Das EM-Fazit: So schnitten die Referees ab

Das EM-Fazit: So schnitten die Referees ab

15. Juli 2021 3 Von Felix Stark

Nach dem Ende der UEFA EURO 2020 ist Zeit, noch einmal einen Blick auf die Schiedsrichter des Turniers zu werfen. In der finalen Phase des Turniers standen die Unparteiischen nochmal etwas mehr im Blickpunkt, ehe Björn Kuipers die Europameisterschaft im Finale ganz stark zu Ende brachte.

Im Endspiel zwischen England und Italien konnte man die ganze Erfahrung und Klasse eines Björn Kuipers bewundern, der auf dem Weg ins Finale zwar keine großen Hürden überspringen musste, mit seiner Spielleitung aber zeigte, dass man sicher nicht den Falschen einsetzte. Nun wird sich zeigen, wie es beim Niederländer auf dem Höhepunkt seiner Karriere weitergeht.

Auf ein tolles Turnier mit einer Rekordanzahl an Einsätzen kann auch Dr. Felix Brych zurückblicken. Trotz eines nicht optimalen Auftritts im Achtelfinale zwischen Belgien und Portugal setzte die UEFA weiter auf ihn. Mit seinem Halbfinale zwischen Italien und Spanien stellte er dann auch unter Beweis, dass man ihm zu Recht vertraute.

Absolut ungerecht behandelt wurde Cüneyt Cakir aus der Türkei: Nach einem exzellenten Achtelfinale zwischen Kroatien und Spanien wäre er bei einer Ansetzung, basierend auf der Turnierleistung, ein ganz heißer Finalkandidat – mindestens aber ein Halbfinale drin gewesen! So spielte aber mal wieder die Politik mit und da sich Slowenien als das Land von UEFA-Boss Ceferin vor einigen Jahren aufgrund einer vermeintlichen Fehlentscheidung von Cakir nicht für die EURO qualifizierte, durfte sich der Türke vom Turnier verabschieden.

Zum ersten Mal pfiff im Rahmen des Austauschprogrammen mit dem südamerikanischen CONMEBOL ein Argentinier bei der EM. Fernando Rapallini leitete drei Spiele und konnte durchweg überzeugen! Mit dem typisch südamerikanischen Stil strahlte er eine natürliche Präsenz aus, durch die er immer volle Akzeptanz hatte. Solche Gäste heißen wir immer gerne willkommen! Ob er aber in Zukunft weitere EM- und WM-Spiele bekommen wird, bleibt abzuwarten, da er hinter Nestor Pitana und Patricio Lostau nur die Nummer 3 in Argentinien ist.

Eine Überraschung des Turniers war der Russe Sergei Karasev. Seine Nominierung wurde vor dem Turnier zu Recht kritisch betrachtet, da sich in der vergangenen Europapokalsaison eine schlechte Leistung an die andere reihte. Allerdings war davon bei seinen drei Spielleitungen während dieser EM nichts mehr zu sehen! Besonders das hitzige Spiel zwischen Deutschland und Ungarn konnte auch ein vermeintlich höher angesehener Referee nicht besser leiten! Bleibt zu hoffen, dass er diese Form hält!

Nicht zuletzt war es für den zweiten deutschen Schiedsrichter Daniel Siebert ein sehr erfolgreiches Turnier. Viele rechneten damit, dass er aufgrund seiner derzeitigen Gruppierung in der Kategorie 1 für lediglich ein Spiel eingeplant war. Es folgten allerdings zwei weitere, souveräne Auftritte, darunter sogar ein Achtelfinale. Der Weg zur nächsten deutschen Nummer eins und damit der Nachfolge von Felix Brych dürfte in Stein gemeißelt sein!

Das insgesamt erfreulich geleitete Turnier hielt allerdings auch ein paar Ausreisser nach unten bereit: Der Niederländer Danny Makkelie brachte mit seinem Strafstoßpfiff im Halbfinale die Fußballwelt gegen sich auf. Schwer nachvollziehbare Strafstoßpfiffe wurden auch den Referees der Europa League, bzw. Champions League-Finals der vergangenen Saison, Clement Turpin und Antonio Mateu Lahoz zum Verhängnis, die dadurch bereits nach der Gruppenphase die Heimreise antreten durften. Wenig überzeugend trat auch der Italiener Daniele Orsato auf, der augenscheinlich mit der körperlichen Fitness zu kämpfen hatte.

Am Ende bleibt von dieser Europameisterschaft, dass das Spiel gerne auch weiterhin so großzügig geleitet werden darf. Außerdem schien sich die oft belächelte Man-Power im VAR-Raum bezahlt gemacht zu haben. Mit sehr kurzen Unterbrechungen konnte der VAR meist reibungslos angewendet werden. Ein Problem bleibt, dass man gegebene Strafstöße nicht ohne weiteres korrigieren kann, sobald der Kontakt und die Wahrnehmung eben da ist. Der Fußball möchte Schinderei ala Sterling nicht sehen, doch das derzeitige Regelwerk sieht noch keinen Ausweg.

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