Darum gab es keinen Handelfmeter für Italien

Darum gab es keinen Handelfmeter für Italien

11. Juni 2021 0 Von IG Schiedsrichter

Im Eröffnungsspiel der UEFA Euro 2020 standen sich zum Auftakt die Türkei und Italien in der „Ewigen Stadt“ Rom gegenüber. Nach torlosen Remis in der ersten Hälfte ging die Azzurri durch ein Eigentor von Demiral (53.) in Führung. Für Entscheidung sorgte Ex-BVB-Star Ciro Immobile, als er nach einem abgefälschten Schuss trocken abstaubte (66.). Insigne traf in den Schlussminuten zum verdienten 3:0-Auftaktsieg.

Mit der Spielleitung wurde der holländische UEFA-Referee Danny Makkelie beauftragt. Ihm assistierten Hessel Steegstra und Jan de Vries. Als vierte Offizieller wurde die französische Schiedsrichterin Stephanie Frappart eingeteilt. Das Videoassistententeam wird angeführt vom Niederländer Kevin Blom. Ihm assistieren Pol van Boekel und die Deutschen Bastian Dankert und Christian Gittelmann. Das Team wird beobachtet vom Deutschen Schiedsrichter-Boss Lutz-Michael Fröhlich.

Von: Felix Stark

Das Eröffnungsspiel bestritten mit Italien und der Türkei zwei Teams, die zuvor eine Menge Selbstvertrauen tanken konnten. Italien startete mit mehr Zug und konnte sich Abschlüsse erspielen, die Türken standen allerdings auch sehr sicher. Wild reklamierten die Hausherren, als der Ball im türkischen Strafraum die Hand von Merih Demiral berührte. Auch mit neuer Auslegung sollte das Thema bleiben, allerdings noch nicht in dieser Szene, denn hier lag klar kein strafbares Handspiel vor. Wenig später scheiterte Giorgio Chiellini dann per Kopfball am stark reagierenden Ugurcan Cakir. Ansonsten agierten die Mannschaften sehr nervös und übertrafen sich mit schnellen Ballverlusten. Was Italien im einen Strafraum versuchte, probierte Burak Yilmaz auf der anderen Seite mit einem plumpen Faller auch. Allerdings ließ sich Schiedsrichter Danny Makkelie auch hier zu Recht nicht überlisten.
Kurz vor der Pause flankte Leonardo Spinazzola den Ball an die abgespreizte Hand von Mehmet Zeki Celik. Wieder waren alle Italiener bei Makkelie, der erneut weiterlaufen ließ. Auch VAR Kevin Blom hatte nach kurzer Kontrolle nichts entgegenzusetzen. Noch in der vergangenen Saison wäre es hier sicher zum Strafstoß gekommen. Allerdings muss man sich nach der Modifikation der Regel fragen, was denn nun der Grund für die Verbreiterung der Körperfläche ist. Ist es, wie in diesem Fall, die natürliche Laufbewegung, so soll kein strafbares Handspiel mehr vorliegen. Damit war die Entscheidung, das Spiel laufen zu lassen, korrekt.

Nur Handspiel bei klarer Ballberührung

Wichtig zu beachten ist nun, warum die Körperfläche mit dem Arm vergrößert wird.
– will der Spieler damit den Ball aufhalten oder
– ist das eine normale Armbewegung im Lauf

In dem Fall sieht man, dass der Arm des türkische Verteidiger nach hinten wegschwingt, nachdem der Ball am Arm war. Das ist dann wiederum ein perfektes Beispiel, dass der Ball zwar an der Hand war, jedoch keine Absicht vorliegt.

so der ARD-Schiedsrichterexperte und DFB-Lehrwart Lutz Wagner.

Der erste Treffer des Turniers war dann ein Eigentor: Demiral konnte einer scharfen Hereingabe von Marco Berardi nicht mehr ausweichen und lenkte den Ball so ins eigene Netz. In der Folge boten sich den Italienern mehr Räume. Spinazzola scheiterte noch an Cakir, doch Ciro Immobile verwertete den Abpraller zum 2:0. Den Deckel machte Lorenzo Insigne dann mit dem 3:0 drauf. Der Türkei fiel während der gesamten zweiten Halbzeit absolut nichts ein.
Zwei türkische Spieler erhielten von Danny Makkelie dann doch noch die gelbe Karte: Caglar Söyüncü setzte seinen Ellenbogen gegen Frederico Bernadeschi zu hart ein und Halil Dervisoglu kam gegen Nicolo Barella deutlich zu spät.
Mehr passierte im Eröffnungsspiel nicht und Italien konnte einen ungefährdeten Auftaktsieg feiern.

Fazit: Schiedsrichter Danny Makkelie war wenig gefordert und überzeugte vor allem durch gute Ausstrahlung. Die Handspielsituation ist nach neuer Auslegung korrekt bewertet worden. Kleinere Unsicherheiten bei Abseitspositionen traten bei Assistent Hessel Steegstra auf.

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