St. Pauli gelingt die Sensation – Kainz schießt sich selbst an

St. Pauli gelingt die Sensation – Kainz schießt sich selbst an

19. Januar 2022 0 Von Simon Schmidt

Im ersten Teil der DFB-Pokal Achtelfinal-Spiele gelang dem Tabellenführer der 2. Bundesliga die Sensation! Der FC St. Pauli besiegte den Titelverteidiger Borussia Dortmund mit 2:1. Damit sind sowohl Bayern als auch Dortmund vor dem Viertelfinale raus. Außerdem schlug der HSV den FC Köln äußerst kurios im Elfmeterschießen und 1860 München musste sich dem KSC mit 0:1 geschlagen gegeben. Ebenso gelang dem VfL Bochum im Spiel gegen Mainz die Revanche für die Niederlage am vergangen Wochenende.

FC St. Pauli – Borussia Dortmund 2:1 (SR: Harm Osmers)

Die Partie begann direkt ereignisreich, als der St. Pauli Angreifer Amenyido eine Lücke in der Dortmunder Hintermannschaft zum 1:0 nutzte. Dabei versuchte der Dortmunder Außenstürmer Reus noch hinten auszuhelfen, konnte aber Amenyido nicht stoppen. Kurz vor BVB-Keeper Kobel schloss der Hamburger unhaltbar ab. Daraufhin blieb St. Pauli mutig und stand defensiv sehr sicher. Der BVB hatte seine erste große Chance in der 18. Minute, als Hummels eine super Vorlage auf Reus lieferte. Doch der deutsche Nationalspieler scheiterte vor Smarsch. Die Partie war danach recht ausgeglichen, bis Guido Burgstaller fünf Minuten vor der Pause einen sehr guten Ball in den Dortmunder Strafraum zu seinem Sturmpartner Amenyido spielte. Der erreichte den St. Pauli Stürmer nicht, weil Dortmunds Axel Witsel in den Ball rutschte und ihn ins eigene Tor beförderte. Die 2:0 Führung für die Gastgeber durch das Eigentor! Die Dortmunder drückten nach dem weiteren Gegentor konnte sich aber keine richtig gute Chance bis zum Halbzeitpfiff von Osmers erspielen.

Schiedsrichter Osmers stand in der 56. Minute das erste Mal im Fokus, als die Dortmunder einen Handelfmeter forderten. Hummels Flankenball ins Zentrum wurde zuvor von Medic Arm berührt. Der Hannoveraner FIFA-Schiedsrichter winkte auf dem Platz zunächst ab, doch in der nächsten Unterbrechung meldete sich VAR Sascha Stegemann aus Köln und bat zum On-Field-Review an den Monitor. Dort offenbarte sich Osmers eine deutlich Vergrößerung der Körperfläche durch eine unnatürliche Handhaltung von Medic, sodass er auf den Punkt zeigte. Haaland nahm sich dem Elfmeter an und verwandelte sicher zum Anschlusstreffer ins rechte untere Eck. Nach dem Gegentreffer blieb St. Pauli sehr engagiert, doch je weiter das Spiel fortschritt, desto mehr hatten die Dortmunder den Ball. Gegen Ende der Partie standen die Gastgeber nur noch hinten drin. Doch sie brachten das Ergebnis über die 90 Minuten. Dann die Frage wie viel Nachspielzeit gibt es? Drei Minuten zeigte der Vierte Offizielle Lasse Koslowski an, ein bisschen wenig. Denn allein die letzte Minute von 89:05 bis 90:05 hätte ganz nachgespielt werden müssen. Vier bis fünf Minuten wären durchaus angemessen gewesen. Aus Schiedsrichtertaktischer Sicht ist eine eher sparsamere Nachspielzeit natürlich nicht unklug, dennoch ist die Nachspielzeit das beste Mittel des Schiedsrichters gegen Zeitspiel zuvor, das wurde hier leider nicht genutzt. St. Pauli brachte die drei Minuten gut rum. Nach guten 93 Minuten pfiff Osmers ab und der FC St. Pauli stand im Viertelfinale. Titelverteidiger Dortmund musste sich dem Zweitligaklub im Achtelfinale geschlagen geben! [Highlights]

Fazit: Harm Osmers konnte im Pokalspiel mit einem unaufgeregten Auftritt überzeugen. Die Elfmeter-Entscheidung war nach On-Field-Review korrekt. Nur die Nachspielzeit hätte etwas länger ausfallen können.

1.FC Köln – Hamburger SV 3:4 n.E. (SR: Daniel Schlager)

[fs] Nachdem die Kölner lange Zeit ein deutliches spielerisches Übergewicht hatten, drehte sich das Bild vor der Pause und der Hamburger SV hatte mit einem Pfostentreffer gar die beste Chance der ersten Halbzeit. Schiedsrichter Daniel Schlager versuchte in einem Spiel mit vielen kleinen Unsauberkeiten mit vielen Vorteilen einigermaßen Spielfluss zu gewähren. Als Miro Muheim Kingsley Schindler im Hamburger Strafraum mit der Hand leicht am Hinterkopf traf, ließ er das Spiel zu Recht weiterlaufen, denn hier lag nichts strafwürdiges vor, es handelte sich vielmehr um einen Unfall. Kurz vor der Pause erhielt Jonas Hector die einzige gelbe Karte des ersten Durchgangs, als er selbst etwas härter angegangen wurde und dann zum Revanchefoul inklusive lautstarker Beschwerden ansetzte. Wahrscheinlich wäre hier ein Pfiff beim ersten Zweikampf sinnvoller gewesen.

In der ersten Hälfte des zweiten Durchgangs ließ Referee Schlager eine klare Linie etwas vermissen. Faride Alidou leistete sich zunächst ein unnötiges Foul und stellte sich dann vor den Ball, um die Ausführung zu blockieren. Eine gelbe Karte ließ Schlager stecken. Ohne Folgen blieb auch das Beinstellen vom bereits verwarnten Jonas Hector, der Moritz Heyer bei Eintritt in Strafraum von den Beinen holte. Obwohl bei Überqueren des Strafraumlinie auch recht schnell der nächste Gegenspieler gewartet hätte, muss man hier wohl von der Verhinderung eines aussichtsreichen Angriffs sprechen, da Hector nur ein Ziel hatte und das war das Bein des Gegenspielers. Die gelb-rote Karte wäre hier wohl nötig gewesen. Im weiteren Verlauf wurde Schlager wieder klarer in den persönlichen Strafen und verhängte drei korrekte gelbe Karten. Tore fielen aber nicht mehr, sodass die Partie in die Verlängerung ging.

In der Verlängerung war es dann der Hamburger Robert Glatzel, der seine Farben in Führung brachte. Das Spiel blieb weiter umkämpft, was sich auch an der Seitenlinie bemerkbar machte, wo HSV-Coach Tim Walter die gelbe Karte sah.
Als der HSV schon wie der sichere Sieger aussah, wurde Anthony Modeste von Sebastian Schonlau am Trikot gezogen und so regelwidrig beim Kopfball gehindert. Schiedsrichter Schlager entschied unter großen Protesten auf Strafstoß für Köln und verwarnte den Hamburger Verteidiger. Kann man so entscheiden, auch wenn es sich um einen eher harten Pfiff handelte. Im Tempo kann ein kleiner Kupfer nunmal ausrichten. In Summe eine vertretbare Entscheidung und eine Gelegenheit für Modeste, die er sich nicht nehmen ließ.

Im folgenden Elfmeterschießen wurde es noch kurioser: Florian Kainz musste als letzter Kölner Schütze treffen und tat dies auch. Nach kurzer Unterbrechung und Kommunikation im Gespann erkannte Schlager den Treffer allerdings wieder ab, da der Kölner beim Schuss ausrutschte und den Ball zweimal berührte. Deshalb konnte der Treffer nicht zählen und der HSV durfte den Einzug ins Viertelfinale bejubeln.

Würde diese Aktion bei einem Strafstoß im Spiel passieren, würde es keine Wiederholung sondern einen indirekten Freistoß geben.

Lutz Wagner erklärte zur Szene: „Er schoss sich den Ball bei der Ausführung an das andere Bein, damit spielte er den Ball zweimal – dies ist nicht zulässig, somit zu Recht kein Tor. Wäre es kein Elfmeter im Elfmeterschießen gewesen, sondern ein Strafstoß, wäre das Spiel mit indirektem Strafstoß wegen zweimaligen Spielens fortgesetzt worden. So aber im Elfmeterschießen ist der Elfmeter verwirkt und damit der Treffer nicht gültig.“

Fazit: Schiedsrichter Daniel Schlager hatte in einem äußerst umkämpften Spiel eine Menge zu tun und sah dabei nicht immer gut aus. Eine klare Linie in den Zweikämpfen ließ er in weiten Teilen vermissen, zudem hätte er Hector die gelb-rote Karte zeigen müssen. Beim Strafstoß und dem aberkannten Treffer im Elfmeterschießen lag er richtig. [Highlights]

TSV 1860 München – Karlsruher SC 0:1 (SR: Martin Petersen)

Die Löwen traten als einziger verbliebener Drittligist mutig auf und brachten das Karlsruher Tor mit einigen schnellen Kontern in Gefahr. Ansonsten bot der erste Durchgang nicht viel Spektakuläres. Schiedsrichter Martin Petersen hatte alles im Griff und lag mit der einzigen gelben Karte der ersten Halbzeit richtig, als Jerome Gondorf ein taktisches Haltevergehen beging.

Nach der Pause legte der KSC deutlich besser los und es dauerte nicht lange, bis Lukas Cueto zum 0:1 traf. Allerdings signalisierte Assistent Guido Kleve eine Abseitsposition und lag damit auch richtig.

Die spielentscheidende Situation fand dann im Münchener Strafraum statt, als Fabian Greilinger ein Handspiel unterlief. Dabei konnte man meinen, dass hier kein strafbares Handspiel vorlag, da der Ball zuerst der Fuß des Müncheners berührte. Allerdings lag hier doch eine losgelöste Handbewegung vor. Dieser Ausschlussgrund ist eher so zu lesen, dass ein Springen an den Arm, der schon in der Endposition ist, vorliegen muss. Damit war die Strafstoßentscheidung korrekt und Marvin Wanitzek entschied so das Pokalduell zugunsten der Karlsruher. [Highlights]

Fazit: Schiedsrichter Martin Petersen hatte mit einem fairen Spiel wenig Probleme. In den beiden Schlüsselsituationen lag er mit seinem Gespann richtig.

VfL Bochum – 1.FSV Mainz 05 3:1 (SR: Dr. Felix Brych)

In Bochum lieferten sich die beiden Bundesligisten einen harten Kampf. Jae-Sung Lee übertrieb es dabei und traf Patrick Osterhage bei einer riskanten Grätsche mit dem Nachziehbein. Schiedsrichter Dr. Felix Brych zeigte ihm dafür die klar berechtigte gelbe Karte. Kurz vor der Pause ging dann Mainz in Führung, als Karim Onisiwo nach einem Fehler von Manuel Riemann abstaubte.

Nach der Pause gab Bochum eine Menge Gas und wurde belohnt: Leandro Barreiro zog Elvis Rexhbecaj vor den Augen von Brych eindeutig zu Boden. Selten dürfte ein Strafstoß klarer gewesen sein. Milos Pantovic verwandelte und legte auch gleich noch einen Treffer zum 2:1 nach.

Einen sehr schönen Vorteil gewährte Brych nach einem deftigen Einsteigen von Stefan Bell nach welchem Jürgen Locadia alleine auf das Mainzer Tor zulief und scheiterte. Die Verwarnung wurde in der nächsten Unterbrechung nachgereicht. Hervorzuheben ist die einheitliche, großzügige Linie Brychs. So entschied er bei mehreren Zweikämpfen, bei denen sich Spieler in den Gegenspieler schoben um dann zu fallen, nicht auf Foulspiel. So auch vorm 3:1 von Eduard Löwen, das zugleich die Entscheidung bedeutete. [Highlights]

Fazit: Schiedsrichter Dr. Felix Brych zeigte in einem hart umkämpften Spiel eine gute Leistung und bewies ein gutes Maß in der Zweikampfbewertung, sowie in der Disziplinarkontrolle.

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