Schiedsrichter im Mittelpunkt: Auswertung strittiger Szenen – Champions League

Schiedsrichter im Mittelpunkt: Auswertung strittiger Szenen – Champions League

20. Oktober 2021 1 Von IG Schiedsrichter
Insbesondere die deutschen Schiedsrichter hatten am Dienstagabend eine Menge zu tun. Wir beschäftigen uns nochmal mit den wichtigsten Entscheidungen von Daniel Siebert und Dr. Felix Brych, sowie zwei Strafstößen im Spiel von RB Leipzig.
Atletico Madrid 2:3 FC Liverpool (SR: Daniel Siebert)
Antoine Griezmann versuchte mit vollem Risiko und hohem Bein an den Ball zu kommen, traf aber nur Roberto Firmino am Kopf. Schiedsrichter Daniel Siebert zeigte dem Atletico-Angreifer hierfür die rote Karte. Absolut vertretbar, hier den Platzverweis zu verhängen und diesen Einsatz als brutal einzustufen, da mit Kopftreffern immer eine erhöhte Gefährlichkeit verbunden ist und dieser mit gestreckten Bein und der offenen Sohle erfolgte. [TV-Bilder – ab 51:22 Minute]
Mario Hermoso stieß Diogo Jota im eigenen Strafraum ungeschickt in den Rücken, was den Strafstoßpfiff von Schiedsrichter Siebert zur Folge hatte. Auch hier lag der Unparteiische richtig, denn dieser Einsatz fernab des Balles hatte nur noch wenig mit korrektem Zweikampfverhalten zu tun. [TV-Bilder – ab 75:14 Minute]
Wenig später erhielt auch Atletico einen Strafstoßpfiff, als sich Diogo Jota und Jose Maria Gimenez im Liverpooler Strafraum ein Duell lieferten und Letzterer daraufhin zu Boden ging. Allerdings bat VAR Bastian Dankert Siebert vor den Monitor, wo dieser den Strafstoß zurücknahm. Ein sehr mutiger, aber komplett nachvollziehbarer Review, denn in den Bildern ist kein Kontakt zu sehen, der Gimenez auch nur annähernd zu Boden bringen würde. Vielmehr ging der Atletico-Profi lange vor einem möglichen Kontakt bereitwillig zu Boden. [TV-Bilder – ab 80:13 Minute]
Fazit: Eine wahnsinnig unglaublich gute Leistung von Siebert. Mutig, konsequent und ohne jegliche Fehlentscheidungen. Der VAR-Eingriff war alle nachvollziehbar.
FC Porto 1:0 AC Mailand (SR: Dr. Felix Brych)
Luis Diaz traf zur Führung für Porto, Milan protestierte jedoch energisch. Mehdi Tahremi hebelte Ismael Bennacer im Kopfballduell kurz vor dem Strafraum aus, indem er nicht nur in Richtung Ball, sondern auch leicht in den Rücken des Gegners sprang. Es lag hier dann am Ende ein Zweikampf vor, den man pfeifen kann, aber nicht muss. So blieb VAR Marco Fritz auch zu Recht außen vor. Ein Foulpfiff durch Schiedsrichter Dr. Felix Brych selbst hätte aber trotzdem besser ausgesehen. Stürmerfouls sind immer leichte Pfiffe, mit denen man besonders in hitzigen Spielen viel Ruhe schaffen kann. So hatte er es aber nach einer eher falschen Entscheidung mit vielen Diskussionen zu tun. [TV-Bilder – ab 64:21 Minute]
Zlatan Ibrahimovic agierte mit viel zu hohem Bein und traf Chancel Mbemba im Gesicht, der dann gar blutete. Brych zeigte ihm hierfür die gelbe Karte, womit der Schwede äußerst gut bedient war. Entscheidender Faktor war wohl, dass Mbemba mit dem Kopf etwas nach unten ging. Das Gefühl des Unparteiischen für die Dynamik der Szene ist dabei mitentscheidend und gab hier den Ausschlag für die gelbe Karte. Ein Platzverweis, wie bei ähnlicher Szene in Madrid, wäre aber sicher nicht falsch gewesen, da in Madrid der Kopf bei gestreckten Bein oben blieb und hier ging er runter. [TV-Bilder – ab 86:13 Minute]
Paris St. Germain 3:2 RB Leipzig (SR: Marco Guida)
Mohamed Simakan verteidigte ungeschickt gegen Kilian Mbappe und schubste diesen mit einer Hand gegen die Brust. Der Franzose nahm das dankend an, ging zu Boden und erhielt von Schiedsrichter Marco Guida den Strafstoß. Eine solche Entscheidung lässt den Zuschauer irgendwie verstimmt zurück, obwohl der Leipziger Verteidiger es auch nicht wirklich besser verdient. Dennoch kann man objektiv gesehen nicht ganz glauben, dass Mbappe hier fallen musste. Der Strafstoß wirkte geschunden, ist aber eben auch nicht komplett falsch. Besser wäre es, die Finger von solchen Pfiffen zu lassen… [TV-Bilder – ab 72:39 Minute]
Josko Gvardiol grätschte am Ball vorbei und traf stattdessen Gegenspieler Achraf Hakimi. Schiedsrichter Guida unterlief hier wohl ein Wahrnehmungsfehler, denn dieses Foulspiel sollte man im Livebild sehen. VAR Marco di Bello schaltete sich aber sehr schnell ein und riet Guida noch vor der nächsten Unterbrechung, das Spiel zu stoppen und sich die Bilder anzusehen. Dort erkannte der italienische Referee das deutliche Fußfoul schnell und entschied zu Recht auf Strafstoß für Paris. [TV-Bilder – ab 91:44 Minute]
[fs]

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