Eine Frage von Autorität und Akzeptanz

Eine Frage von Autorität und Akzeptanz

23. November 2020 0 Von IG Schiedsrichter

Am vergangenen Spieltag waren in der 3. Liga wieder viele junge Talente im Einsatz – und eben auch ein Manuel Gräfe!

Hansa Rostock 1:3 SG Dynamo Dresden (SR: Manuel Gräfe)

Nico Neidhart schlug Christoph Daferner an der Seitenlinie, lange bevor der Ball in der Nähe war, den Ellenbogen ins Gesicht und erhielt von Manuel Gräfe die gelbe Karte. Diese Szene ist exemplarisch dafür, wie wichtig Autorität und Akzeptanz ist, die sich Gräfe über viele Jahrzehnte erarbeitet hat. Man würde zu gerne einmal die Gespräche auf dem Platz nach solchen Entscheidungen mithören, denn genau die selbe Situation würde jedem anderen Schiedsrichter zum Verhängnis werden. Der Ellenbogen des Rostockers dient hier klar als Waffe und landete völlig ohne irgendeinen Zusammenhang mit dem Spiel in Daferners Gesicht. Hier hätte Gräfe die Rote Karte zeigen müssen! Trotz allem war es aber mal wieder beeindruckend, wie er das Spiel beinahe spielend im Griff hielt! [TV-Bilder ab 1:53:00 Minute]

Das hat sich Manuel Gräfe über Jahre hinweg durch seine Art erarbeitet, mit allen Beteiligten umzugehen. Er schaut nie von oben herab auf die Spieler, ist immer freundlich aber doch konsequent und seine unaufgeregte Spielführung trägt dazu bei, dass man ihm auch mal einen Fehler nachsieht. Es ist die sonst ruhige souveräne Spielführung die ihn auszeichnet. Anders als viele anderer, sucht er nicht den ‚Mittelpunkt‘ und seine Autorität gewinnt er durch diese Ruhe.

FC Ingolstadt 1:0 1.FC Magdeburg (SR: Lars Erbst)

Diese überragende Autorität und Akzeptanz hat der zwanzig Jahre jüngere Lars Erbst selbstverständlich noch nicht! Es verbittet sich eigentlich jeder Vergleich zwischen dem erfahrenen Haudegen, der von den Bundesligastars geschätzt wird und dem jungen Talent, das sein erstes Jahr in der 3. Liga absolviert. Man kann nur immer wieder um Verständnis für diese jungen Kollegen werben, die selbstverständlich noch Leergeld zahlen müssen!

Letzteres traf auf Erbst aber nicht einmal zu Jürgen Gjasula trat zunächst Marc Stendera, sowie wenig später Marcel Gaus auf den Fuß und sah für diese beiden Vergehen die gelb-rote Karte. Regeltechnisch ist Erbst hier nicht der geringste Vorwurf zu machen und auch in der Praxis kann man beide Szenen mit einer Verwarnung ahnden. Ganz nebenbei war auch die Einstiegsverwarnung von Gräfe absolut vergleichbar. Ein kleines Argument kann hier sein, dass man die erste gelbe Karte, die durchaus eine Einstiegsverwarnung sein kann, zurückhält, da das Spiel einen fairen Charakter hatte und von Gjasula noch was kommen könnte. Das sind aber Spielereien und große Erfahrungswerte, die man hier nicht verlangen kann. Vom Regelwerk gedeckt ist das sowieso nicht. So kann man Lars Erbst hier absolut keinen Vorwurf machen und muss sich eher fragen, warum Gjasula in dem wissen, mit der gelben Karte vorbelastet zu sein, nochmal so in den Zweikampf geht und sich eine zweite Verwarnung abholt, die man zwingend geben muss. [TV-Bilder ab 0:40 Minute]

In der Nachspielzeit wollte Magdeburg noch einen Strafstoß, als Christian Beck im Kopfballduell gegen Cannigia Elva zu Boden ging. Der Arm des Ingolstädters war ausgefahren, doch der Kontakt mit dem Ingolstädter erfolgte mit der Schulter. Elva sprang ganz normal zum Kopfballduell und machte auch keine Bewegung in Richtung des Magdeburgers. Deshalb lag Lars Erbst auch hier richtig, keinen Strafstoß zu geben. [TV-Bilder ab 2:05:22 Minute]

VfB Lübeck 3:0 FC Bayern München II (SR: Tobias Fritsch)

Ähnlich früh geriet die zweite Mannschaft des FC Bayern München in Unterzahl: Bright Akio Arrey-Mbi ließ Yannick Deichmann an der Seitenlinie völlig unnötig ungestüm über die Klinge springen. Schiedsrichter Tobias Fritsch zeigte ihm zu Recht die gelb-rote Karte. [TV-Bilder ab 1:20 Minute]

TSV 1860 München 0:0 KFC Uerdingen (SR: Konrad Oldhafer)

Ebenfalls vorzeitig war die Partie für Erik Tallig beendet. Er kam gegen Patrick Göbel an der Seitenlinie zu spät und trat diesem, als der Ball längst weg war, auf den Fuß. Schiedsrichter Konrad Oldhafer zeigte ihm hierfür die berechtigte gelb-rote Karte. [TV-Bilder ab 2:45 Minute]

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