Schiedsrichter im Mittelpunkt: Auswertung strittiger Szenen | Euro League

Schiedsrichter im Mittelpunkt: Auswertung strittiger Szenen | Euro League

26. Februar 2021 0 Von IG Schiedsrichter

Neben den schwachen deutschen Teams waren auch zwei DFB-Schiedsrichter im Einsatz. Daniel Siebert – in der Bundesliga in bestechender Form – musste dabei erkennen, dass der Wind international rau sein kann und Felix Zwayer nahm zu Recht einen Strafstoß zurück. Einige weitere Strafstöße und einen leider schwachen schottischen Referee nehmen wir genauer unter die Lupe.

Von: Felix Stark

Bayer 04 Leverkusen 0:2 Young Boys Bern (SR: Davide Massa)

Das Rückspiel zwischen Bayer Leverkusen und den Young Boys Bern startete um einiges unspektakulärer als das Hinspiel. Es war ein ruhiger, ausgeglichener Beginn, wo sich taktisch sehr disziplinierte Berner ihrem Vorsprung bewusst waren und sehr intensiv verteidigten. Der Zugzwang wurde also von Beginn an voll auf Leverkusen abgewälzt, die allerdings wenig Mittel fanden. Bis auf einen Abschluss von Leon Bailey kam nichts gefährliches auf das Tor, während auch Bayer-Keeper Niklas Lomb beschäftigungslos blieb. Einmal war dann doch Platz für die Werkself: Florian Wirtz wurde auf dir Reise geschickt und spielte in die Mitte zum einschussbereiten Patrick Schick. Silvan Hefti kam ihm allerdings zuvor und klärte. Er war es auch, der das Abseits aufhob, was Assistent Filippo Meli stark erkannte. Schiedsrichter Davide Massa blieb in der ersten Hälfte dagegen absolut beschäftigungslos.

Nach dem Seitenwechsel machte sich die Werkself das Leben selbst schwer: Niklas Lomb ließ einen harmlosen Ball fallen und Jordan Siebatcheu bedankte sich. Bayer reklamierte ein Foulspiel an Daley Sinkgrafen, doch weder Referee Massa, noch VAR Paolo Valeri sahen etwas strafwürdiges. Korrekte Entscheidung! In der Folge änderte sich die Spieltemperatur merklich und es wurde umkämpfter. Massa bemühte sich um einen schnellen Einstieg in die persönlichen Strafen und fand diesen auch, nachdem Sinkgraven in Michel Aebischer hineinrutschte. Etwas hart, aber vom Spielmanagement her nachvollziehbar. Bayer wurde dann stärker und hatte durch Bailey nach langer Zeit wieder ein Großchance. Leverkusen begann dann irgendwann die Zeit davonzulaufen. Je lauter die Uhr zu ticken begann, desto fahriger wurde der Spielaufbau. Patrick Schick hätte es nochmal spannend machen können, scheiterte aber an Torhüter David von Ballmos. Marvin Spielmann hätte das Weiterkommen der Schweizer bereits perfekt machen können, traf aber nur den Außenpfosten. Besser machte es dann Christian Fassnacht, der eine schöne Kombination zum 0:2 abschloss. Dabei blieb es dann auch und so musste auch der zweite Bundesligaverein die Segel streichen.

Fazit: Schiedsrichter Davide Massa hatte alles im Griff, war aber auch überraschend wenig gefordert.

SSC Neapel 2:1 Granada CF (SR: Daniel Siebert)

Mit dem Berliner Daniel Siebert schickte die UEFA einen der derzeit stärksten Bundesligaschiedsrichter nach Neapel, doch der musste schnell feststellen, dass das beste Bundesligaspiel gegen einen extrem hart geführten Kopf mit südländischem Temperament eine reine Wohlfühlveranstaltung ist. Nach dem Hinspiel mit zehn gelben Karten muss man allerdings anmerken, dass ein derartiges Verhalten erwartbar war. So hätte es eine andere Linie gebraucht, als die sehr lockere von Siebert, mit der er in Deutschland so gut fährt. Exemplarisch dafür steht eine Szene, in der Granadas Kenedy den Abstand bei der Ecke verkürzte, wo man präventiv eingreifen könnte/sollte. Dann folgte sofort ein Zweikampf mit Matteo Pollitano und das Foulspiel an diesem. Die folgende Rudelbildung ist mit zwei Verwarnungen korrekt bewertet, allerdings waren das in der 35. Minute die ersten beiden Karten. Es folgten noch neun weitere – zwar völlig korrekte – Karten, doch hätte dieses Spiel anders begonnen werden können. Die Einzelentscheidungen waren korrekt, doch hätte Siebert mit einem strengeren Ansatz für etwas mehr Ordnung sorgen können. Diese Erfahrung wird ihm aber sicher auch auf internationaler Ebene weiterhelfen! [TV-Bilder]

Tottenham Hotspurs 4:0 Wolfsberger AC (SR: Matej Jug)

Erik Dyer rannte Cheikhou Dieng um, was allerdings keinen Pfiff vom slowenischen Schiedsrichter Matej Jug zur Folge hatte. Hier lag eine klare Torchance vor, weshalb Dyer für das Foulspiel die Rote Karte erhalten müsste. VAR Marco di Bello griff nicht ein, da er wohl keinen eindeutigen Bildbeweis fand. Pech für die Österreicher. [TV-Bilder]

Ajax Amsterdam 2:1 OSC Lille (SR: William Collum)

Antony rempelte Renato Sanches im eigenen Strafraum, was Schiedsrichter William Collum nicht dazu veranlasste, auf den Strafstoßpunkt zu zeigen. Auch VAR Chris Kavanagh griff nicht ein, was zumindest in Frage gestellt werden kann. Das Verhalten des Ajax-Spielers war einfach ungeschickt und er kann von Glück reden, dass es keinen Strafstoß für Lille gab. [TV-Bilder]

Erneut klar falsch wurde auch die folgende Szene bewertet: Der bereits verwarnte Renato Sanches trat Oussama Idrissi voll auf den Fuß, was nicht einmal einen Foulpfiff zur Folge hatte. Hier hätte es zwingend die gelb-rote Karte geben müssen! Extrem unglücklicher Auftritt des schottischen Referees. [TV-Bilder]

TSG Hoffenheim 0:2 Molde FK (SR: Aleksey Kulbakov)

Pavel Kaderabek köpfte Erik Ulland Andersen an den Ellenbogen, den er dann etwas merkwürdig abstreckte. Schiedsrichter Aleksey Kulbakov ließ das Spiel weiterlaufen und lag damit auch richtig. Hier wurde die Körperfläche absolut nicht verbreitert. [TV-Bilder]

FC Villareal 2:1 Red Bull Salzburg (SR: Felix Zwayer)

Etienne Capoue wehrte einen Ball mit der Hand ab, worauf Schiedsrichter Felix Zwayer auf Strafstoß für Salzburg entschied. VAR Marco Fritz meldete sich allerdings und holte Zwayer vor den Monitor. Nach Sichtung der Bilder nahm Zwayer den Strafstoß zurück, da sich Capoue selbst anschoss und deshalb kein strafbares Handspiel vorliegen kann. [TV-Bilder]

Glasgow Rangers 5:2 Royal Antwerpen (SR: Pawel Raczkowski)

Maxime Le Marchand stellte Alfredo Morelos im eigenen Strafraum ein Bein, worauf der Stürmer der Rangers mit etwas Verzögerung fiel. Schiedsrichter Pawel Raczkowski entschied auf Strafstoß für die Schotten, was hart anmutete, aber von Le Marchand auch einfach schlecht verteidigt war. Richtige Entscheidung! [TV-Bilder]

Richtig lag der polnische Referee auch beim nächsten Strafstoß für Glasgow: Nana Ampomah lief Scott Wright in die Hacken und auch hier war der Elfmeter die logische Konsequenz. Schlechtes Abwehrverhalten der Belgier! [TV-Bilder]

AC Mailand 1:1 Roter Stern Belgrad (SR: Jesus Gil Manzano)

Marko Gobeljic blockte einen Schuss klar mit der Hand, was Schiedsrichter Jesus Gil Manzano zunächst noch entging. Nicht jedoch VAR Alejandro José Hernández Hernández, der zu Recht eingriff und Manzano zum Bildschirm holte. Natürlich gab es dann den Strafstoß für Mailand, sowie die gelbe Karte für Gobeljic. [TV-Bilder]

Manchester United 0:0 Real Sociedad (SR: Lawrence Visser)

Daniel James lief Andoni Gorosabel ungestüm in die Hacken, worauf der Gäste Akteur auch zu Boden ging. Der belgische Referee Lawrence Visier entschied zu Recht auf Strafstoß. Clever herausgeholt von Gorosabel. [TV-Bilder]

Axel Tuanzebe erzielte das vermeintliche 1:0 für Manchester, doch sein Tor zählte am Ende nicht. Victor Lindelöf sprang bemerkenswert hoch, erwischte dabei aber Jon Bautista mit dem Oberschenkel am Kopf. VAR Kevin Blom holte Visser zum Bildschirm worauf das Tor zu Recht nicht zählte und Lindelöf mit der gelben Karte die angemessene Sanktion erhielt. [TV-Bilder]

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