Schiedsrichter im Mittelpunkt: Auswertung strittiger Szenen – 25. Spieltag | 3. Liga

Schiedsrichter im Mittelpunkt: Auswertung strittiger Szenen – 25. Spieltag | 3. Liga

23. Februar 2021 0 Von IG Schiedsrichter

Am vergangenen Wochenende hatten die Schiedsrichter in der 3.Liga meist viel zu tun. Wir blicken auf 16 interessante Szenen.

Von: Felix Stark

SV Meppen 2:1 Hallescher FC (SR: Dr. Max Burda)

Der Ausgleich der Hallenser entstand auf kuriose Art und Weise: Nach einem Zweikampf blieb Terrence Boyd liegen, sodass Jeron Al-Hazaimeh signalisierte, dass er eine Unterbrechung herbeiführen will. Dabei spielte er allerdings den Ball den daneben stehenden HFC-Spieler Braydon Manu in die Beine, der Maximilian Eberwein bediente, welcher zum 1:1 einschob. Sicher nicht die sportlich fairste Aktion, aber eben rein regeltechnisch nichts für Schiedsrichter Dr. Max Burda, der die Partie nicht unterbrochen hatte. [TV-Bilder – ab 1:35 Minute]

MSV Duisburg 2:1 SpVgg Unterhaching (SR: Steven Greif)

Aziz Bouhaddouz traf zum 1:0 für Duisburg, worauf die Gäste Abseits reklamierten. Allerdings war das Tor regelkonform, denn Jannis Turtschan hob das Abseits auf. Sehr gut gesehen von Assistent Daniel Bartnitzki in einer schwer zu beurteilenden Gegenbewegung. [TV-Bilder – ab 0:56 Minute]

Auf der anderen Seite fand ein Tor der Hachinger wegen Abseits keine Anerkennung, allerdings zu Unrecht. Einen Abpraller vom Tor schob Dominik Stroh-Engel ins Tor, doch Assistent Richard Hempel sah ihn beim vorhergegangenen Schuss im Abseits. Das sind die kompliziertesten Situationen für die Assistenten! Hier lag er leider daneben. [TV-Bilder – ab 2:10 Minute]

Wilson Kamavuaka und Robert Müller gingen ohne Rücksicht auf Verluste in den Zweikampf und lagen anschließend beide auf dem Boden. Schiedsrichter Steven Greif zeigte dem Duisburger anschließend die gelbe Karte. Nach Sichtung der TV-Bilder ist allerdings deutlich zu sehen, dass Müller seinem Gegner auf den Fuß trat. Hier hätte es für den bereits verwarnten Hachinger die gelb-rote Karte geben müssen! [TV-Bilder – ab 00:45:35]

FSV Zwickau 0:2 Dynamo Dresden (SR: Patrick Kessel)

Pascal Sohm köpfte auf das Zwickauer Tor und drehte jubelnd ab. Assistent Luca Schlosser signalisierte, dass der Ball sich mit vollem Umfang hinter der Linie befunden hatte. Leider gibt es dort keine Kamera, aber nach dem Erfahrungsschatz in solchen Situationen und dem zur Verfügung stehenden Material lag der Assistent wohl richtig. [TV-Bilder – ab 0:56 Minute]

Steffen Nkansah bekam einen Ball nach einer Hereingabe an den Arm, worauf Schiedsrichter Patrick Kessel auf Strafstoß für Dresden entschied. Da solche Strafstöße von der Kommission der Elite-Schiedsrichter des Deutschen Fußball-Bundes wohl gewollt sind und auch der offizielle SR-Beobachter Kessel in seiner Bewertung Recht gab, halten wir uns mit Kritik am Unparteiischen zurück. Objektiv muss man allerdings festhalten, dass das nicht sein kann! Von den Merkmalen zur Handspielbewertung trifft hier lediglich die Verbreiterung der Körperfläche zu, aber der Mensch hat eben Arme. Auch eine vermeintliche Referenzszene aus der 2. Liga von Nürnberg gegen Regensburg am 1. Spieltag wo Video-Assistentin Bibiana Steinhaus eingriff und Dr. Matthias Jöllenbeck nach Review auf Handelfmeter entschied lässt sic wohl nicht komplett übertragen. Handspiel war es, nur ob das strafbar war, darüber lässt sich streiten. Wie weit jetzt die hier Körperfläche verbreitert wird, müsste man aus der Perspektive vom Assistenten sehen. Für uns ist das aber reines Hand abschießen. Solche Elfmeter werden für gewöhnlich von der breiten Öffentlichkeit nicht akzeptiert. Sehr unglücklich und nachvollziehbarer Ärger der Zwickauer! [TV-Bilder – ab 1:31 Minute]

1.FC Saarbrücken 2:1 TSV 1860 München (SR: Dr. Matthias Jöllenbeck)

Steven Zellner verfolgte Stefan Lex und fiel diesem im eigenen Strafraum in die Hacken. Schiedsrichter Dr. Matthias Jöllenbeck entschied völlig zu Recht auf Strafstoß für München. [TV-Bilder – ab 1:45 Minute]

Dennis Erdmann eroberte im Mittelfeld den Ball gegen Julian Günther-Schmidt, worauf der Ball auf Umwegen zu Sascha Mölders kam, der zum 2:1 traf. Doch war die Balleroberung fair? Günther-Schmidt wollte sich mit dem Ball um Erdmann herum drehen, der sein Bein stehen ließ und so den Saarbrücker zu Fall brachte. Hier lag ein Foulspiel vor! [TV-Bilder – ab 02:45 Minute]

Dennis Erdmann hielt Julian Günther-Schmidt fest, worauf dieser zu Boden ging und vehement einen Strafstoß reklamierte. Schiedsrichter Jöllenbeck ließ das Spiel zur Verwunderung der Gastgeber weiterlaufen. Allerdings hätte es hier einen Strafstoß, so wie die Rote Karte für Erdmann geben müssen! Das Halten begann vor dem Strafraum, erstreckte sich aber bis in diesen hinein. Auch verhinderte der Löwen-Spieler damit eine klare Torchance. [TV-Bilder – ab 3:30 Minute]

Nach Ende dieser emotionalen und hart geführten Partie wollten sich die Gemüter noch nicht beruhigen. Es entwickelte sich eine große Rudelbildung, nach der Stephan Salger, Sascha Mölders und der Saarbrücker Minos Gouras die gelbe Karte erhielten. Da Salger bereits verwarnt war, zeigte ihm Jöllenbeck, obwohl er bereits schnell separiert wurde, die gelb-rote Karte. In solchen Situationen ist es immer gut, den Auslöser – hier wohl Salger – aus dem Rudel zu holen, da sich der Rest dann meist schneller beruhigt. [TV-Bilder – ab 02:09:30 Minute]

FC Ingolstadt 1:0 1.FC Kaiserslautern (SR: Mitja Stegemann)

Peter Kurzweg bekam einen Ball im Sprung an die Rückseite des Oberarms. Kaiserslautern forderte Handelfmeter, doch die Pfeife von Schiedsrichter Mitja Stegemann blieb stumm. Zu Recht, denn der Ball berührte den strafbaren Bereich des Arms nicht. [TV-Bilder – ab 01:49:55]

In der Schlussphase war der Ingolstädter Torschütze Justin Butler nicht nur fußballerisch, sondern auch durch Härte präsent. Zunächst riss er Jean Zimmer nieder und erhielt die gelbe Karte. Angemessene Entscheidung, denn auch der Ellenbogen, mit dem er den Gegner am Kopf traf, hatte allenfalls Werkzeugqualität. Wenig später unterschätzte er aber einen Ball und zog gegen Anas Ouahim voll durch. Hier hätte die zweite gelbe Karte folgen müssen! [TV-Bilder – ab 02:07:00]

1.FC Magdeburg 0:4 SC Verl (SR: Harm Osmers)

Brian Koglin brachte kurz nach der Mittellinie den durchgestarteten Aygün Yildirim zu Fall, worauf der Magdeburger Verteidiger von Schiedsrichter Harm Osmers die Rote Karte erhielt. Hier sprachen Punkte für und gegen eine klare Torchance. Zunächst ist die komplett fehlende Eingriffsmöglichkeit zwar wahrscheinlich, aber eben für einen Platzverweis recht vage, da sich drei Magdeburger im Vollsprint nach hinten befinden. Dann ist die Distanz zum Tor recht groß und Yildrim wurde auch leicht nach links abgedrängt. Wenn man es gedanklich weiterspielt, war es zwar sehr wahrscheinlich, das sich ohne das Foul zwei Verler auf das Tor zubewegen, aber im Zeitpunkt des Fouls war das doch noch sehr unbestimmt, weshalb die Entscheidung tendenziell zu hart war. [TV-Bilder – ab 2:30 Minute]

Sirlord Conteh kam im Duell mit Daniel Mikic zu Fall und forderte Strafstoß für Magdeburg. Doch Osmers pfiff zu Recht nicht. Mikic stellte hier seinen Körper zwischen Ball und Gegner, worauf Conteh an dessen Arm, der aber senkrecht zum Boden hing, hängenblieb. Das reicht einfach nicht für einen Strafstoß! [TV-Bilder – ab 01:24:25]

SV Wehen Wiesbaden 3:1 KFC Uerdingen (SR: Wolfgang Haslberger)

Im Montagsspiel machte sich der Uerdinger Tim Albutat auf eine Art und Weise einen Namen, wie man es lieber nicht tun sollte. Zunächst wollte er im Wehener Strafraum Florian Carstens ausspielen und ließ sich dann extrem plump fallen. Schiedsrichter Wolfgang Haslberger präsentierte ihm für diese Einlage und anschließendes Meckern völlig zu Recht die gelbe Karte. [TV-Bilder – ab 01:20:45 Minute]

Kurz vor Ende der Partie checkte Albutat dann im Mittelfeld Gianluca Korte weg, nachdem dieser den Ball bereits gespielt hatte. Folgerichtig schickte ihn Haslberger dafür mit der gelb-roten Karte vom Feld. [TV-Bilder – ab 03:00 Minute]

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