Studie: Expertise bewahrt Schiedsrichter nicht vor Fehlern

Expertise schützt einen Schiedsrichter nicht vor falschen Wahrnehmungen. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher in einer aktuellen Studie der Universität Tübingen.

Anlass für die Studie war ein Ereignis vor drei Jahren: Im Spiel Hoffenheim gegen Leverkusen kam es zum berühmten Phantomtor. Alle sahen das Tor der Leverkusener, auch der Schiedsrichter. Tatsächlich war der Ball durch ein Loch im Außennetz ins Tor geschlüpft. Die Torlinie hatte der Ball nie überschritten.

Stefan Kießling
Stefan Kießling

Trotz aller Kritik an seiner Person steht der 29-Jährige Stefan Kießling einer möglichen Einführung des Videobeweises im Fußball mit gemischten Gefühlen gegenüber.

„Der Fußball lebt von Fehlentscheidung. Das ist der Fußball und der Sport.“

Markus Huff aus dem Arbeitsbereich Allgemeine Psychologie der Universität Tübingen argumentierte, dem Schiedsrichter sei der Fehler nicht anzulasten. Der menschlichen Wahrnehmung entgingen viele Informationen, die das Hirn errate und ergänze – auch fehlerhaft. Um das zu belegen, testete er mit Kollegen die Wahrnehmung von FIFA-Schiedsrichtern und Laien beim Betrachten von Videos, die typische Fußballsituationen zeigten. Sie veränderten die Clips und schnitten etwa die Ballberührung heraus. Hinterher waren sich die Probanden sicher, die Berührung gesehen zu haben, auch der Schiedsrichter. Das Hirn habe, basierend auf den kausalen Informationen, jeweils die Abläufe ergänzt, erklärt Huff. „Entscheidend sei die Plausibilität der Ereignisse.“

Publikation:
Brockhoff, A., Huff, M., Maurer, A., & Papenmeier, F. (2016). Seeing the unseen? Illusory causal filling in FIFA referees, players, and novices. Cognitive Research: Principles and Implications, 1(1), 1–12. doi.org/10.1186/s41235-016-0008-5

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