Schiri outet sich anonym! Öffentlich? Das kann er nicht!

Bildquelle: Die Zeit

Er vertraut sich nur seinen besten Freunden. Öffentlich outen will er sich nicht. Doch auf ig-schiedsrichter packt Niklas Anderson (Name geändert), ein deutscher Schiedsrichter anonym aus.

Von Reiner Kuhn

Thomas Hitzlsperger war im Januar 2014 der erste deutsche Fußball-Profi, der sich traute offen über seine Homosexualität zu sprechen – Allerdings tat er das auch erst nach seiner Karriere. Während seiner aktiven Laufbahn hatte er sich nicht getraut. So, wie viele weitere Kicker wahrscheinlich auch nicht. Nun könnte das größte Tabuthema im Männer-Fußball jedoch wieder neue Fahrt aufnehmen.

Schiedsrichter – ohne sich verstellen zu müssen, ein Schiedsrichter mit Persönlichkeit.

Er war 17, als Niklas Anderson irgendwo in Deutschland seine Anwärterprüfung ablegte. Er spielte Fußball in einem Dorfverein und trotzdem faszinierte Ihn schon immer der „schwarze Mann in der Mitte“. Als er in der untersten Jugendklasse begann zu Pfeifen war Niklas sofort Feuer und Flamme, es dauerte nicht lange und schon hörte Niklas mit dem Spielen auf und konzentrierte sich nur auf’s Pfeifen, eine große Karriere als Spieler wäre Ihm sowieso nicht vergönnt gewesen. Das er damit auf das richtige Pferd gesetzt hatte zeigt im Rückblick die Vita seiner ,,Karriere“: Junioren-Länderspiel, Junioren-Bundesliga, Regionalliga, diverse wichtige Pokal- und Punktspiele, viele Freundschaftsspiele mit der Beteiligung von Profimannschaften, bis hierhin eine erfolgreiche Laufbahn.

Doch eines war schon immer anders, er war schwul. Es dauerte lange sich das ganze selbst einzugestehen – Suizidgedanken – schlaflose Nächte – Versuche mit Frauen, doch nichts änderte etwas daran. Niklas war jung versuchte es geheim zu halten, was würden Spieler, Trainer, Funktionäre, Verwandte dazu sagen? Zu Ihm, der eine so steile Laufbahn hinlegte und so präsent in der Zeitung war, als Hoffnungsträger der Schiedsrichter seines Kreises.

Er hatte gerade seinen ersten Freund kennengelernt, und war vier Jahre mit Ihm zusammen. Er erklärte ihm was sein Hobby war und wie schwer es für Ihn ist, zum Glück stand er hinter Niklas und zog mit. In den Erzählungen mit seinen Schiedsrichter-Assistenten, hatte er also kurzerhand eine Freundin. Im Restaurant beim Essen nach dem Spiel fanden alle das Mädchen am Nachbartisch hübsch, er stimmte zu und meinte eigentlich den Jungen am Tisch daneben. Er spielte eine Rolle, auf und nun auch neben dem Platz. Niklas log Kameraden an die zu Freunden wurden, keiner von Ihnen kannte Niklas richtig und wusste wirklich wer er war. Er hatte Angst, dass wenn man es rausfindet der nächste Aufstieg nicht mehr seiner sein würde, sondern Funktionäre es nutzen könnten um ,,Ihre“ Favoriten hochzubringen. Also spielte Niklas seine Rolle und feierte Aufstieg um Aufstieg, viele Junge sahen zu Niklas auf. Zu Ihm? Nein nicht zu Ihm, zu der Person die er in ihren Augen war. Die Beziehung mit seinem damaligen Freund scheiterte, er sagte Niklas stünde nicht zu ihm. Ebenso wie alle danach, alles was er hatte war das Pfeifen. Ein Funktionär äußerte den Verdacht das er Gay sei, er lies Ih Wissen, dass er keine Chance hätte hochzukommen, was würden die Fans im Stadion sagen?

„Angst, ich könnte sie vernaschen“

Es folgte ein neues (sauberes) Facebookprofil, eine Scheinfreundin und diverse gescheiterte kurze Affären mit Jungs. Niklas begann erste Tätigkeiten als Funktionär und schon gleich ergaben sich die ersten Fragen in seinem Kopf: Was würde sein Vorsitzender sagen, wenn er wüsste das er Gay sei, würde er Ihn noch mit anderen Schiedsrichtern los schicken? Würden die Jungs noch mit mir los wollen oder gar duschen? Er bekam Angst, er gab trotzdem alles um sie zu fördern und zu fordern. Und immer noch wusste keiner wer Niklas wirklich war.

Privat war er tot unglücklich, während er lächelnd Wochenende jede Beschimpfung ertrug und fröhlich in Kameras lächelte. Niklas hatte nur das Pfeifen und dort wusste keiner wer wirklich war, Niklas hatte also keine wirklichen Freunde und keinen Partner. Er war allein, er erzählte es seinen Eltern, sein Vater redete ein halbes Jahr nicht mehr mit Ihm. Und immer wieder lächeln und durch Deutschland reisen. Wochenende für Wochenende. Doch dann lernte er seinen jetzigen Freund kennen, er liebt ihn über alles. Nur zeigen dürfte er es nicht. Alle Funktionäre bekamen zu Weihnachten, ein kleines Präsent für ihre Frauen, er nicht, offiziell war Niklas Single. Obwohl er vor Liebe fast platze, obwohl es Ihm weh tat. Er fängt an sich heute zu öffnen, weil er erkannt hat, dass der Preis für keine Karriere dieser Welt sein darf nicht man selbst sein zu können. Wir alle spielen Rollen, wenn wir auf dem Platz stehen, auf der Bühne Sportplatz, dabei ist es egal ob vor 1 Zuschauer oder 20.000 Zuschauern.

Wir fragen uns warum sich keiner outet? Wer würde sich outen bei diesem Druck? Wer würde keine Rolle spielen, wenn es heißt Karriere oder Glück. Jeder sucht in und Woche für Woche den Sündenbock, doch was ist wenn wir wirklich einen Fehler haben ? Nicht sind wie alle anderen ? Dann bleibt nur Karriere oder Persönlichkeit … !

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