Schiedsrichter im Mittelpunkt: Auswertung strittiger Szenen – 13. Spieltag | 2. Liga

Schiedsrichter im Mittelpunkt: Auswertung strittiger Szenen – 13. Spieltag | 2. Liga

22. Dezember 2020 3 Von IG Schiedsrichter

(red/fs) Auch am 13. Spieltag der 2. Bundesliga stand der Videobeweis und die Bewertungsspielräume für den Video-Assistenten im Fokus. In Karlsruhe leistete sich Philip Heise zunächst eine dumme Aktion und beschwert sich dann – teilweise zu Recht.  

FC St. Pauli 0:3 Fortuna Düsseldorf (SR: Robert Schröder)

Sven Brodersen brachte sehr weit außerhalb des Strafraums am linken Flügel Dawid Kownacki zu Fall und wurde hierfür von Schiedsrichter Robert Schröder wegen der Verhinderung einer klaren Torchance mit der Roten Karte vom Platz gestellt. Von einer solchen Situation zu sprechen, war allerdings recht weit hergeholt. VAR Bibiana Steinhaus hatte so die Position des Zweikampfs, sowie die Regelwidrigkeit an sich zu bewerten. Da der Winkel sehr spitz wurde, die Entfernung recht groß war und eventuell noch Verteidiger hätten eingreifen können, änderte Schröder seine Bewertung am Monitor zur Verhinderung eines aussichtsreichen Angriffs. Die Ahndung des Foulspiel an sich war eine harte, aber keine Fehlentscheidung, sodass die gelbe Karte für Brodersen bestehen blieb. [TV-Bilder]

Eintracht Braunschweig 0:3 SpVgg Greuther Fürth (SR: Robert Hartmann)

Nick Proschwitz ging bereits nach wenigen Sekunden zu Boden, nachdem er von Anton Stach am Arm festgehalten wurde. Schiedsrichter Robert Hartmann verweigerte Braunschweig den fälligen Strafstoß und auch VAR Günter Perl meldete sich nicht. Allerdings war das hier bei Wahrnehmung nachvollziehbar, da ein Bewertungsspielraum gegeben war und es nicht sofort als untragbar falsch zu werten war. [TV-Bilder]

VfL Osnabrück 0:1 SC Paderborn (SR: Martin Petersen)

Maurice Trapp grätschte gegen Sven Michel riskant und traf Ball und Gegner. Schiedsrichter Martin Petersen pfiff, wertete die Situation als Verhinderung einer klaren Torchance und zeigte dem Osnabrücker die Rote Karte. Auf Foulspiel zu entscheiden, war streng, aber absolut nachvollziehbar. Am äußeren Rande vertretbar war es auch, die Situation als „Notbremse“ auszulegen. VAR Sascha Stegemann konnte hier nicht eingreifen!

Ron Schallenberg, eine Minute zuvor verwarnt, trat Ulrich Taffertshofer auf den Fuß, sah Gelb-Rot und stellte Gleichzahl auf dem Platz her. Richtige Entscheidung von Petersen! [TV-Bilder]

SV Sandhausen 0:2 Holstein Kiel (SR: Dr. Matthias Jöllenbeck)

Vor dem 0:1 für Kiel entschied Jöllenbeck auf Freistoß. Dies ist jedoch sehr umstritten. Es ist aber keine Fehlentscheidung. Ein Freistoß ist zudem kein Interventionsgrund für den VAR.

Nach einer starken Parade von Wulle holte Mees von rechts aus kurzer Distanz zum Schuss auf das leere Tor aus. Contento stellte sich in den Weg, fuhr dabei den Arm aus und verhinderte damit eine klare Torchance. Schiri Jöllenbeck ließ erstmal weiterlaufen. Der VAR entlarvte das Handspiel von Contento und Matthias Jöllenbeck zeigte vollkommen zu Recht auf den Punkt. Dazu gab es auch Rot für Contento wegen Torverhinderung! [TV-Bilder]

Karlsruher SC 1:2 Hamburger SV (SR: Christof Günsch)

Die erste Verwarnung erhielt Philip Heise für ein Ballwegschlagen. Heise verhinderte, dass Narey einen Einwurf schnell ausführen konnte, indem er die Kugel über die Werbebande kickte. Diese Unsportlichkeit zog die erste Gelbe Karte der Partie aus. Vielleicht merken die Spieler jetzt mal, dass sie nach dem Pfiff am Ball nichts mehr zu suchen haben. Heise verhinderte die schnelle Spielfortsetzung und wurde korrekterweise verwarnt.

In Bayerns Amateurfussball gibt es die strikte Anweisung solche Vergehen zu verwarnen und wenn dann ein Schiedsrichter im professionellen Fußball die Regel korrekt auslegt, wird es gleich als zu hart und fehlendes Fingerspitzengefühl angesehen.

Bleibt da einfach weg vom Ball!

Der wegen des Ballwegwegschlagens bereits verwarnte Karlsruher Philip Heise hielt gegen David Kinsombi mit offener Sohle im Mittelfeld den Fuß drauf. Schiedsrichter Christof Günsch kannte kein pardon und zeigte ihm die Ampelkarte. So in den Zweikampf zu gehen, wenn man bereits Gelb gesehen hat, ist nicht gerade clever. Dennoch war diese Entscheidung unserer Meinung nach zu hart, da die Intensität des Einsteigens keine Verwarnung rechtfertigte. Eine letzte Ermahnung hätte es an dieser Spiele getan. [TV-Bilder]

Wann ein Video-Assistent eingreift und warum nicht, haben wir bereits gestern erklärt. 

VAR – Fluch und Segen

Share This: