Schiedsrichter und ein menschlicher Umgang – Ein einfacher Wunsch mit großen Hürden

Das Problem der Amateur-Schiedsrichter – Längst ein Problem der politischen Dimension

Ein Kommentar von Niklas Dehning
(Student der Politikwissenschaft an der Uni Freiburg)

Ein Problem kann nicht behoben werden. Eine wissenschaftliche Methodik der Politikwissenschaft, die für sämtliche Probleme und ihrer Lösung funktionstüchtige Aussagen bemühen kann, ist die Vorstellung des einfachen Lösungszyklus. Ein Problem wird mittels einer Maßnahme angegangen, die daraus folgende Agenda soll die Akteure zum selbstmotivierten Handeln bewegen, das Ergebnis soll den Ausgangspunkt verbessert haben – Fertig, ganz einfach – In der Theorie jedenfalls. Auf Deutschlands Sportplätzen jedenfalls ist das anders. Die in Sonderberichten und Meldungen beschriebenen Zustände von Gewalt und Bedrohung sind der Ausgangspunkt eines Problemes, welches kein Kavaliersdelikt und keine Lapalie, sondern einen solchen Umfang mit sich bringt, dass es eine ganze Sportart für tausende Sportler zerstören kann. Ein Problem für tausende Sportler, aber keine Erkenntnis Nur fehlt bereits in der Erkenntnis des Problems die notwendige Schärfe zur Lösung.

Dass aus der Bedrohung von Schiedsrichtern und für „einfache“ Spielabbrüche nur ein müdes Schulterzucken gewonnen werden kann, wird für eine Lösung auf Dauer nicht ausreichend sein. Einer Lösung mit der nötigen Anerkennung und dem Respekt gegenüber dem betreffenden Schiedsrichter wird dies schon gar nicht gleichkommen können. Doch ruht das Problem eigentlich in dem Kern der Sache selbst. Denn Fußball benötigt einen Ball, einen Fuß (schöner Wortwitz), Tore, Spieler und einen Schiedsrichter. Nicht umsonst wurde ein Posten an unsympathische, launige, miesepetrige Besserwisser in schwarzer Uniform vergeben, die mit einer Pfeife Herr über die Lage werden sollen. Der Schiedsrichter und sein Amt dringen in den Kern der Sache vor, eine Sache, die tausende Sportler, Begeisterte, Engagierte und Interessenten Woche für Woche in den unteren Ligen begeistert und so tolle Geschichten schreiben kann. Dieses Gerüst, welches aus Fäden und Pfaden der einzelnen Elemente gleichsam zerbrechlich wie abhängig ist, braucht eine jede Komponente für ihr Fortbestehen. Dazu gehört aus mancher Spielersicht auch „leider“ der 12. Mann. Der nötige Weg: Erkenntnis und Impact müssen schleunigst passieren.

Ohne die angesprochene Erkenntnis, dass die Schiedsrichter und ihr Schutz das zentrale Problem einer zentralen Sache einer zentralen Bedingung für eine zentrale Sportart sind, geht es nicht und wird es keine Ergebnisse bringen, die dem Sport langfristig zuträglich wären. Denn erst durch eine Erleuchtung in Sportgerichten, Ausschüssen, Verbänden, Gremien und auch bei den hohen Herren des DFB kann eine notwendige Implementierung für das Verhalten erlangt werden. Harte und konsequente Strafen, Fortbildungen mit dem zielgerichteten Inhalt, nachhaltiger Schiedsrichterbetreuung und Förderung viele weitere Erfindungen der modernen Sozialwissenschaft könnten das Verhältnis für und um die Schiedsrichter verbessern. Und erst wenn das erfüllt ist, dass Alle Beteiligten bereit dafür sind, die Rolle und Bedeutung der Schiedsrichter so zu akzeptieren, dass ihn auch ein jeder für zu schützend annimmt, dann können endlich die Maßnahmen für einen respektvollen und menschlichen Umgang geschaffen werden, der das Problem wirklich beheben könnte. Und ein menschlicher Umfang ist eigentlich kein großer Wunsch, er müsste nur endlich Gehör finden.

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