Schiedsrichter im Mittelpunkt: Auswertung strittiger Szenen – 29. Spieltag | 3. Liga

Schiedsrichter im Mittelpunkt: Auswertung strittiger Szenen – 29. Spieltag | 3. Liga

31. Mai 2020 0 Von IG Schiedsrichter

Unter anderen mit den Strafstößen in Zwickau, Magdeburg, dem verweigerten Elfmeter in Mannheim, Braunschweig und Jena, dem verweigerten Tor in Magdeburg, dem Platzverweis in Zwickau und einer möglichen Abseitsposition in Braunschweig. Am 29. Spieltag schauten wir uns zehn Situationen nochmals an.

FSV Zwickau 2:2 FC Hansa Rostock (SR: Patrick Hanslbauer)

Im Getümmel wurde Schlussmann Johannes Brinkies bedrängt und nach dem Pfiff des Schiedsrichters rechneten alle mit einem Offensivfoul, doch der Unparteiische hatte genau hingeschaut und völlig zurecht einen Würgegriff von Davy Frick gegen John Verhoek erkannt. Der Strafstoß die völlig richtige Entscheidung (TV-Bilder ab 1:14 Minute).

In der 77. Minute zeigte der Schiedsrichter Rostocks Verhoek dem einzig verwarnten Spieler die zweite Gelbe Karte. Bei einem Zweikampf arbeitete Verhoek gegen Odabas mit dem Arm, und dieser wurde kurz im Gesicht getroffen. Der Zwickauer ging zu Boden, und Rostocks Stürmer wurde mit der Ampelkarte bestraft! Diese Entscheidung ist sicher hart, aber in jedem Fall vertretbar. Der Arm hat eben einfach nichts im Gesicht des Gegners zu suchen! Hier geht der Arm aus dem Stand hoch und nach hinten ins Gesicht des Gegners. Diese Bewegung ist ganz bewusst im Zweikampf um sich Platz zu schaffen. Das ist keine natürliche Bewegung. Der Platzverweis die richtige Entscheidung (TV-Bilder ab 3:23 Minute).

1. FC Magdeburg 0:1 1. FC Kaiserslautern (SR: Manuel Gräfe)

Gerade mal vier Minuten waren in der zweiten Hälfte gespielt und Magdeburg hatte eine Riesenchance. Einen Eckstoß führte der 1. FCM per Variante flach aus und Bertram bekam das Leder an der linken Strafraumgrenze und leitete weiter auf Kvesić, der aus 16 Metern halblinker Position den Ball auf den FCK-Kasten feuerte. Grill musste eingreifen und ließ den scharfen Schuss nach vorne abprallen. Dort stand Chahed und musste eigentlich nur noch einschieben, doch ein FCK-Verteidiger hatte aufgepasst und klärte auf der Linie mit dem Knie.
Aus der schnellen Schiedsrichterperspektive kann man dem Assistenten da wenig Vorwurf machen, da der Körper des Spielers den Ball verdeckte. Der Schiedsrichter stand zentral am Strafraum der konnte das erst recht nicht sehen. In der 3. Liga gibts keine Torlinientechnik. Da braucht man in solchen Situationen auch etwas Glück. Aufgrund des relativ guten „Beweisfotos“ muss hier von einer Fehlentscheidung das Tor nicht anzuerkennen gesprochen werden, vorallem weil der Spieler noch nicht am Ball ist, ist davor auszugehen, dass dies ein gültiges Tor gewesen war. (TV-Bilder ab 2:47 Minute).

In der 69. Minute gab Gräfe dann den Elfmeter für Magdeburg. Verursacht wurde der berechtigte Strafstoß durch einen Freistoß aus dem linken Halbfeld, der in den Sechzehner segelte und bei dem Christian Beck von der FCK-Hintermannschaft durch Ziehen und Zerren zu Fall gebracht wurde. Jürgen Gjasula vergab die Chance, weil der Schuss zu unplatziert war, konnte Lauterns Torwart Lennart Grill parieren (TV-Bilder ab 3:26 Minute).

SV Waldhof Mannheim 1:2 KFC Uerdingen (SR: Jonas Weickenmeier)

Bei einer Flanke wurde Valmir Sulejmani gestoßen, der sich lautstark beschwerte und den Elfmeter haben wollte. Den gab Weickenmeier aber nicht. Aus unsere Sicht wäre der Elfmeter im Bereich des Möglichen gewesen. In den Bildern der Hintertorkamera sah man eindeutig den Schubser als er in der Luft war und somit keine Kontrolle mehr hatte, den Kopfball zu platzieren. Hier liegt eine Fehlentscheidung des Schiedsrichters vor (TV-Bilder ab 1:02 Minute).

Beschwerden gab es auch beim 0:2 durch Jan Kirchhoff. Königsmann wurde bei der Ecke etwas angegangen, aber nicht so hart, dass es als Foul durchgehen müsste. Der Torhüter kam aus seinem Kasten, konnte die Kugel nicht fangen und war der Dumme. Von einem Verteidiger sprang die Kugel hoch in die Luft und Kirchhoff machte das einzig mögliche: Ein Fallrückzieher aus kurzer Distanz ins Tor. Die Anerkennung die richtige Entscheidung (TV-Bilder ab 2:34 Minute).

FC Ingolstadt 1:2 FC Bayern München II (SR: Wolfgang Haslberger)

Ingolstadts Caniggia Elva kam ins Spiel und brachte die Kugel mit seiner ersten Aktion nach einer schlechten Abwehr von Hofmann im Kasten unter. Der Neuling stand zuvor allerdings im Abseits und der Treffer zählte korrekterweise nicht (TV-Bilder ab 3:05 Minute).

Zwei Minuten vor ultimo schickte der Referee Ingolstadts Marcel Gaus mit der Ampelkarte vom Platz und die hatte sich angedeutet. Immer wieder hatte Gaus nach seiner ersten Verwarnung zugelangt. Für ein Foul an Derrick Köhn schickte der Schiri den Routinier vom Platz. Der Platzverweis die konsequente und richtige Entscheidung Gaus hatte sein Team doppelt geschwächt. Nicht nur, dass der FCI in Unterzahl war, aus dem folgenden Freistoß machte Chris Richards den Siegtreffer für die Münchener. So dumm muss man erst mal sein. Gut möglich, dass Marcel Gaus länger als ein Spiel nicht zu Verfügung stehen wird (TV-Bilder ab 3:20 Minute).

Eintracht Braunschweig 4:2 FC Viktoria Köln (SR: Christof Günsch)

Der gerade erst eingewechselte Braunschweiger Marcel Bär bekam das Leder von rechts in den Strafraum eingedrungenen Martin Kobylański zugespielt und schob aus kurzer Distanz flach in die linke Ecke ein. Viele hatten hier eine Abseitspostion durch Torwartbehinderung vermutet, doch wenn man sich die TV-Bilder genau betrachtet, hob der rechte Verteidiger das Abseits auf. Daher gleiche Höhe und die richtige Enscheidung das Tor anzuerkennen. Vorallem gut gesehen vom Assistenten. Das war sicherlich keine leichte Entscheidung. (TV-Bilder ab 3:15 Minute).

In der Folge erzielte Marcel Bär mit seinem zweiten Jokertor den 4:2-Endstand und machte den Deckel drauf. Marveille Biankadi schlug schlug aus dem rechten Halbfeld eine butterweiche Flanke Richtung Elfmeterpunkt, die Bär mit der Brust herunterpflückte und mit einem strammen Rechtsschuss in den Winkel verwandelt. Doch der wunderschöne Treffer hatte einen Makel!
Denn bei der Vorarbeit per Flanke war Kammerbauer mit der Hand am Ball und verhinderte diese. Das ist eine unnatürliche Handhaltung. In der Laufbewegung würde der Arm normalerweise nach vorne mitschwingen und nicht nach hinten gezogen werden. Der Arm geht zum Ball und vergrößert die Körperfläche. Daher ist das Tor abzuerkennen eine Fehlentscheidung des Schiedsrichters! (TV-Bilder ab 3:46 Minute)

FC Carl Zeiss Jena 0:1 Chemnitzer FC (SR: Florian Lechner)

In der 24. Minute reklamierten die Chemnitzer ein strafbares Handspiel im Strafraum. Der Spieler von Jena wollte eine Flanke klären. Der Spieler tritt aber neben den Ball, sodass dieser vom Boden wieder abspringt und dann von seiner Kniekehle an dem deutlich ausgestreckten Arm landet. Der Arm geht daraufhin auch noch reflexartig zu Ball. Eine ganz schwierige Entscheidung, da zu einen die normalen Kriterien für ein strafbares Handspiel erfüllt sind zum anderen es aber in Regel 12 auch heißt: „[…] In folgenden Situationen, in denen der Ball an die Hand/den Arm eines Spielers springt, [liegt] in der Regel kein Vergehen vor: Der Ball springt direkt vom Kopf oder Körper (einschliesslich des Fußes) des Spielers an dessen Hand/Arm.“ Da hier zwei regeltechnische Kriterien für und eins gegen die Strafbarkeit sprechen, nehmen wir hier keine Wertung vor. Es ist aber durchaus möglich, dass hier ein anderer Schiedsrichter zu einer anderen Einschätzung kommt. Letztlich ist das eine Entscheidung im Grauzonenbereich und die Entscheidung ist zu akzeptieren. Interessant ist im Bezug allerdings noch eine Szene aus der vergangenen Woche aus der Bundesliga bei Hoffenheim gegen Köln, als nach Eingriff des Videoassistenten auf Handelfmeter entschieden wurde (TV-Bilder ab 0:43 Minute).

 

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