Die Fußball-Regel 2016/2017

Nun liegt uns auch das neue Regelheft des Deutschen Fußball-Bund​es vor. Der Regeltext selbst ist logischerweise identisch mit der deutschen Fassung der Regeln beim The IFAB​, aber es sind auch wieder ergänzende Anmerkungen des DFB zu den einzelnen Regeln enthalten.

Wobei sich diesbezüglich im Vergleich zum Vorjahr (und damit zum alten Regelwerk) recht wenig geändert hat. Wir hatten eigentlich mit mehr Klarstellungen gerechnet, zumal sich in der Zwischenzeit viele Fragen aufgetan hatten.

Hier geht’s zum Download: ➡  Die Fußball-Regeln 2016/2017.

Hier das Wichtigste in Kürze:

 

  • Regel 3 – Zahl der Spieler

1. In Zukunft muss der Schiedsrichter eine Partie abbrechen, sobald eine der beiden Mannschaften aus weniger als sieben Spielern besteht. Bisher hatte die FIFA es ihren Mitgliedsverbänden überlassen, eine Mindestanzahl an Spielern pro Mannschaft für die Spielfortsetzung festzulegen. Empfohlen wurde eine Mindestanzahl von sieben Spielern. Der DFB hatte bislang seine Schiedsrichter angewiesen, das Spiel auf Wunsch eines Spielführers abzubrechen, wenn dessen Mannschaft auf weniger als sieben Spieler reduziert worden war und das Ergebnis für den Gegner lautete.

2. Betritt ein Teamoffizieller, ein Auswechselspieler, ein bereits ausgewechselter Spieler oder ein des Feldes verwiesener Spieler unerlaubt das Spielfeld und wird das Spiel daraufhin unterbrochen, wird die Partie in Zukunft – in Abhängigkeit vom Ort an dem sich der Ball bei der Spielunterbrechung befindet – mit einem direkten Freistoß bzw. einem Strafstoß fortgesetzt. Bislang wurde das Spiel entweder mit einem indirekten Freistoß (im Fall von Auswechselspielern und ausgewechselten Spielern) oder mit einem Schiedsrichterball (im Fall von Teamoffiziellen oder des Feldes verwiesener Spieler) fortgesetzt.

3. Bislang wurde ein Treffer nicht anerkannt, falls dieser erzielt wurde, während sich ein Auswechselspieler, ein Teamoffizieller oder eine Drittperson (jede Person, die nicht als Spieler, Auswechselspieler oder Teamoffizieller auf der Teamliste steht)auf dem Spielfeld befand und in das Spielgeschehen eingriff. In Zukunft sollen diese Treffer gezählt werden, selbst wenn der Eindringling den Ball noch berührt, bevor er die Torlinie überschreitet. Voraussetzung ist allerdings, dass er keinen Spieler der verteidigenden Mannschaft daran hindert den Ball zu spielen und dass der Treffer für die gegnerische Mannschaft (des Eindringlings) fällt. In demselben Sinne wird in Zukunft auch entschieden, wenn ein zweiter Ball, andere Objekte oder Tiere auf das Spielfeld gelangen.

 

  • Regel 4 – Ausrüstung der Spieler

4. In Zukunft müssen sämtliche Materialien – nicht nur Tape oder ähnliche Materialien -, die auf den Stutzen angebracht werden, die gleiche Farbe aufweisen, wie der Teil der Stutzen, der verdeckt wird. Von der neuen Regelung sind vor allem die – zumeist weißen – Fußgelenkbandagen betroffen, die häufig über den Stutzen getragen werden. Spieler, die Unterziehhosen oder Tights benutzen möchten, können bei mehrfarbigen Hosen in Zukunft wählen, ob diese die gleiche Farbe wie die Hauptfarbe der Hosen haben sollen oder ob sie der Farbe des unteren Hosenrandes entsprechen sollen. Allerdings müssen die Unterziehhosen oder Tights aller Spieler einer Mannschaft die gleiche Farbe besitzen.

5. Ein Spieler, der wegen seiner Ausrüstung das Spielfeld verlassen muss (z.B. um ein zerrissenes Trikot zu wechseln), muss, bevor er das Spielfeld erneut betreten darf, zunächst seine Ausrüstung von einem »Match-Official« (unter diesen Begriff fallen der Schiedsrichter, die Schiedsrichter-Assistenten, der Vierte Offizielle, die Zusätzliche Schiedsrichter-Assistenten (Torlinienrichter) und der Ersatz-Schiedsrichter-Assistent) überprüfen lassen. Daraufhin kann er das Spielfeld betreten, sobald der Schiedsrichter ihm die Erlaubnis gibt. Dies kann in Zukunft auch während der laufenden Partie geschehen. Bislang war ausschließlich der Schiedsrichter für die Überprüfung zuständig und der Spieler musste auf eine Spielunterbrechung warten, bevor er das Spielfeld erneut betreten durfte.

 

  • Regel 5 – Der Schiedsrichter

6. Die Regeln erlauben es dem Schiedsrichter während einer Spielunterbrechung seine Meinung zu revidieren. Nachdem er die Partie fortgesetzt oder abgepfiffen hat, ist dies nicht mehr möglich. Der neue Regeltext ergänzt, dass ein Schiedsrichter seine Entscheidung nicht mehr zurücknehmen darf, sobald er die erste oder zweite Halbzeit (Verlängerungen eingeschlossen) abgepfiffen und das Spielfeld verlassen hat.

7. Finden mehrere Vergehen gleichzeitig statt, musste bislang folgendermaßen entschieden werden: Wurden die Vergehen von Spielern derselben Mannschaft begangen, wurde das am schwersten wiegende Vergehen bestraft und die Spielfortsetzung auf Basis dieses Vergehens festgelegt. Bei gleichzeitigen Vergehen von Spielern beider Mannschaften wurde das Spiel mit einem Schiedsrichterball fortgesetzt. In Zukunft erfolgt die Spielfortsetzung generell aufgrund des am schwersten wiegenden Vergehens. Ob die Vergehen von Spielern einer oder beider Mannschaften begangen wurden, spielt keine Rolle mehr.

8. Neuerdings hat der Schiedsrichter die Möglichkeit Disziplinarmaßnahmen von dem Zeitpunkt an zu verhängen, an dem er das Spielfeld zur Inspektion des Platzes betritt. Bislang konnte er Disziplinarmaßnahmen erst ab Betreten des Spielfeldes zum Spielbeginn verhängen. Konkret heißt dies beispielsweise, dass der Schiedsrichter einen Spieler, der eine Tat begeht, die während des Spiels zu einem Feldverweis führen würde, vom Spiel ausschließen kann. Liegen andere Arten von Vergehen vor, soll der Schiedsrichter dies in seinem Spielbericht vermerken. Ungeachtet dessen sollen Gelbe und Rote Karten nach wie vor erst mit Betreten des Spielfeldes zum Spielbeginn zum Einsatz kommen.

9. Wurde in der Vergangenheit ein Spieler verletzt und hat es der Schiedsrichter daraufhin erlaubt, dass Ärzte den Platz betreten, musste der Spieler das Spielfeld im Anschluss an die Untersuchung bzw. Behandlung verlassen. In Zukunft gibt es von dieser Bestimmung eine Ausnahme: Hat sich der Spieler die Verletzung infolge eines Vergehens eines Gegenspielers zugezogen, für das dieser die Gelbe oder Rote Karte gesehen hat und ist die Untersuchung bzw. Behandlung rasch vonstatten gegangen, braucht der Spieler das Spielfeld nicht mehr verlassen.

 

  • Regel 8 – Beginn und Fortsetzung des Spiels

10. In Zukunft kann der Ball beim Anstoß auch nach hinten gespielt werden. Entscheidend ist, dass sich der Ball deutlich bewegt (siehe auch Punkt 11).

Regel 8 – Beginn und Fortsetzung des Spiels / Regel 13 – Freistöße / Regel 14: Strafstoß / Regel 17 – Eckstoß

11. Im neuen Regelwerk wird festgelegt, dass sich der Ball bei Spielfortsetzungsaktionen (betroffen sind Anstoß, Freistoß, Strafstoß und Eckstoß) deutlich bewegen muss. Bislang hieß es z.B. in der Regel 13: »Der Ball ist im Spiel, wenn er mit dem Fuß berührt wurde und sich bewegt«. In Zukunft wird es heißen «… deutlich bewegt« (im Englischen: »clearly moves«).

 

  • Regel 11 – Abseits

12. Die Formulierung, dass sich ein Spieler in der eigenen Hälfte nicht in einer Abseitsposition befinden kann, wurde verworfen. Stattdessen heißt es in Zukunft, dass ein Spieler nur in der gegnerischen Hälfte im Abseits stehen kann. In diesem Zusammenhang wird die Mittellinie als neutral betrachtet, d.h. sie gehört nicht zur gegnerischen Hälfte.

13. Das neue Regelwerk beseitigt Unklarheiten im Zusammenhang mit dem Ort der Spielfortsetzung beim Abseits. Es wird herausgehoben, dass das Spiel dort fortgesetzt wird, wo der Regelverstoß begangen wurde. Ein Beispiel: Ein Spieler befindet sich beim Spielen des Balles eines Mitspielers in der gegnerischen Hälfte in einer Abseitsposition. Er sprintet dem Ball entgegen und nimmt ihn in der eigenen Hälfte an. In diesem Fall wird das Spiel in der Hälfte des abseitsstehenden Spielers fortgesetzt.

14. Ein verteidigender Spieler, der unerlaubt das Spielfeld verlässt, wird solange bei der Bewertung einer Abseitsstellung berücksichtigt (d.h. seine Position außerhalb des Spielfeldes wird gedanklich auf die Seiten- oder Torlinie projiziert), bis es seiner Mannschaft gelingt, den Ball in Richtung Mittellinie zu spielen – vorausgesetzt der Ball befindet sich außerhalb des Strafraums bzw. verlässt den Strafraum. Bislang hat erst die nächste Spielunterbrechung dafür gesorgt, dass der Spieler außerhalb des Feldes nicht mehr in die Abseitsentscheidung einbezogen wurde.

15. Wenn ein angreifender Spieler, der das Spielfeld verlässt, um sich einer Abseitsposition zu entziehen, das Spielfeld während des laufenden Spiels über die Torlinie erneut betritt, wird der Schiedsrichter diesen Spieler bei der Beurteilung von Abseitspositionen solange gedanklich auf die Torlinie stellen, bis das Spiel unterbrochen wird oder die verteidigende Mannschaft den Ball in Richtung Mittellinie spielt – vorausgesetzt der Ball befindet sich außerhalb des Strafraums bzw. verlässt den Strafraum.

 

  • Regel 12 – Verbotenes Spiel und unsportliches Betragen

16. Die Regeln sehen vor, dass bei groben Fouls, die mit einer Roten Karte oder zweiten Gelben Karte zu ahnden sind, nicht auf Vorteil entschieden werden soll, es sei den es ergibt sich im unmittelbaren Anschluss an das Vergehen eine klare Torchance für das Team des gefoulten Spielers. Bislang war es in diesem Fall so, dass der foulende Spieler die Rote bzw. Gelb/Rote Karte in der nächsten Spielunterbrechung erhält. In Zukunft soll bei einer klaren Torchance weiterhin auf Vorteil entschieden werden. Wird jedoch die Chance vergeben und kommt der Übeltäter danach an den Ball oder greift anderweitig in das Spielgeschehen ein, unterbricht der Schiedsrichter das Spiel, verweist den Spieler des Feldes und setzt die Partie mit einem indirekten Freistoß fort.

 

17. In Zukunft werden vergebliche Versuche ein Tor durch ein Handspiel zu verhindern mit einer gelben Karte bestraft.

18. Im Abschnitt »Feldverweiswürdige Vergehen« wurden einige Zeilen eingefügt, die klären, was passieren soll, wenn innerhalb des Strafraums eine sichere Torchance durch eine Regelwidrigkeit verhindert wird. Es soll in Zukunft so sein, dass der Spieler, der den Regelverstoß begeht, eine Verwarnung (Gelbe Karte) erhält, sobald der Schiedsrichter einen Strafstoß pfeift, es sei denn das Vergehen besteht in einem Halten, Ziehen oder Stoßen des Gegenspielers (a), der Spieler macht keinen Versuch den Ball zu spielen bzw. hat überhaupt nicht die Möglichkeit den Ball zu spielen (b) oder die Regelwidrigkeit besteht in einem Vergehen, dass generell mit einer roten Karte zu ahnden ist (c). In diesen Fällen wird ebenfalls auf Strafstoß entschieden. Zusätzlich wird der Übeltäter vom Platz geschickt.

Etwas deutlicher wird diese Regeländerung, wenn man sich Folgendes vor Augen führt: Geschieht das Foul innerhalb des Strafraums im Kampf um den Ball, gibt es in Zukunft – abgesehen von einem Strafstoß – für den verteidigenden Spieler lediglich eine Verwarnung – auch wenn er durch seinen Regelverstoß eine sichere Torchance vereitelt hat.

Darüber hinaus hebt der neue Regeltext hervor, dass eine Vereitelung einer sicheren Torchance oder eines sicheren Tores durch ein Handspiel generell zu einer Roten Karte führt, ganz gleich wo das Vergehen begangen wird, also auch außerhalb des Strafraums.

19. Im neuen Regelwerk wird durch eine Ergänzung noch einmal deutlich hervorgehoben, dass auch der Versuch einer Tätigkeit mit einer roten Karte bestraft werden soll. Ob es zu einem Kontakt kommt oder auch nicht, spielt keine Rolle.

20. Tätigkeiten bei laufendem Spiel auf dem Spielfeld, die an einem Mitspieler der eigenen Mannschaft, an Auswechselspielern oder ausgewechselten Spielern, Team-Offiziellen oder Match-Offiziellen begangen werden, werden in Zukunft mit einem direkten Freistoß bzw. einem Strafstoß geahndet. Bislang gab es in solchen Fällen lediglich einen indirekten Freistoß.

21. Verlassen zwei Spieler im Rahmen eines Zweikampfes das Spielfeld und findet dann außerhalb des Spielfeldes eine Regelwidrigkeit statt, gibt es einen Freistoß auf der Grenzlinie (Seiten- bzw. Torlinie) und zwar an dem Ort, der dem Tatort am nächsten ist. Gehörte das Vergehen in die Kategorie, die mit einem direkten Freistoß geahndet wird und befindet sich der Ort der Spielfortsetzung auf dem Teil der Torlinie, der zum Strafraum gehört, gibt es einen Strafstoß, falls das Vergehen von einem verteidigenden Spieler begangen wurde.

22. Begeht der Torhüter bei Ausführung eines Strafstoßes eine Regelwidrigkeit und landet der Ball nicht im Tor, wird der Torhüter in Zukunft mit einer Gelben Karte bestraft.

 

  • Regel 15 – Der Einwurf

23. Eine Ergänzung im Zusammenhang mit dem Einwurf macht klar, dass es als unsportlich erachtet wird, wenn sich ein Spieler der gegnerischen Mannschaft dem Einwerfenden auf eine Distanz von weniger als zwei Metern nähert. In Zukunft soll ein derartiges Verhalten mit einer Gelben Karte bestraft werden. Bislang sollte lediglich eine Ermahnung ausgesprochen werden. Wurde der Einwurf bereits ausgeführt, lautet von nun an die korrekte Spielfortsetzung indirekter Freistoß.

 

  • Regel 16 – Abstoß und Regel 17 – Eckstoß

24. Das neue Regelwerk beschreibt explizit, wie die richtige Spielvorsetzung aussieht, wenn ein Abstoß – unter der Voraussetzung, dass der Ball den Strafraum verlassen hat (Stichwort: heftiger Gegenwind) – oder ein Eckstoß direkt ins eigene Tor getreten wird. In beiden Fällen gibt es einen Eckstoß für den Gegner.

 

  • Vorgehensweise zur Ermittlung eines Siegers

25. Bislang sahen die Regeln vor, dass die Anzahl der Spieler beider Mannschaften lediglich zu Beginn des Elfmeterschießens gleich sein musste. Verletzte sich ein Spieler während des Elfmeterschießens oder wurde vom Spiel ausgeschlossen, durfte bzw. musste das gegnerische Team weiterhin mit der vollen Anzahl an Spielern am Elfmeterschießen teilnehmen. In Zukunft wird in solch einem Fall auch das gegnerische Team um einen Spieler reduziert. Damit soll verhindert werden, dass am Ende des ersten Durchganges der beste Schütze der Mannschaft, die einen Spieler verloren hat, gegen den schlechtesten Schützen der anderen Mannschaft antreten darf.

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