Schiedsrichter im Mittelpunkt: Auswertung strittiger Szenen – 26. Spieltag | 3. Liga

Schiedsrichter im Mittelpunkt: Auswertung strittiger Szenen – 26. Spieltag | 3. Liga

14. Februar 2022 0 Von Reiner Kuhn

[fs] Das Wochenende in der 3. Liga hielt viele knappe Szenen bereit. Wir analysieren viele hitzige Szenen des Topspiels in Kaiserslautern, sowie weitere, knappe Strafraumszenen und verpasste Platzverweise.

1.FC Kaiserslautern 2:2 1.FC Magdeburg (SR: Thorben Siewer)

In einem turbulenten Spitzenspiel gab Schiedsrichter Thorben Siewer zunächst zwei Strafstöße. Kevin Kraus kam im Duell mit Sirlord Conteh zu spät und brachte den Magdeburger durch ein Beinstellen zu Fall. Der Strafstoß für die Gäste war absolut korrekt [TV-Bilder – ab 02:55 Minute]

Auf der anderen Seite checkte Alexander Bittroff Mike Wunderlich weg, als dieser auf dem Weg zum Ball war. Auch die Entscheidung, hier Strafstoß für Kaiserslautern zu geben, war richtig. [TV-Bilder – ab 03:25 Minute]

Die Schlussphase bedeutete dann Schwerstarbeit für das Schiedsrichterteam. Wenige Minuten vor Ende des Spiels wollte Jason Ceka einen minimalen Kontakt mit Hendrick Zuck nutzen, um einen weiteren Strafstoß zu schinden. Schiedsrichter Siewer pfiff völlig zu Recht nicht, blieb aber voll konzentriert auf der Situation, da er das folgende Rudel im Ansatz kommen sah. So konnte er Ceka schnell separieren und diesem für den Schubser an Marlon Ritter die gelbe Karte zeigen. Sehr gut gemacht! [TV-Bilder – ab 02:05:00 Minute]

Für ein Gespann aus drei Unparteiischen fast nicht mehr abschließend lösbar war dann das riesige Rudel am Ende. Hier zunächst einmal zum Foulspiel von Florian Kath an Hikmet Ciftci. Dabei sprang der Magdeburger mit beiden Beinen ab und flog gegen den Ball. Ein Treffer Fuß-an-Fuß folgte glücklicherweise nicht, weshalb der Gedankengang von Siewer auch soweit verständlich war, hier nur die gelbe Karte zu zeigen.

Allerdings hing es eben nur vom Zufall ab, dass hier keine schwerwiegende Verletzung folgte. Wir favorisieren definitiv die rote Karte für Magdeburgs Florian Kath, weil von der Grätsche eben eine hohe Gefährlichkeit ausging und die schwere Verletzung in Kauf genommen wird. Ob das hochspringen des Lauters ihn davor schützte nicht getroffen zu werden, ist Spekulation. Nur weil der den Ball trifft, ist es kein sauberes Ballspielen Aber ganz so klar, wie es vermeintlich aussah, war es aber nunmal nicht, lag doch ein objektives Ball treffen vor.

Die Situation verdient allerdings noch einige andere Anmerkungen: Magdeburgs Co-Trainer Bankert sah im Anschluss die rote Karte, obwohl er vermeintlich schlichten wollte. Nunja, auch er befand sich in der Coachingzone des Gegners und die Schlichtung endete irgendwann im In-Fight mit der halben Lauterer Bank. Der anscheinend gute Vorsatz schützte ihn hier nicht vor der berechtigten Strafe. Die selbe Sanktion hätte allerdings noch einen treffen müssen und das war der Lauterer Ersatzspieler Rene Klingenburg, der ebenfalls in einen Ringkampf verwickelt war. Dabei spielte es aber sicher eine Rolle, dass das Geschehen zu dritt einfach nicht mehr zu überblicken war.

Interessant war außerdem die Spielfortsetzung. Trotz des üblen Fouls von Kath ging es zu Recht mit Freistoß für Magdeburg weiter, da Kai Brünker kurz vorher gefoult wurde. Unterbrochen war das Spiel noch nicht und diese Handlungsschnelligkeit war hier möglicherweise der Unterschied zur vorher erläuterten Szene mit Ceka, als das Rudel schnell gelöst war. Ob es das Einsteigen von Kath noch verhindert hätte, ist Spekulation, es hätte aber zumindest mehr Klarheit in die Szene gebracht. [TV-Bilder – ab 04:20 Minute]

Viktoria Berlin 1:1 SC Verl (SR: Patrick Glaser)

Lukas Petrov kam im eigenen Strafraum deutlich zu spät und traf Brooklyn Ezeh am Fuß. Schiedsrichter Patrick Glaser entschied auf Strafstoß für Berlin und hatte damit absolut Recht. Klares Fußfoul. [TV-Bilder – ab 00:40 Minute]

Cottrell Ezekwem checkte bei einem Berliner Angriff Christopher Theisen abseits des Balles um. Mit einiger Verzögerung ahndete Schiedsrichter Glaser auf Hinweis der Assistenten das Foulspiel und zeigte dem Verlor die gelbe Karte. Das war auch die korrekte Sanktion, da Ezekwem im Zusammenhang des Konters durch ein „taktisches“ Foulspiel lediglich einen Gegner an der besseren Positionierung hindern wollte. Das geschah zwar auf recht robuste, aber nicht brutale Art und Weise. [TV-Bilder – ab 47:00 Minute]

Der bereits verwarnte Martin Gambos grätschte, obwohl bereits unterbrochen war, Joel Grodowski um und erwischte diesen mit dem Nachziehbein. Glaser zeigte dem Berliner hierfür absolut zu Recht die gelb-rote Karte. Korrekt auch, dass es nach vorherigem Foulspiel mit Freistoß für Berlin weiterging. [TV-Bilder – ab 01:50 Minute]

Kasim Rabihic vertändelte im Berliner Strafraum schon fast den Ball und wurde dann von seinen Gegenspieler ungeschickt am Knie erwischt. Wieder entschied Glaser auf Strafstoß und lag auch dieses Mal absolut richtig. [TV-Bilder – ab 02:40 Minute]

SV Wehen Wiesbaden 1:0 1.FC Saarbrücken (SR: Michael Bacher)

Jeweils eine Mannschaft hätte von Schiedsrichter Michael Bacher in diesem Spiel gerne einen Strafstoß gehabt. Zunächst drang Tobias Jänicke in den Wiesbadener Strafraum ein und wurde von Ahmet Gürleyen kurz gehalten, kam aber zum Abschluss. Sicher nicht komplett optimal, aber doch gezielt aufs Tor. Um hier noch einen Strafstoß zu geben, muss schon mehr vorliegen. Der Entscheidung, das Spiel laufen zu lassen, kann man definitiv folgen. [TV-Bilder – ab 01:40 Minute]

Auf der anderen Seite ging Dominik Ernst mit Intensität in den Zweikampf mit Lucas Brumme. Nach dem Aufprall zeigte Michael Bacher an, der Saarbrücker habe den Ball gespielt und gab Eckstoß. Die Szene war extrem knapp und bei den suboptimalen TV-Bildern muss man schon deutlich verlangsamen um erahnen zu können, dass Ernst tatsächlich mit seinem rechten Fuß den Ball spielte. Korrekte Entscheidung! [TV-Bilder – ab 02:10 Minute]

Borussia Dortmund II 1:0 TSV Havelse (SR: Eric Müller)

Yannik Jaeschke ging bei einer Dortmunder Ecke mit den Händen auf Kopfhöhe zum Ball. Schiedsrichter Eric Müller entschied auf Strafstoß für Dortmund und das war auch völlig korrekt. Klares Handspiel! [TV-Bilder – ab 01:40 Minute]

Eintracht Braunschweig 1:1 SC Freiburg II (SR: Patrick Ittrich)

Noah Weißhaupt blieb im Braunschweiger Strafraum am ausgefahrenen Bein von Robin Krauße hängen und ging zu Boden. Schiedsrichter Patrick Ittrich gab für das eindeutige Foulspiel den berechtigten Strafstoß für Freiburg. [TV-Bilder – ab 01:00 Minute]

SV Meppen 1:1 TSV 1860 München (SR: Christian Ballweg)

Marco Hiller klärte an der Strafraumgrenze gegen Richard Sukuta-Pasu und war dabei mit der Hand am Ball. Die Meppener forderten eine rote Karte, Schiedsrichter Christian Ballweg ließ aber weiterspielen. Zu Recht, denn aus der Perspektive von Assistent Jonas Brombacher konnte man erkennen, dass der Münchener Torhüter den Ball genau auf der Strafraumlinie spielte. Gute Zusammenarbeit im Team! [TV-Bilder – ab 01:50 Minute]

Würzburger Kickers 1:2 MSV Duisburg (SR: Franz Bokop)

Tobias Kraulich grätschte im eigenen Strafraum gegen John Yeboah und brachte diesen zu Fall. Schiedsrichter Franz Bokop entschied auf Strafstoß für Duisburg. Die Würzburger protestierten energisch, da Kraulich den Ball noch leicht berührte. Dem war auch so, was aber aus der Sicht des Unparteiischen beinahe unmöglich zu erkennen war. Nichts desto trotz lag hier eine Fehlentscheidung vor. [TV-Bilder – ab 02:10 Minute]


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