Regelverstoß bei Bayerns Champions League Auftritt?

 

Lutz Wagner
DFB-Lehrwart Lutz Wagner

Im Netz überschlagen sich die Kommentare zur Abseitsposition von Robert Lewandowski im Champions League-Spiel des FK Rostow gegen Bayern München.

credit to wahretabelle.de
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In Minute 86 flankte Frank Ribery von der linken Seite in Richtung des abseitsstehenden Robert Lewandowsk. Als der Ball noch etwa zehn Meter von Lewandowski und seinen Gegenspieler entfernt in der Luft segelte, begann letzterer den Polen zu klammern und schloss den Armeinsatz mit einem Stoßen ab.

Schiedsrichter Artur Soares Dias pfiff und deutete zunächst auch auf den ominösen Punkt. Nahezu in demselben Moment riss der Schiedsrichter-Assistent die Fahne nach oben und signalisierte dem Referee die Abseitsstellung von Lewandowski, woraufhin Soares Dias den deutenden Arm wieder einfuhr und den linken Arm hob, um den indirekten Freistoß für Rostow wegen Abseitsstellung anzuzeigen.

Man könnte über das Thema stundenlang philosophieren und Vorträge halten, hat der Schiedsrichter hier eine Tatsachenentscheidung oder einen Regelverstoß getroffen? Hier drei weitere lesenswerte zitierbare Texte, die übereinstimmend lauten, dass man hier eher ein Strafstoß geben soll. Nach der neuen Regel wäre der Strafstoss möglich gewesen. Das ist eine reine 50/50-Entscheidung. Es kommt darauf an wie man es intepretiert. Wenn man sagt, beide Aktionen waren gleichzeitig, dann ist es Strafstoß. Ähnlich äußerte sich Johannes Gründel auf wahretabelle, »The 3rd Team« in ihremBlog und Collinas Erben.

In der Theorie hat das IFAB klar gesagt, dass grundsätzlich das Vergehen bestraft wird, welches schwerer liegt. Und das Halten (direkter Freistoß) wird schwerer bestraft als eine Abseitsposition (indirekter Freistoß), vor allen Dingen wenn das Halten, bzw. die Art des Foulspiels eine Verwarnung erfordert.

Ich denke da v.A. an die englischen Regeln. Nach deutschen Regeln kann es kein Abseits mehr geben. Ein strafbares Abseits kommt nur durch die Kombination aus Abseitsposition und Eingriff zu Stande und daher kann der Moment des Vergehens niemals die Abseitsstellung sein. Außerdem würde der neue Passus ‚auch wenn dies in der eigenen Hälfte ist‘ bezüglich der Position des Freistoßes sonst keinen Sinn ergeben.

  •  Eine Abseitsvergehen kommt nur durch die Kombination Abseitsposition und Eingriff zu Stande. Die Abseitsposition selber stellt noch kein Vergehen dar. Der Spieler wird (trotz der sehr unglücklichen Formulierung im deutschen Regelheft – dazu gleich noch ein paar Worte) daher für seinen Eingriff ins Spiel bestraft (daher auch der Passus, dass der Freistoß auch in der eigenen Spielhälfte verursacht werden kann, und nicht für seine Abseitsposition.
  • Bleibt in diesem Fall die Frage, wo sich der Eingriff in das Spielgeschehen manifestiert. Und das geschieht (in Anbetracht, dass der Ball noch nicht bei Lewandowski angekommen ist) erst durch das Foul. Und dadurch liegen nach den aktuellen Regeln zwei gleichzeitige Vergehen vor, von denen das härtere bestraft werden muss und das ist eben das Foulspiel. Das kann von den Regeln eigentlich nicht so gewollt sein, aber das letzte offizielle Lehrbeispiel vom DFB fordert in dieser Situation einen Strafstoß und ich sehe regeltechnisch auch keinen Spielraum dafür hier Abseits zu pfeifen.
  • Abschließend noch zur äußerst unglücklich formulierten Abseitsregel im DFB-Regelheft: Ein Spieler wird nur dann für seine Abseitsstellung bestraft, wenn er zum Zeitpunkt, zu dem der Ball von einem Mitspieler gespielt oder berührt wird, aktiv am Spiel teilnimmt.“ Ein Spieler greift aber i.A. nicht zum Zeitpunkt des Abspiels sondern erst später ein. Das Abseitskriterium nach der deutschen Fassung von Regel 11 kann also de facto nicht erfüllt werden und daher ist nach diesen Regeln im Moment nicht möglich.

Hier geht’s zum Video.

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