DFB hält „Fall Dresden“ für falsch entschieden

DFB hält „Fall Dresden“ für falsch entschieden

14. Februar 2020 37 Von IG Schiedsrichter

Im Zuge des Zweitbundesligaspiels Darmstadt gegen Dresden (3:2) liegt uns nun die offizielle Einschätzung der DFB-Schiedsrichter-Kommission vor. Demnach war das Eingreifen des Video-Assistenten falsch und letztlich auch vom Schiedsrichter falsch entschieden.

Der Dresdner Nikolaou beeinträchtigte hier keinen seiner Gegner, da der Ball keine Bewegung in seine Richtung machte. Nachdem der Darmstädter danach den Ball spielte tritt eine neue Spielsituation auf, weshalb die erste Entscheidung des Gespanns auf dem Platz, nämlich das Tor anzuerkennen, die richtige gewesen wäre. Warum Schiedsrichter Michael Bacher nach betrachten der Bilder auf eine andere Entscheidung kam, ist unerklärlich.

Eine höchst diffizile Fehlentscheidung

Regeltext: „Wenn sich ein Spieler aus einer Abseitsstellung bewegt oder in einer Abseitsstellung befindet, im Laufweg eines Gegners befindet und die Bewegung des Gegners zum Ball beeinträchtigt, ist dies ein Abseitsvergehen, wenn es die Möglichkeit des Gegners den Ball zu spielen oder in einen Zweikampf um den Ball zu führen beeinflusst.

Klassischer Fall von Tatsachenentscheidung

Völlig unklar ist, wo der von Dynamo Dresden behauptete Regelverstoß bei der Aberkennung des Tores zum 3:3 wegen Abseits liegen soll. Hier hatte der Schiedsrichter den Treffer ursprünglich gegeben, jedoch nach dem Onfield-Review (OFR) die unzweifelhaft vorhandene Abseitsposition von Nikolaou als strafbar bewertet. Das ist eine Fehlentscheidung, jedoch kein Regelverstoß. Hier kommt kein Wiederholungsspiel in Betracht.

Auch der Einsatz des Video-Assistenten, begründet keine Spielwiederholung, denn im IFAB-Protokoll steht:

Ein Spiel ist nicht ungültig, aufgrund:

  • von Fehlfunktionen der VSA-Technik (wie auch bei der Torlinientechnik);
  • falsche Entscheidung, die den Video-Schiedsrichter-Assistenten betreffen (da der VSA ein Spieloffizieller ist);
  • der Entscheidung, einen Vorfall nicht zu prüfen, oder der Prüfung einer nicht prüfbaren Situation.

Was ist eine Tatsachenentscheidung?

Bei der Tatsachenentscheidung handelt es sich um einen Regelbestandteil um das Regelwerk von Sportarten praktisch anwenden zu können, ist es notwendig, dass Entscheidungen von Schiedsrichtern sofort wirksam werden, ohne dass jemand dagegen Einspruch erheben kann oder eine Entscheidung nachträglich in irgendeiner Form widerrufen wird. Dabei ist es unerheblich, ob der Schiedsrichter das Regelwerk korrekt angewendet hat. Der Begriff deutet damit nicht auf eine von niemandem bestrittene, unumstößliche Tatsache, sondern darauf, dass ein dazu Berechtigter etwas als eine Tatsache ansieht, die aber nicht unbedingt so geschehen sein muss.

Was ist der Zweck?

Diese Regelung dient dazu, einen kontinuierlichen Spielbetrieb aufrechtzuerhalten. Eine unterlegene Mannschaft könnte sonst irgendeine strittige Entscheidung des Schiedsrichters zum Annullieren des Spielergebnisses nutzen, indem sie bei einem Sportgericht Beschwerde einlegt.

Natürlich sind die Sportverbände daran interessiert, grobe Fehlurteile der Schiedsrichter zu vermeiden oder zu korrigieren, um keine Wettbewerbsverzerrung entstehen zu lassen. Im Fußball wurden schon Spieler nachträglich gesperrt, weil der Schiedsrichter deren Tätlichkeiten nicht geahndet hatte. Dabei ist aber zu beachten, dass dabei keine Schiedsrichterentscheidungen korrigiert werden, sondern nur Tätlichkeiten, die dem Schiedsrichter entgangen sind, verfolgt werden können. In sehr seltenen Ausnahmefällen kann aufgrund einer spielentscheidenden offensichtlichen Fehlentscheidung ein Wiederholungsspiel angesetzt werden, so beispielsweise bei Thomas Helmers Phantomtor 1994, als der Schiedsrichter auf Tor entschied, obwohl der Ball tatsächlich neben dem Tor hergegangen ist. Allerdings blieb dies eine Ausnahme,  später wurde in ähnlichen Situationen der benachteiligten Mannschaft kein Wiederholungsspiel zugesagt und die Tatsachenentscheidung des Schiedsrichters anerkannt, weil es nach dem Fall Helmer Ärger mit der FIFA gab.

Generell ist anzumerken, dass ein Tatsachenentscheid eines Schiedsrichters eine subjektive Interpretation ist, bei der der Schiedsrichter entscheidet, ob die Spielregeln übertreten worden sind oder nicht. Dieser Entscheid ist von den Vereinen nicht anfechtbar. Ein regeltechnischer Fehler des Schiedsrichters hingegen, wenn er nicht nach den Spielregeln handelt, ist anfechtbar. Er zieht im Normalfall ein Wiederholungsspiel nach sich.

Die derzeitige Entwicklung im Schiedsrichterwesen zeigt eine Tendenz zur Überprüfung von Tatsachenentscheidungen während des Spiels durch technische Methoden. Hierzu kommen das Hawk-Eye, die Torlinientechnik und der Videobeweis je nach Sportart zur Anwendung. Die Überprüfung der Entscheidung geht meist nicht vom Schiedsrichter aus, sondern z. B. wie im American Football durch eine vom Trainer beantragte so genannte „Coach’s Challenge“.

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