Schiedsrichter im Mittelpunkt: Auswertung strittiger Szenen – 1. Spieltag | 2. Bundesliga

Schiedsrichter im Mittelpunkt: Auswertung strittiger Szenen – 1. Spieltag | 2. Bundesliga

22. September 2020 0 Von IG Schiedsrichter

Auch zum Start der neuen Saison war der Videobeweis ein Thema. Einige strittige Szenen des 1. Spieltags der 2. Bundesliga wollen wir genauer beleuchten.

SV Sandhausen 3:2 SV Darmstadt 98 (SR: Guido Winkmann)

Der Darmstädter Braydon Manu wollte im eigenen Strafraum mit dem Kopf zum Ball, verschätzte sich und ging mit dem nach vorne gestreckten Arm zum Ball. Schiedsrichter Winkmann ließ zunächst weiterlaufen, ging aber dann nach Hinweis von Video-Assistent Sven Waschitzki zum Bildschirm und entschied auf Strafstoß. Eine richtige Entscheidung! Die Aktion sah unglücklich aus, doch Manu verbreiterte seine Körperfläche deutlich und ging mit dem Arm zum Ball (TV-Bilder ab 1:05 Minute).

Hannover 96 2:0 Karlsruher SC (SR: Tobias Stieler)

Djuricin hatte vor seinem Kopfball-Treffer geschoben geschoben.

Der Karlsruher Stürmer Djuricin köpfte zum vermeintlichen Tor für den KSC ein, hatte sich aber im Kopfballduell resolut Platz verschafft. Zu resolut für den Geschmack des VAR Martin Petersen, der Stieler zur Überprüfung an den Monitor holte. Djuricin hatte im Kopfballduell Dusch deutlich mit beiden Händen in den Rücken geschoben, weshalb Stieler dem Tor zu Recht die Anerkennung verweigerte (TV-Bilder ab 1:13 Minute).

Hamburger SV 2:1 Fortuna Düsseldorf (SR: Christian Dingert)

Florian Hartherz und Jeremy Dudziak gingen im Düsseldorfer Strafraum mit den Füßen in der Luft zum Ball. Dudziak ist wohl den kleinen Augenblick schneller und wurde von Hartherz getroffen, sodass Christian Dingert auf Strafstoß für den HSV entschied. Dennoch wurde kurz Rücksprache mit Video-Assistent Timo Gerach gehalten, der aber zu dem Schluss kam, dass keine klare Fehlentscheidung vorliegt. Der Strafstoßpfiff ist vertretbar und der VAR hielt sich lobenswerterweise zurück. Gute Zusammenarbeit des Teams (TV-Bilder ab 1:07 Minute).

Weniger – zumindest für Zuschauer – lobenswert, ging Dingert mit den Reklamationen des Düsseldorfers Amponah um. Unter der Voraussetzung, dass sich der Spieler nicht gröber im Ton vergriffen hat, ist diese gelb-rote Karte, die Amponah, nach einem verlorenen Zweikampf und den damit verbundenen Reklamationen sah, überzogen. Allein Dingerts Gestik spricht dafür, dass er sich provozieren ließ. Kann man besser lösen! (TV-Bilder ab2:32 Minute).

SSV Jahn Regensburg 1:1 1.FC Nürnberg (SR: Dr. Matthias Jöllenbeck)

Was zuvor von uns als lobenswerte Zurückhaltung des Video-Assistent erwähnt wurde, lief im bayerischen Derby eher weniger gut: Der Nürnberger Verteidiger Enrico Valentini blockte eine Regensburger Flanke, wobei der Ball seinen etwas abgestreckten, aber durchschwingenden Arm berührte. Schiedsrichter Jöllenbeck ließ zunächst weiterlaufen, doch überprüfte die Szene nach Hinweis von Video-Assistentin Bibiana Steinhaus noch einmal. Nach langer Ansicht der Bilder entschied er dann auf Strafstoß.

Was als Pfiff im laufenden Spiel schon hart gewesen wäre, kann auf keinen Fall eine Sache für den Videoassistenten sein. Eine solche Szene muss auf dem Platz entschieden werden. Hier liegt also ein völlig überzogener Eingriff des Video-Assistenten vor (TV-Bilder ab 1:25 Minute).

SpVgg Greuther Fürth 1:1 VfL Osnabrück (SR: Dr. Robert Kampka)

Mergim Mavraj berührte einen Osnabrücker Kopfball im eigenen Strafraum mit dem Oberarm. Die Szene wurde kurz von VAR Günter Perl überprüft, doch die Entscheidung, keinen Strafstoß zu verhängen, blieb bestehen. Auch hier liegt keine klare Fehlentscheidung vor, da Mavraj’s Arm in natürlicher Haltung nicht zum Ball ging. Die Entscheidung auf dem Platz wurde also richtigerweise bestätigt (TV-Bilder ab 2:03 Minute).

1.FC Heidenheim 2:0 Eintracht Braunschweig (SR: Nicolas Winter)

Pick kommt über links und gibt in die Mitte zu Kerschbaumer, der aus rund 16 Metern abzieht und einen Gegenspieler an der Hand trifft.

Nach Picks Schuss aus mittigen 17 Metern warf sich Ziegele in die Schussbahn und berührte die Kugel mit dem hochgerissenen rechten Arm. Referee Winter ließ zunächst weiterspielen, ging nach Hinweis des Video-Assistenten in die Review Area und der Unparteiische zeigte anschießend auf den Punkt. Die Entscheidung nach Videobeweis Elfmeter für Heidenheim zu geben ist richtig, allerdings hätte der Elfmeter auch ohne des Eingreifens vom VAR gesehen werden können. Da durch das Handspiel ein Torschuss verhindert wurde,  sah der Sünder noch richtigerweise Gelb (TV-Bilder ab 0:31).

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