Strittige Szenen am 28. Spieltag der 3. Liga

Schiedsrichter haben es nicht leicht. Sie müssen 22 Spieler im Auge behalten und haben keine Zeitlupe oder verschiedene Kamera-Einstellungen. Wir nehmen einige Szenen vom Wochenende noch einmal unter die Lupe.

Unsere Einschätzung für „Sport im Osten

Duisburg – Erfurt: In der 26. Minute hatte Christoph Menz Glück, als er für ein Foul an Fabian Schnellhardt nicht den Platz verlassen musste. Aber war es auch Rot? (ab 7:30 im Video).

Unsere Einschätzung: Gelb. Begründung: Die Grätsche kommt nicht von hinten sondern von der Seite, kein Volltreffer und unterhalb des Knöchels. Deshalb kein grobes sondern lediglich ein rücksichtsloses Foulspiel. Rot wegen Notbreme kommt sowieso nicht in Frage, da noch ein Erfurter hätte eingreifen können und so keine klare Torchance verhindert wurde.

Zur ersten Entscheidung Gelb oder Rot noch ein Nachtrag: Ich hab mir die Szene jetzt nochmal wiederholt angesehen und bin nochmal alle Kriterien durchgegangen. Es spricht in der Tat mehr für Rot als für Gelb. Das Foulspiel ist an der Grenze (lt. DFB-Kritieren aber noch Gelb noch vertretbar), aber bei der Notbremse, scheint Rot wirklich gegeben zu sein. Der unten mitgelaufene Spieler hat ja keinerlei Einfluss mehr. Tendenziell würd ich es hier eher bei Gelb belassen, weil es „im Geiste der Regel ist“ Und da ja die Rote Karte im Profifussball vom DFB als Berufsverbot angesehen wird, ist es aus meiner Sicht eher Gelb als Rot.

In der 67. Minute ging RWE-Keeper Philipp Klewin in ein Duell mit Iljutcenko. Klewin war vor dem MSV-Stürmer am Ball, prallte dann mit diesem zusammen, Schult entschied zur Verwunderung der Thüringer auf Strafstoß! Bajic ließ sich von den Diskussionen nicht beeinflussen und stellte das Ergebnis vom Punkt auf 3:1. (im Video ab 3:15).

Unsere Einschätzung: Es ist keine falsche Entscheidung. Der Torhüter geht mit einem zu hohen Risiko in den Mann, trifft zwar den Ball aber auch den Gegner. In der Bundesliga gestern in Köln kam es zu ähnlicher Szene mit Timo Horn dort wurde auch ein Strafstoß gegeben. Das ist eine Entscheidung die man geben kann, aber nicht zwingend geben muss, daher keine klare Fehlentscheidung. Gelb für den Keeper ergibt sich aus dem rücksichtslosen Foulspiel. Hätte er das Foul vom Keeper nicht gepfiffen, wäre ein Strafstoß wegen des Trikotzupfens des Erfurters am Duisburger auch möglich gewesen.

Das war allerdings noch nicht das Ende und auch Erfurt bekam noch einen Strafstoß. Und an diesem gab es nichts auszusetzen, Schnellhardt traf Bergmann im Sechzehner. Auch Erb behielt die Nerven und verwandelte humorlos zum 2:3 aus Erfurter Sicht (83.). (ab 9:30 im Video).

Conrad liegt, Heider trifft, Tor zählt, Cincotta fliegt

Osnabrück – Chemnitz: Nach einem langen Ball wollte Conrad das Leder klären, Heider ging auch zum Ball und traf den Chemnitzer dabei am Bein. Conrad ging zu Boden, Heider jagte die Kugel direkt in die Maschen – trotz Chemnitzer Protesten zählte der Treffer (66.). (ab 1:24 im Video).

Unsere Einschätzung: Marc Heider tritt im Laufduell ohne Chance den Ball zu spielen den Chemnitzer Conrad unten am Fuß. Der gerät so ins straucheln und fällt hin. Aus dem Bewegungsablauf für das Schiedsrichtergespann schwer zu sehen aber nach Sichtung der Zeitlupe hätte der Treffer nicht zählen dürfen. Hier lag eine Fehlentscheidung von Markus Schmidt vor.

Und es kam noch schlimmer für die Sachsen: Der bereits verwarnte Cincotta sah nach einem Einsteigen gegen Heider die Ampelkarte – eine harte Entscheidung (69.).  Den fälligen Freistoß flankte Wriedt in die Mitte, wo Engel am langen Pfosten dem eingewechselten Bittroff entwischte. Kunz hatte noch die Hände am Kopfball von Engel, konnte einen Einschlag jedoch nicht mehr verhindern – 3:0 (70.). (Zum Video ab 3.10).

Unsere Einschätzung: Die Kameraeinstellungen ist nicht 100% ausreichend. Anhand der einen Perspektive sehe ich keinen Kontakt. Der Schiedsrichter hat sich von der hohen Dynamik scheinbar täuschen lassen. Hier wäre weiterspielen meiner Meinung richtig gewesen. Dagegen spricht, dass der Verteidiger gegen den Freistoß keine Kritik übt. Und mich wundert, die Verletzung am Knie des Stürmers. Vielleicht war da doch etwas, was wir nicht gesehen haben. Im normalen Bewegungsablauf ohne Zeitlupe dachte ich erst warum fällt der denn so? Niemals ein Foul. Aber in der Zeitlupe ist es schon ein deutlicher Treffer. Er steigt schon relativ rücksichtslos in den Mann. Trifft ihn dann am Knie, ohne zuvor die Chance auf den spielbaren Ball zu haben. Aber wie gesagt. Sieht man hier erst in der Zeitlupe. Wir finden die Gelbe Karte daher durchaus berechtigt. Wenn die Bilder es nicht zweifelsfrei auflösen, gilt die Entscheidung des Schiedsrichters. Da scheint ein Kontakt am Knie gewesen zu sein. Das war aber nicht der Anlass für den Sturz, der begann früher.

Fazit: Eine zu harte Entscheidung von Markus Schmidt. Erst der Sturz, dann der Kontakt. Für uns weiterspielen, maximal Freistoß ohne Personalstrafe. In Spielen ohne TV-Bilder: Freistoß ohne Karte.

Morys spielt den sterbenden Schwan

Aalen – Frankfurt: Nach einem Paß in den Strafraum von Preißinger auf Matthias Morys sucht den Kontakt mit Frankfurts Schlussmann Pirson und forderte Strafstoß  (ab 1:27 im Video).

Unsere Einschätzung: Morys sucht den Kontakt mit dem Frankfurter Keeper, fädelt ein und fällt dann. Schiedsrichter Robert Hartmann fällt aber auf diese „Schwalbe“ nicht drauf herein. Gelb wegen einer Unsportlichkeit liegt im Bereich des Möglichen.

In der 54. Minute kam Matthias Morys erneut im Strafraum nach einem Zweikampf mit Schäfer zu Fall, die Pfeife von Referee Robert Hartmann blieb jedoch erneut stumm (ab 3:08 im Video).

Unsere Einschätzung: Diese Szene für Robert Hartmann ist schon kniffliger aber hier ist die Entscheidung des Schiedsrichters zu akzeptieren. Fast zeitgleich trifft Morys den Ball und der Frankfurter das Bein von Morys. Eine vertretbare Entscheidung, da der Schiedsrichter ja keine Zeitlupe hat, ist die Entscheidung zu akzeptieren.

Rot für Halles Kleineheinsmann berechtigt?

Die Rote Karte wirkt im ersten Moment überzogen. Leider gibt es die Zeitlupe nicht eindeutig her, aber man kann erahnen, dass der Hallenser Spieler den Lotte-Spieler mit den Stollen weit oberhalb des Bodens am Knie trifft. Dafür spricht auch, dass sich der Lotte-Spieler das Knie hält. Ich bin mir sicher, dass Günter Perl die Rote Karte nicht wegen Notbremse, sondern wegen groben Foulspiels gegeben hat. Aus seiner Perspektive könnte er es wie oben geschildert wahrgenommen haben, daher erscheint die RK nicht ganz unbegründet. Dennoch sicherlich aus unserem Blickwinkel schwer nachvollziehbar. Eine harte, aber eine vollkommen vertretbare Entscheidung! Achtet einfach auf den Ball wie weit der schon weg ist und wie deutlich der Verteidiger nur auf den Gegner fokussiert ist. Er trifft ihn hart und deutlich im vollen Lauf. Rote Karte zurecht!

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