Anmerkungen zu Cakirs Auftritt

1Zur Abseitsszene: Aufgrund des angehängten Bildes, sollte die weitergehende Ausführung für sich sprechen. Hier lag keine Abseitsstellung vor. Brillianz gesehen von Ongun.

 

 

 

Zum Strafstoß für Atlético: Das Problem für den Schiedsrichter bei solchen Grätschen besteht darin, dass sie aus einer Bewegung heraus entstehen, also dynamisch sind, anders als ein statisches Beinstellen. Dadurch ist es schwierig zu erkennen, wann genau der entscheidende Kontakt zustande kommt. Martínez hat deutlich vor der Strafraumgrenze zum Tackling angesetzt und ist dann weitergerutscht, zum maßgeblichen Treffer kam es letztlich Zentimeter vor der Strafraumlinie, aber die Bewegung hat sich danach noch fortgesetzt. Selbst bei sehr gutem Stellungsspiel – das Çakır in dieser Situation hatte – ist es in solchen Situationen angesichts des Tempos oft kaum zweifelsfrei zu sehen, ob das Foulspiel nun außerhalb des Strafraums, auf der Strafraumlinie (die ja bekanntlich zum Strafraum gehört) oder innerhalb des Sechzehners geschah.

Zum Zeitspiel: Atlético verstand es meisterhaft, die Verzögerungen genau so auszuführen, dass sie um eine Gelbe Karte herumkommen. Sie wussten exakt, wo die Grenzen liegen, vor allem bei Schiedsrichtern, die – wie Çakır – die Leine insgesamt eher lang lassen (was dem Spiel gestern grundsätzlich auch angemessen war). Wenn Çakır gestisch eine schnellere Spielfortsetzung angemahnt hat, haben sie sich für ein paar Minuten ein bisschen beeilt, um sich dann wieder einen Tick mehr Zeit zu lassen. So richtig greifbar wurde das für den Schiedsrichter dadurch nicht, soll heißen: Es bot sich letztlich keine Situation wirklich an, um eine Verwarnung auszusprechen. Bei Kokes Auswechslung hat sich Çakır dafür entschieden, den Spieler quasi persönlich zur Seitenlinie zu begleiten – sicherlich vor allem deshalb, weil eine Gelbe Karte erstens folgenlos gewesen wäre und zweitens aufgrund der dadurch zwangsläufig entstehenden Unruhe und wegen des Notierens der Karte noch mehr Zeit verloren gegangen wäre (mit Auswirkungen auf den Rhythmus der Bayern). Oblaks Verletzung kam mir auch eher simuliert vor, aber da hat man als Referee kaum eine Handhabe: Wenn der Keeper liegen bleibt und anzeigt, dass er eine Behandlung benötigt, wird man sie ihm gewähren, denn ohne Torwart kann nicht weitergespielt werden, und den Platz muss er dafür ja nicht verlassen.

Zur Zweikampfbewertung: Es war für mich interessant, die Diskussionen zu verfolgen. Die einen fanden das Çakır gegenüber den Bayern zu kleinlich war, die anderen waren der Ansicht, er sei ihnen gegenüber zu großzügig gewesen. Oft sind solche einander widersprechende Einschätzungen ein Zeichen dafür, dass die Linie alles in allem nicht so verkehrt war. Und so habe ich das, ehrlich gesagt, auch gesehen. Çakır war insgesamt recht großzügig bei der Zweikampfbewertung, was ich richtig fand; dass man über einzelne Situationen streiten kann, bleibt gerade in einem solch intensiven Spiel nicht aus.

 

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