Schiedsrichter im Mittelpunkt: Auswertung strittiger Szenen | Bundesliga

Schiedsrichter im Mittelpunkt: Auswertung strittiger Szenen | Bundesliga

16. Dezember 2021 0 Von IG Schiedsrichter

Am Mittwochabend war in der Bundesliga einiges los und einige Referees zeigten sich zu nachsichtig. Wir analysieren gegebene, mögliche, wie verpasste Platzverweise und einige Strafraumszenen.

Borussia Mönchengladbach – Eintracht Frankfurt 2:3 (SR: Martin Petersen)

Kouadio Kane wurde im Frankfurter Strafraum von Danny da Costa von den Beinen geholt. Schiedsrichter Martin Petersen entschied auf Strafstoß für Mönchengladbach und lag damit komplett richtig, da ein eindeutiges Fußfoul vorlag. [TV-Bilder]

Der bereits verwarnte Tuta riss den durchgebrochenen Marcus Thuram zu Boden und wurde mit der gelb-roten Karte vom Feld geschickt. Auch hier bewertete Petersen das Verhindern des aussichtsreichen Angriffs korrekt. [TV-Bilder]

Danny da Costa wollte einen Ball klären und erwischte dabei Marcus Thuram am Kopf. Petersen zeigte hierfür die absolut angemessene gelbe Karte. Natürlich ist mit Aktionen gegen den Kopf eine erhöhte Gefährlichkeit verbunden, es gibt aber keine Regel, die eine rote Karte vorschreibt, wenn der Kopf des Gegners mit dem Fuß getroffen wird. Hier war der Ball komplett im Fokus und der Frankfurter handelte dabei lediglich rücksichtslos. Eine gelbe Karte ist damit die korrekte Bestrafung. [TV-Bilder]

Danny da Costa und Marcus Thuram waren im Frankfurter Strafraum im Zweikampf, wobei beide klammerten. Daraufhin ging der Gladbacher zu Boden und forderte Strafstoß. Zu Recht ging es aber weiter, da beide die Hände am Gegner hatten und kein klares Foulspiel vorlag. [TV-Bilder]

Borussia Dortmund – SpVgg Greuther Fürth 3: (SR: Daniel Schlager)

Maximilian Bauer blockte einen Torschuss und bewegte dabei seine Arme in die Schussbahn. Schiedsrichter Daniel Schlager entschied zunächst auf Eckball, wurde dann aber von VAR Günter Perl vor den Monitor gebeten. Dort erkannte er die eindeutig zur Abwehr bestimmte Vergrößerung der Körperfläche und entschied zu Recht auf Strafstoß für Dortmund. Auch wenn es  wieder eine relativ kurze Distanz war, war der Arm im Vergleich zum Handspiel bei Aue gegen Dresden, wo der Arm eher eng  am Körper angelegt war, ist er hier deutlich vom Körper abgestreckt, wo die Absicht schon erkennbar war, sodass es eine schon nachvollziehbare Regelauslegung von Daniel Schlager war. Da hier zudem ein Torschuss geblockt wurde, ist die Gelbe Karte obligatorisch. [TV-Bilder]

Jude Bellingham spielte bei einer Grätsche klar den Ball, fiel dann aber auf die Wade von Max Christiansen. Schiedsrichter Schlager sah hier ein Foulspiel, verzichtete aber auf eine mögliche gelb-rote Karte. Argumentativ kann man hier das klare Spielen des Balles heranziehen, oder eben auch für eine Rücksichtslosigkeit aufgrund des dann doch recht schmerzhaften Kontaktes von hinten plädieren. Die Szene ist sehr grau und die Entscheidung kann in beide Richtungen vertreten werden. [TV-Bilder]

Wenn dir gegen Fürth ein Fehler passiert, dann redet in drei Stunden keiner mehr drüber„, so Azzouzi. „Wir wären vom Platz geflogen. Da kann ich ihnen Brief und Siegel geben. Wenn das ein blauer Spieler gewesen wäre, wäre er weg gewesen„, schimpfte er und fügte hinzu: „Ich glaube schon, dass einfach die Kulisse und vor dem Hintergrund, dass es Dortmund oder Bayern ist, dass es ab und an Entscheidungen gibt, die nicht ganz nachzuvollziehen sind.“ Er wolle nicht sagen, dass die Schiedsrichter es absichtlich machen. „Aber unterbewusst ist es schon drin.“

FC Augsburg – RB Leipzig 1:1 (SR: Florian Badstübner)

Benjamin Henrichs nahm die Hände im eigenen Strafraum über den Kopf und berührte dort den Ball. Schiedsrichter Florian Badstübner hatte wenig Zweifel und gab den berechtigten Strafstoß für Augsburg. So weit oben haben die Arme in keinem fußballtypischen Ablauf etwas zu suchen. [TV-Bilder]

Bayer 04 Leverkusen – TSG Hoffenheim 2:2 (SR: Tobias Stieler)

Moussa Diaby und Sebastian Rudy gerieten aneinander und wurden von Schiedsrichter Tobias Stieler verwarnt. Dabei hatte der Leverkusener viel Glück, nicht mit der glatt roten Karte vom Feld geschickt zu werden. Diaby leistete sich nämlich einen Wischer ins Gesicht des Gegners. Wohlgemerkt, nur ein Wischer, der aufgrund der Intensität nicht grob oder brutal war. Dennoch hat die Hand nichts im Gesicht zu suchen.

Jeder Amateurschiedsrichter muss hier zwingend die rote Karte zeigen, aber in der Bundesliga läuft es nunmal etwas anders. Das zeigten in der Vergangenheit leider schon einige andere Szenen. Ein Platzverweis wäre hier dennoch niemals falsch und für alle verständlich gewesen, auch im HinblickaufdenAmateurfußball![TV-Bilder]

Kevin Akpoguma ging nach Kontakt mit Piero Hincapie zu Boden und forderte Strafstoß. Diesen gab Schiedsrichter Stieler nicht und auch VAR Tobias Welz griff nicht ein. Zu Recht, da Bilder in solchen Situationen, insbesondere deutlich verlangsamt, wenig Aussagekraft geben. Bei einem Pfiff von Stieler selbst wäre der Strafstoß ein klassischer ‚soft-penalty‘. Ein VAR-Eingriff wäre ungefähr in der Kategorie einzuordnen, wie der Strafstoß bei Bremen-Schalke. Absolut korrekt, hier keinen Strafstoß zu geben! [TV-Bilder]

Kurz vor dem Ende holte sich Moussa Diaby doch noch seinen Platzverweis ab. Er hielt im Duell mit Florian Grillitsch lange, nachdem dieser den Ball wegspielte, den Fuß rein und brachte diesen zu Fall. Hierfür zeigte Stieler zu Recht die gelb-rote Karte. [TV-Bilder]

Zwei Aufreger in Mainz

[FS]

Share This: