erste Profiklasse des DFB und für uns Schiedsrichter mit deutschlandweiten Einsätzen verbunden. Somit wurde die Reisezeit länger, teilweise mit Anreise am Vortag, aber auch die Vorbereitung auf das Spiel ist aufwendiger geworden. Dank der Live-Übertragungen kann ich mehr Material nutzen, um mich auf Mannschaften und Spielertypen einzustellen. Mich selbst pfeifen zu sehen, hat mich weitergebracht. Zudem habe ich einen Coach vom DFB zur Seite gestellt bekommen, der meine Spiele mit mir aufarbeitet und versucht, mich besser zu machen.

Worin besteht der größte Unterschied zum Amateurbereich?

Die Spieler sind alle Profis, das Drumherum ist größer und professioneller, und auch die mediale Aufmerksamkeit ist eine andere. Es geht einfach um mehr. Dementsprechend muss auch ich besser vorbereitet sein. In der 2. Liga ist alles noch einmal eine Nummer größer. Schon an den Namen der traditionsreichen Vereine kann man ablesen, worum es geht. Man muss sich bewusst sein, dass jede Entscheidung im TV kontrolliert wird, und muss dementsprechend clever, kontrolliert und professionell entscheiden.

Wie oft waren Sie im ersten Jahr im Einsatz, und wie sieht da der Ablauf aus?

Ich habe zehn 3. Liga-Partien gepfiffen und war dabei in ganz Deutschland unterwegs: im Osten (Halle, Dresden) im Süden (Unterhaching, Stuttgart), im Westen (Dortmund, Köln, Wiesbaden) und im Norden (Münster). Normalerweise versuche ich, am Vortag des Spiels anzureisen. So kann man schon auf dem Weg zum Spielort den Fokus auf das Spiel legen, vom Alltag abschalten, mit dem Team das letzte Spiel aufarbeiten, über die Entscheidungen der Kollegen reden. Wichtig ist, dass man den Kopf freibekommt. Nach dem jeweiligen Spiel folgt die Analyse mit dem Beobachter. Anschließend geht es nach Hause – und in der Regel ist das Wochenende dann für mich vorbei.

Wie halten Sie sich körperlich, mental und regeltechnisch fit?

Ich trainiere viel und gezielt. Ich habe einen Trainer im Fitnessstudio, dort stehen Kraft und Ausdauertraining auf dem Programm, aber auch spezielles und bewusstes Regenerationstraining. Ich habe einen Physiotherapeuten, den ich zweimal in der Woche aufsuche. Dann schaue ich natürlich viel Fußball, aber immer aus der Schiedsrichter-Perspektive. Die Regeln beherrsche ich im Schlaf. Wichtig ist für mich, auch mal abzuschalten und sich Auszeiten zu gönnen.

Wie lässt sich das aufwendige Hobby mit dem Beruf vereinbaren?

Ich arbeite in Vollzeit, also 40 bis 45 Stunden pro Woche, und versuche, Beruf, Fußball, Training und Familie miteinander zu vereinbaren. Ich habe viel Glück mit meinem Chef, der mich voll unterstützt. Auch mein Kollege hält mir immer den Rücken frei. Gleiches gilt für die Helferinnen, die immer wieder die Woche für mich umplanen, wenn es sein muss. Das ist nicht selbstverständlich, und deshalb bin ich dankbar dafür.

Wie sehen Sie Ihre Chancen für die nahe Zukunft?

Die erste Saison war sehr lehrreich. Ich habe mich weiterentwickelt und bin besser geworden. Ich möchte das auch in der nächsten Saison zeigen und meine Leistungen steigern. Mein Ziel ist natürlich die 2. Liga, je schneller, desto besser. Ich arbeite daran. Aber es gehört auch viel Glück dazu.

Text/Foto: Hans-Josef Schneider

Share This:

Add a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.