Schiedsrichter im Mittelpunkt: Auswertung strittiger Szenen – 37. Spieltag | 3. Liga

Schiedsrichter im Mittelpunkt: Auswertung strittiger Szenen – 37. Spieltag | 3. Liga

18. Mai 2021 0 Von IG Schiedsrichter

In der 3. Liga war wieder einiges los. Vor allem das Münchener Stadtderby, das Spiel des 1.FC Kaiserslautern und das Schicksalsspiel in Lübeck hielt für die Schiedsrichter eine Menge Arbeit bereit. Wir schauten uns insgesamt 17 Szenen genauer an.

Von: Felix Stark

Viktoria Köln 3:3 1.FC Kaiserslautern (SR: Florian Lechner)

Philipp Hercher gab in die Mitte zu Daniel Hanslik, der ins Kölner Tor traf. Assistent Johannes Schipke hatte aber die Fahne gehoben, was recht strittig war. Hercher stand zwar im Abseits, es war aber nicht klar, ob der Ball von Felix Götze, oder doch von Verteidiger Maximilian Rossmann kam. Der Ballrichtung nach zu urteilen, war es wohl eher der Kölner Verteidiger, sodass keine Abseitsposition vorlag. [TV-Bilder – ab 01:01:00 Minute]

Jeremias Lorch und Felix Götze behakten sich nach einer Ecke. Götze kam daraufhin zu Fall und forderte Strafstoß, doch Schiedsrichter Florian Lechner ließ weiterlaufen. Wohl zu Recht, denn der Sturz folgte eher daraus, dass er beim Kopfball in Rücklage geriet. Auch im Fußbereich lag nichts strafwürdiges vor. [TV-Bilder – ab 01:31:00 Minute]

Maximilian Rossmann bekam im eigenen Strafraum einen Ball vom Mitspieler aus kürzester Distanz an den angelegten Arm geschossen. Wieder folgten wilde, aber hier komplett unbegründete Proteste, denn es lag eindeutig kein strafbares Handspiel vor. [TV-Bilder – ab 01:42:00 Minute]

Daniel Hanslik drang in den Kölner Strafraum ein und kam im Duell mit Patrick Koronkiewicz zu Fall. Hier arbeitete der Kölner mit dem Ellenbogen und erwischte seinen Gegner im Gesicht. Florian Lechner hätte hier auf Strafstoß entscheiden müssen. [TV-Bilder – ab 03:20 Minute]

MSV Duisburg 1:5 FC Ingolstadt 04 (SR: Eric Müller)

Lukas Scepanik grätschte im eigenen Strafraum Fatih Kaya resolut ab. Schiedsrichter Eric Müller zeigte an, der Duisburger habe den Ball gespielt. Die Fernsehbilder irritierten hier zunächst, doch in der verlangsamten Version kann man gut erkennen, dass der Referee richtig lag. [TV-Bilder – ab 54:10 Minute]

Dominik Schmidt hielt Filip Bilbija kurz nach der Halbzeit im eigenen Strafraum fest. Müller entschied auf Strafstoß für Ingolstadt. Korrekte Entscheidung! [TV-Bilder ab – ab 01:40 Minute]

1.FC Saarbrücken 2:0 SV Meppen (SR: Wolfgang Haslberger)

Daniel Batz eilte recht unnötig aus seinem Tor und brachte Luka Tankulic zu Fall. Schiedsrichter Wolfgang Haslberger zeigte ihm dafür die gelbe Karte. Eine klare Torchance lag nicht vor, da einige Verteidiger zurückgeeilt und eingriffsbereit waren. Brutal war das Foulspiel auch nicht, da Batz von vorne in den Zweikampf ging und sein Bein am Boden war. [TV-Bilder – ab 01:10 Minute]

Mario Müller fuhr im eigenen Strafraum gegen Christoph Hemlein ungeschickt das Bein aus, worauf dieser zu Fall kam. Haslberger ließ weiterlaufen. Zu Unrecht, denn hier lag ein Foulspiel vor. [TV-Bilder – ab 03:30 Minute]

KFC Uerdingen 1:0 1.FC Magdeburg (SR: Michael Bacher)

Edvinas Girdvainis verfolgte Kai Brünker bis in den Uerdingen Strafraum, wo der Magdeburger zu Fall kam. Schiedsrichter Michael Bacher ließ weiterlaufen. Wohl zu Recht, denn Girdvainis traf hier ein wenig Ball und ein wenig Gegner, aber beging kein strafwürdiges Vergehen. [TV-Bilder – ab 01:29:30 Minute]

Hallescher FC 4:0 SV Wehen Wiesbaden (SR: Florian Exner)

Benedict Hollerbach verfolgte im eigenen Strafraum Laurenz Dehl, worauf der Hallenser zu Boden ging. Schiedsrichter Florian Exner erkannte kein strafwürdiges Vergehen und lag damit absolut richtig. Nach den TV-Bildern ist hier kein Kontakt zu erkennen, vielmehr sieht die Szene nach einem Täuschungsversuch aus. [TV-Bilder – ab 58:10 Minute]

Julian Derstroff versuchte, zwischen Jordan Lankford und Tim Walbrecht hindurch zu kommen und wurde leicht in die Zange genommen. Wieder forderte Halle Strafstoß und erneut ging es zu Recht weiter. Derstroff ging hier recht bereitwillig zu Boden und war nur darauf aus, einen Kontakt hervorzurufen. [TV-Bilder – ab 01:40:00 Minute]

Niklas Kastenhofer grätschte von hinten recht sinnlos gegen den davongeeilten . Dabei traf er den Gegner recht weit unten und sah von Schiedsrichter Exner trotzdem die rote Karte. Hauptargument war hier die völlige Aussichtslosigkeit, den Ball zu zu treffen. Geht es Spieler einfach nur um das letzte Mittel, den Gegner irgendwie aufzuhalten und es wird dabei eine unkontrollierte Grätsche von hinten genutzt, ist der Platzverweis eine absolut vertretbare Folge. [TV-Bilder – ab 03:00 Minute]

Dynamo Dresden 4:0 Türkgücü München (SR: Thorben Siewer)

Aaron Brezel rutschte aus und traf Yannick Stark mit der Sohle am Fuß. Schiedsrichter Thorben Siewer zeigte ihm hierfür die gelbe Karte und da es seine zweite in diesem Spiel war, durfte sich der Münchener die letzten Minuten des Dresdner Aufstiegs von draußen ansehen. Korrekte Entscheidung! [TV-Bilder – ab 02:35 Minute]

TSV 1860 München 2:2 FC Bayern München II (SR: Frank Willenborg)

Alexander Lungwitz grätschte im eigenen Strafraum in eine Hereingabe und verbreiterte dabei seine Körperfläche deutlich. Dies hatte dann auch nur noch wenig mit Stützhand zu tun. Völlig zu Recht entschied Schiedsrichter Frank Willenborg auf Strafstoß für den TSV 1860 München. [TV-Bilder – ab 01:50 Minute]

Nicolas Feldhahn wurde vom schnelleren Stefan Lex überrascht, welcher plötzlich vor ihm vorbei lief. Beim Versuch, den Ball zu spielen, traf der Abwehrspieler der Bayern dann den Fuß des Löwen-Angreifers. Strafstoß lautete die erneut korrekte Entscheidung. [TV-Bilder – ab 03:10 Minute]

Semi Belkahia ging im Bayern-Strafraum nach einer Ecke zu Boden, da ein Abwehrspieler hartnäckig mit dem Arm arbeitete. Referee Willenborg war das wohl zu wenig, aber hier hätte es durchaus den dritten Strafstoß geben können. [TV-Bilder – ab 02:00:50 Minute]

VfB Lübeck 1:2 FSV Zwickau (SR: Lukas Benen)

Dustin Wilms bremste den Konter von Tommy Grupe durch Trikotziehen. Der Lübecker riss sich los und trat dann nach. Schiedsrichter Lukas Benen zeigte Tommy Grupe hierfür die rote Karte. Eine der Regel nach korrekte Entscheidung, auch wenn die Situation so ein bisschen aus dem nichts kam. Sicher mutete es auch deshalb hart an, da Wilms nicht den üblichen „sterbenden Schwan“ spielte und stehen blieb, sowie durch den Fakt, dass es ein enorm wichtiges Spiel war. Dennoch: Wie weit sollen wir die Regeln beugen? Ein ähnliches Vergehen leistete sich Augsburgs Vargas am Samstag und sah von Schiedsrichter Robert Schröder auch Rot. Sowas ist dann nunmal ein Platzverweis. Eine Verwarnung für Wilms wäre allerdings auch angebracht gewesen. [TV-Bilder – 01:25:54 Minute]

Vor gibt er bei einem klaren taktischen Foul von Hertner im Mittelfeld in Halbzeit mit Trikotreissen nicht gelb, die es dort hätte geben müssen. Zwar nicht wirklich miteinander vergleichbar, aber da wollte wirklich jeder Gelb und er macht den Gräfe. Ein taktisches Foul (das ist streng genommen auch die selbe Legende wie „Notbremse“ oder „letzter Mann“) sondern für ein unsportliches Haltevergehen. Nachtreten ist eine Unsportlichkeit und hat nichts mit Zweikampfbewertung zu tun, aber wenn man eben bei sowas vorher kein Gelb zieht, kostet das Akzeptanz. Der Zuschauer sieht halt eben nur die Kartenfarben. Hier hat die großzügige, fast schon zu großzügige erste Halbzeit mit dieser klar verpassten Verwarnung für den Zuschauer komplett gegensätzlich dazu wirkt und dann ein solcher Platzverweis keine Akzeptanz erhält. Das sind Eventualitäten, die man einbeziehen muss, wenn man in einer stimmigen Spielleitung bleiben will.

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