Schiedsrichter im Mittelpunkt: Auswertung strittiger Szenen – 9. Spieltag | 3. Liga

Schiedsrichter im Mittelpunkt: Auswertung strittiger Szenen – 9. Spieltag | 3. Liga

23. September 2019 0 Von IG Schiedsrichter

Mit einem möglichen Elfmeter und einer möglichen Tätlichkeit in Köln +++ ein übersehener Handelfmeter für Münster und den 2:2 Ausgleich +++ dem Ausgleichstreffer für Ingolstadt und Rot für Peter Kurzweg sowie einem nichtgegebenen Strafstoß für Hansa. Am 9. Spieltag der 3. Liga schauten wir uns sieben Situationen genauer an. 

Viktoria Köln – Eintracht Braunschweig (SR: Wolfgang Haslberger)

In der 39. Minute war Fortuna mit Köln hold. Robin Ziegele kam im Strafraum der Hausherren zu Fall, nachdem ihn Lars Dietz am Fuß erwischt hatte. Das ist ein zwingender Muss-Elfmeter. Der zieht ihm den Fuß weg. Das ist kein Ausrutschen und kein Abheben. Lars Dietz zieht hier Robin Ziegele den Fuß weg, während der andere Fuß in der Luft ist und der Stürmer keine Chance auf den Ball hat. Somit ist weiterspielen eine Fehlentscheidung eine Fehlentscheidung des Schiedsrichters. Er muss den Kontakt gesehen haben und wenn er dann der Meinung ist, dass er für ihn nicht ausreicht, dann ist es eine Entscheidung die vermutlich bei Spielen mit Videobeweis korrigiert worden wäre (Videobilder ab 56:12 Minute).

Dann bleib Braunschweigs Goden in der Kölner Hälfte liegen und zeigte einem Schlag mit dem Ellenbogen von Willers an. Das ist ein gezielter Schlag fernab des Balles. Hier wäre die einzig richtige Entscheidung der Platzverweis wegen Tätlichkeit gegen den Kölner gewesen. Wenn Haslberger da wirklich nichts gesehen hat und das im Spielberichtsbogen vermerkt, könnte das durch das Sportgericht eine nachträgliche Sperre zur Folge haben (Videobilder ab 1:31:29 Minute).

Hallescher FC – Preußen Münster (SR: Michael Bacher)

Zunächst übersah der Schiedsrichter ein Handspiel von Halles Sebastian Mai. Aus unserer Sicht ist das ein strafbares Handspiel und kein Stützarm. Der Arm geht ja schon nach vorne und nicht nach hinten. Er stützt sich eigentlich gar nicht ab. Daher hätte es hier den Handelfmeter für Preußen Münster geben müssen (Videobilder ab 1:25 Minute).

Den gab es dann in der 77. Minute  für Halle: Patrick Göbel flankte in die Mitte und traf dabei die Hand von Niklas Heidemann. Klare Sache – der Arm war hier über Schulterhöhe seitlich vom Körper abgespreizt (Videobilder ab 1:37 Minute).

In der 84. Minute erzielte der eben eingewechselte Nico Grodowski das 2:2 für Münster. Er knallte das Leder aus 15 Metern an die Latte und fand anschließend doch noch den Weg ins Tor. Schiedsrichter Bacher wollte zunächst diesen Treffer nicht geben und beriet sich mit Assistent Eduard Beitinger an der Linie. Dieser beobachtete mit Argesaugen das sich der Ball schon mit vollem Umfang hinter der Torlinie befand und daher auch korrekt. Die Bilder konnten es auch aus der seitlich schrägen Kamerapositition vollends aufklären, dass sich der Ball mit vollem Umfang hinter der Torlinie befand.

Doch dann wurde es kurios. Terence Boyde hatte den Platz noch nicht verlassen, als das Tor gefallen ist – an der Seitenlinie wurde kräftig diskutiert (Videobilder ab 1:55:13)

Im Moment der Torerzielung waren nur neun Hallenser Spieler auf dem Feld was auch die Hallenser zurecht monierten. Bacher schickte zunächst die Nummer 9 raus, weil er glaubte, die wird ausgewechselt und sollte das Feld an der nahegelegenen Seitenlinie, wie es die neuen Regeln erfordern, verlassen und den neuen Spieler winkte er von der anderen Seite wieder drauf und gab das Spiel wieder frei. Währenddessen ist Boyd, der eigentlich ausgewechselt werden sollte, noch auf dem Platz, als das Tor fiel war er gerade runtergegangen und der neue Spieler wahrscheinlich noch nicht auf seiner Position. Insgesamt ein sehr unglückliches Verhalten, aber regeltechnisch gibt’s da nichts was man ihm vorwerfen könne. Aber völlig unnötig das Spiel zu beschleunigen. Kann man ruhig in aller Ruhe abarbeiten und dann im Zweifel nachspielen lassen. Das darf aber natürlich nicht passieren. Der Schiri hat das Spiel freigegeben, da muss auch der Assistent die Spielfortsetzung verhindern. Das ist jedoch durch Tatsachenentscheidung gedeckt. Wenn jetzt 12 Spieler drauf gewesen wären, wäre es regeltechnisch nicht gegangen. Aber so gibt es keine Grundlage für einen Protest, da um ein Spiel beginnen zu können mindestens sieben Spieler aber maximal 11 pro Mannschaft bestehen muss. Die Regeländerung der Regelhüter des IFABs aus dem letzten Sommer sieht vor, dass Spieler bei Auswechslungen an der nächst gelegenen Linie vom Platz gehen müssen. Hier führte die neue Regel lediglich zu Kommunikationsproblemen zwischen Spielen und Schiedsrichtern.

Amateurschiedsrichtern die einmal solch eine komplexe Situation erleben, sei zu empfehlen, den Spieler zur Linie bei den Trainerbänken zu schicken und erst nach erfolgter Auswechslung das Spiel wieder freizugegeben. Man kann die Zeit ja nachspielen lassen.

FC Bayern München II 2:1 FC Ingolstadt (SR: Max Burda) 

Der FCI glich die Führung der Bayern umgehend wieder aus. Über rechts drang Stefan Kutschke in den Strafraum ein und ging ins Laufduell mit Lukas Mai. Der Innenverteidiger grätschte die Kugel unglücklich quer zu Denis Eckert, der am linken Eck nur noch einschieben musste. Zunächst grenzte es schon beim Zweikampf Mai gegen Kutschke auf Elfmeter, wo der Unparteiische den verzögerten Pfiff anwendete. Dann spielte jener Bayern-Akteur Lars Lukas Mai höchst selbst zum Gegner und dann kann es kein Abseits gewesen sein. Von daher alles korrekt entschieden vom Schiedsrichter (Videobilder ab 31:24 Minute).

Und auch diese Entscheidung ging tatsächlich in Ordnung.  Zunächst hakelte Maximilian Welzmüller  nach, dann revanchierte sich der frühere Würzburger Peter Kurzweg mit einem Tritt mit gestreckten Bein in die Magengrube. Zum Abschluss zeigte er noch Assistent Tim Kohnert den Vogel. Also das wird sich auch noch aufs Strafmaß auswirken. Ich denke drei bis vier Spiele wird er dem FC Ingolstadt fehlen (Videobilder ab 59:18 Minute).

FC Hansa Rostock 1:1 FSV Zwickau (SR: Florian Exner)

Ein Aufreger im Zwickauer Strafraum in der 71. Minute: Bülow schickte Butzen, der sich gemeinsam mit Opoku in den Strafraum kombinierte. Dann ging Butzen nach Zweikampf mit Viteritti zu Boden. Der Unparteiische entschied sofort auf Weiterspielen. Und wie die Schwäne weiterspielten! Nach wenigen Stationen tauchte Jensen vor Kolke ab und verlangte dem Rostocker Keeper bei Schuss aufs kurze Eck alles ab. Ein bitterer Nachgeschmack bleibt dennoch: Viteritti hatte Butzen im Vorfeld klar am Fuß berührt. Über einen Elfmeter hätte man sich in Zwickau niemand beschweren dürfen. Weiterspielen eine Fehlentscheidung des Schiedsrichters (Videobilder ab 1:42:52 Minute)

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