Schiedsrichter im Mittelpunkt: Auswertung strittiger Szenen | 20. Spieltag – 3. Liga

Schiedsrichter im Mittelpunkt: Auswertung strittiger Szenen | 20. Spieltag – 3. Liga

22. Dezember 2019 0 Von IG Schiedsrichter

Mit der Gelben Karte für Marc Pfitzner und der Verwirrung um Robin Becker +++ den vier Platzverweisen für Conteh, Jacobsen, Singh und Ken Gibson +++ den Gelb/Roten Karten für Pfitzner, Ole Kittner und Marcus Godinho den Strafstößen für Braunschweig +++ den nichtgegebenen Elfmetern für Duisburg +++ dem verletzten Duisburger Bitter +++ dem aberkannten Treffer für Halle. Am 20. Spieltag der 3. Liga schauten wir uns 13! Situationen nochmals genauer an.

Eintracht Braunschweig 2:2 1. FC Magdeburg (SR: Sven Jablonski)

(red/pl) In einer Wahnsinnspartie im ausverkauften Eintracht-Stadion, hatte der Schiedsrichter ein insgesamt sehr schweres Spiel zu leiten und hatte soweit alles im Griff. Allerdings muss über die Platzverweise bzw. die Gelbe Karte für Robin Becker gesprochen werden.

In der 29. Minute war der Unparteiische Sven Jablonski gefragt: Conteh, der in Ballbesitz angegangen wurde und zu Fall kam, trat gegen Ziegele nach und flog mit Rot vom Platz (TV-Bilder ab 0:29 Minute).

Die Rote Karte für Conteh wegen Nachtretens ist absolut berechtigt. Als Konsequenz gab es Rot und das absolut zu Recht! Doch in der Folge gab es den Aufreger des Spiels. In den TV-Bildern zeigte er offensichtlich dem bereits verwarnten Becker die zweite Gelbe Karte, zeigte mit den Finger auf Becker Auch die Spielerreaktion, indem er die Hände vor das Gesicht hielt, ist sinnbildlich das er genau wusste, ich bin gemeint.  Die TV-Bilder lügen ja nicht – der Schiri zeigte offensichtlich eindeutig Becker die zweite Gelbe Karte. Somit ist es aus Magdeburger Sicht absolut unverständlich diese dann – nach auffällig langer Zeit – Marc Pfitzner zuzusprechen.

„Warum wir in Unterzahl kommen, ist nicht der Schiedsrichter Schuld, sondern wir selber. Immer an die eigene Nase fassen.“ (Ex-FCM-Coach Stefan Krämer)

Es ist gut möglich, dass Jablonski Pfitzner meinte, er stand genau in der Linie hinter Becker. Laut Spielbericht ist jedenfalls Gelb für Pfitzner vermerkt, sodass kein Regelverstoß vorliegt. Das wäre der Fall, wenn die Karte Becker gegolten hätte und er auf dem Platz geblieben wäre. Da zeigt sich genau warum man nie eine Karte in einen Spielerpulk zeigen soll. Das war nicht optimal gelöst und hatte eine ganz schlechte Außenwirkung. In der 1. und 2. Liga hätte man einen Mitschnitt der Kommunikation, aber so wird man wahrscheinlich nie erfahren, was da genau kommuniziert wurde.

Die zweite Hälfte begann damit, dass Rother Schwenk im Sechzehner auf den Fuß stieg und Schiedsrichter Jablonski auf den Punkt zeigte (TV-Bilder ab 1:22 Minute). Da braucht man nicht viel zu schreiben. Der Elfmeter war die richtige Entscheidung.

In der 52. Minute war erneut der Schiedsrichter gefragt: Jacobsen hatte im Zweikampf mit Kammerbauer den Fuß viel zu hoch, traf den Braunschweiger am Kopf und wurde von Jablonski mit Rot vom Platz geschickt. Pfitzner, der sich vehement über das Einsteigen des Magdeburgers beschwerte, sah Gelb und musste – im ersten Durchgang bereits verwarnt – mit Gelb/Rot ebenfalls frühzeitig duschen (TV-Bilder ab 1:21 Minute).

Auch im zweiten Durchgang blieb es hitzig und Magdeburgs Thore Jacobsen flog mit Rot vom Platz. Jacobsen ging viel zu viel Risiko ein, traf Patrick Kammerbauer mit den Stollen im Gesicht und so war Rot die richtige Entscheidung vom Schiedsrichters. In der selben Szene flog auch Marc Pfitzner mit der dann zweiten Gelben Karte vom Platz. Der Braunschweiger ging Jacobsen vor den Ohren des Schiedsrichters verbal an und wurde mit der Ampelkarte des Feldes verwiesen.

SC Preußen Münster 0:1 TSV 1860 München (SR: Florian Lechner)

Der bereits verwarnte Ole Kittner fuhr den Ellenbogen aus und stoppte dadurch Gebhardt. Der 60er ließ sich etwas theatralisch fallen, aber trotzdem ist es eine vertretbare Entscheidung. Ein absolutes No-Go ist es jedoch den Schiedsrichter anzufassen und wegzuschieben. Könnte durchaus sein, dass er dafür ein weiteres Spiel gesperrt wird (TV-Bilder ab 1:40 Minute).

FSV Zwickau 2:2 SV Meppen (SR: Florian Exner)

In der 54. Minute zeigte der Schiedsrichter den bereits verwarnten Marcus Godinho die Ampelkarte. Der Verteidiger der Hausherren, der sich bereits in der ersten Hälfte einen Karton abholte, schob gegen den enteilten Marius Kleinsorge und brachte den Offensivmann am Rande des Strafraums zu Fall. Auch wenn das ein nur leichter Kontakt in den Rücken war, aber der reichte bei der Geschwindigkeit Kleinsorge zu Fal zu bringen. Godinho hatte keine Chance den Ball zu spielen und zur Zug zum Tor. Somit wurde ein aussichtsreicher Angriff unterbunden, wo die Verwarnung zwingend auszusprechen ist. Eine richtige Entscheidung des Schiedsrichters (TV-Bilder ab 1:32 Minute).

SG Sonnenhof Großaspach 1:1 MSV Duisburg (SR: Wolfgang Haslberger)

In der 85. Minute hielten sich 20 Spieler in der Hälfte der SGS auf und im Strafraum wurde Moritz Stoppelkamp von den Beinen geholt. Der Gefoulte forderte Elfmeter, die Mitspieler forderten Elfmeter, der Trainer forderte Elfmeter, die Fans forderten Elfmeter und der Schiedsrichter entschied auf: Weiterspielen. Das war die erste klare Fehlentscheidung keinen Elfmeter für Duisburg zu geben (TV-Bilder ab 2:42 Minute).

In der Nachspielzeit verwies Haslberger Aspachs Ken Gibson mit der Roten Karte des Feldes. Gibson hatte keine Möglichkeit und fuhr Arnold Budimbu mit der offenen Sohle in die Parade. Für diese Untat wurde das auf anschließend machende Unschuldslamm des Feldes verwiesen. Die richtige Entscheidung des Schiedsrichters. (TV-Bilder ab 2:57 Minute).

Bei einem Aspacher Abschluss im Strafraum wurde es schmerzhaft für Duisburg‘ Bitter: Der Aspacher kam im Strafraum zum Abschluss, der Ball prallte dort vom Rücken des Duisburgers in die Genitalien von Bitter. Ganz unglückliche und bittere Situation, aber definitiv kein Foulspiel. Der Duisburger musste mit einer Hodenprellung behandelt werden. Schiri Haslberger ließ weiterlaufen. Die Schiedsrichter sind nach neuer Regel angewiesen das Spiel nur bei Verdacht einer schweren Verletzung (Kopfverletzung, blutende Wunde, Verdacht auf gebrochenes Bein etc.) angewiesen, dass Spiel sofort zu unterbrechen. Ansonsten sind auch die Mannschaften in der Pflicht, eine Spielunterbrechung durch Ball ins Aus spielen zu erzeugen. Der Schiedsrichter handelte somit mit laufen lassen regelgerecht. (TV-Bilder ab 33:03 Minute).

Hallescher FC 1:1 KFC Uerdingen (SR: Florian Badstübner)

In der 21. Minute zappelte der Ball im Netz der Krefelder.Doch der Treffer wurde wegen Abseits nicht anerkannt.

Pascal Sohm ließ das Gästenetz zappeln, schob nach Guttaus flachem Anspiel von der linken Strafraumseite aus sieben Metern problemlos ein. Der Angreifer hatte jedoch bei der Vorarbeit seines Kollegen deutlich im Abseits gestanden. Gut erkennbar an der Rasenmarkierung. Das war gut und gerne 50 Zentimeter Abseits. Somit war es die richtige Entscheidung den Treffer für Halle abzuerkennen (TV-Bilder ab 1:18 Minute).

FC Bayern München II 1:1 FC Würzburger Kickers (SR: Patrick Alt)

Kurz vor der Roten Karte ging ein Würzburger mit beiden Beinen voraus, spielte zwar den Ball aber auch traf auch den Bayern-Spieler. Dort ließ Alt weiterlaufen. Bei so einem Einsteigen mit gestreckten Beinen und offener Sohle weiterlaufen zulassen, ist schon sehr abenteuerlich. Weil der Würzburger aber auch den Ball traf (das ist kein Ballspielen mehr), ist es aus meiner Sicht ein Foulspiel und eine Gelbe Karte. Eine Fehlentscheidung weiterlaufen zu lassen.

Und dann drei Sekunden später schickte er Bayerns Saarpret Singh noch vor der Halbzeit mit Rot vom Platz. Eine extrem harte Regelauslegung von Schiri Patrick Alt gegen Singh und Bayern II! Nachdem er selbst gefoult worden war ging er hinter dem Ball her und trat Gnaase von der Seite in die Beine. Das kann man zwar mit Gelb bestrafen, doch das Einsteigen des jungen Bayern-Spieler war in keinem Fall eines Platzverweises würdig, schon gar nicht nach der vorherigen Entscheidung gegen ihn. Das war ein leichter Tritt von  hinten auf die Achillesferse, aber nicht mit der offenen Sohle oder dergleichen. Die Rote Karte eine Fehlentscheidung. Kein Kriterium spricht hier für Rot. Vermutlich wurde die Rote Karte vom Assistent reingequatscht. Da passte die Mischung der Zweikampfbewertung überhaupt nicht (TV-Bilder ab 1:28 Minute).

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