Schiedsrichter im Mittelpunkt: Auswertung strittiger Szenen – 24. Spieltag | 2. Liga

Schiedsrichter im Mittelpunkt: Auswertung strittiger Szenen – 24. Spieltag | 2. Liga

1. März 2022 1 Von Reiner Kuhn

[fs] Die Analyse des Zweitligaspieltags dominiert natürlich die Entscheidungen im viel diskutierten Nordderby. Außerdem blicken wir auf einige andere Strafraumszenen.

Hamburger SV 2:3 SV Werder Bremen (SR: Daniel Siebert)

Die erste und auch umstrittenste Entscheidung in der viel Theorie eine Rolle spielt. Ausschlaggebend war eine Neubewertung eines Handspiels, das dem Schiedsrichter offenbar entging. Über das Ergebnis kann man streiten:

Leonardo Bittencourt traf zum vermeintlichen 0:1, Assistent Richard Hempel signalisierte aber zu Recht eine Abseitsposition. VAR Pascal Müller meldete allerdings ein vorheriges Ereignis und zwar einen Handkontakt von Jonas Meffert, welcher Schiedsrichter Daniel Siebert offenbar verborgen blieb. Damit kam es vor dem Monitor zur Neubewertung, worauf es Strafstoß für Bremen gab. Zunächst stellte sich die Frage, ob ein Handspiel hier überhaupt relevant war, da dieses die spätere Abseitsposition von Bittencourt aufheben würde. Entgegen einiger Aussagen sehen wir hier doch recht deutlich einen Torschuss gegeben, sodass diese Regel nicht anwendbar war. Denn es wird nur laut Regel 11 eine neue Spielsituation daraus, wenn beim Abwehrspieler der Versuch besteht, den Ball absichtlich zu spielen. Das sogenannte „deliberate play“ liegt hier nicht vor. Also kann der Treffer schon mal nicht zählen.

„Ein Spieler verschafft sich keinen Vorteil aus seiner Abseitsstellung, wenn er den Ball von einem gegnerischen Spieler erhält, der den Ball absichtlich spielt (auch per absichtlichem Handspiel), es sei denn, es handelt sich dabei um eine absichtliche Torverhinderungsaktion eines gegnerischen Spielers.“

Regel 11 IFAB

Das Handspiel an sich war mal wieder so eine Sache, die man eher nicht gepfiffen haben möchte. Der rechte Arm von Jonas Meffert war nach unten, bzw. minimal zur Seite gestreckt und stand dabei unter Spannung. Das dürfte das entscheidende Argument sein, da man bei einer Aktion zur Abdeckung des Tores dabei Absicht unterstellt. Das muss man nicht gutheißen, die Frage ist dann aber wo man bei einer sinnvollen Auslegung die Grenze zieht. Damit war der Strafstoß regelkonform, mit der Idee des VAR, nur in klaren Situationen einzugreifen, aber nicht vereinbar.
Interessant ist auch, dass es die beim Blocken eines Torschusses obligatorische gelbe Karte nicht gab. Damit wären wir wieder am Anfang, wo rein theoretisch das Abseits entfallen wäre. Da aber aus unserer Sicht eindeutig ein Torschuss vorlag, hätte es die gelbe Karte geben müssen. Was Siebert zum Handspiel und zur Abseitsfrage sagt, seht ihr hier: (Link Interview) [TV-Bilder – ab 00:20 Minute]

Der HSV erzielte den vermeintlichen Ausgleich, Schiedsrichter Siebert ahndete aber ein Schieben von Robert Glatzel gegen Ömer Toprak, welcher dann in Torwart Jiri Pavlenka hineinfiel. Dadurch, dass der gravierendere Aufprall zwischen zwei Bremern geschah, wirkte der Pfiff hart. Die Entscheidung war aber mindestens vertretbar, da der Zusammenprall zwischen Pavlenka und Toprak ohne den Schubser von Glatzel nie stattgefunden hätte. [TV-Bilder – ab 02:20 Minute]

In der Folge kam es noch zu einem möglichen Foulspiel im Strafraum der Hamburger an Mitchell Weiser. Hierzu konnten wir leider in keiner der verschiedenen Zusammenfassungen Videomaterial finden.

Kurz nach der Pause bekam Bakery Jatta den Ball im eigenen Strafraum an den hoch erhobenen Arm und erneut meldete sich VAR Pascal Müller. Nach Sichtung der Bilder ging es dieses Mal schnell und Siebert entschied erneut auf Strafstoß. Diese Entscheidung war absolut korrekt, da die Vergrößerung der Körperfläche hier mehr als offensichtlich war. Diese Form von Handspiel kommt in einer Menge von Referenzszenen vor und ist klar und deutlich strafbar. [TV-Bilder -ab 04:30 Minute]

Robert Glatzel traf zum 2:3 und dieses Mal beschwerte sich Bremen. Mario Vuskovic hatte Marvin Duksch im Mittelfeld mit einer Grätsche zu Fall gebracht, Siebert ließ aber weiterlaufen. Hier handelte es sich um ein klares Foulspiel, VAR Müller konnte aber nicht eingreifen, da sich das Einsteigen eindeutig vor der Hamburger Angriffsphase ereignete. [TV-Bilder – ab 05:10 Minute]

SC Paderborn 3:3 Erzgebirge Aue (SR: Thorben Siewer)

Jamilu Collins wehrte einen Torschuss mit dem Arm ab. Mit einiger Verzögerung pfiff Schiedsrichter Thorben Siewer und entschied auf Handelfmeter für Aue. Korrekte Entscheidung nach dieser reflexartigen Abwehraktion. [TV-Bilder – ab 04:30 Minute]

Marcel Correia grätschte im eigenen Strafraum gegen Prince Osei Owusu, verfehlte den Ball und brachte seinen Gegenspieler zu Fall. Schiedsrichter Siewer nahm fälschlicherweise das Spielen des Balles wahr, erhielt aber ein Signal von VAR Felix Zwayer. Am Bildschirm entschied Siewer völlig zu Recht auf Strafstoß für Aue. [TV-Bilder – ab 06:00 Minute]

Hansa Rostock 0:2 1.FC Nürnberg (SR: Christian Dingert)

Nils Fröling verfehlte im eigenen Strafraum den Ball und kickte stattdessen Tyler Duman gegen das Bein, sodass dieser zu Fall kam. Schiedsrichter Christian Dingert gab Strafstoß für Nürnberg. Unstrittige Entscheidung! [TV-Bilder  – ab 0:50 Minute]

Karlsruher SC 1:1 FC Schalke 04 (SR: Patrick Ittrich)

Kyong-Rok Choi traf zum 1:1, die Schalker reklamierten aber eine Abseitsposition von Benjamin Goller. Diese gab es aber gar nicht und selbst wenn diese vorgelegen hätte, wäre das Tor korrekt gewesen, da Goller nicht eingriff und auch mit keinem Gegenspieler im Zweikampf war. [TV-Bilder – ab 02:00 Minute]

1.FC Heidenheim 1:1 SV Sandhausen (SR: Patrick Alt)

Erich Berko zog zum Blocken einer Flanke die Arme hoch über den Kopf und bekam den Ball dorthin. Schiedsrichter Patrick Alt entschied sofort auf Strafstoß für Heidenheim. Klares Handspiel! [TV-Bilder – ab 01:40 Minute]

Anmerkung: Wir sind auf die Zusammenfassungen angewiesen. Sollten Meinungen zu weiteren Szenen gewünscht werden, bitten wir um aussagekräftiges Material.

 

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