DFB-intern: Warum das Herunterziehen der Hand Ivan Perisic gerettet hat

DFB-intern: Warum das Herunterziehen der Hand Ivan Perisic gerettet hat

27. August 2019 1 Von Redaktionsmitglied
Bekommt Daniel Caligiuris Freistoß an den Arm: Ivan Perisic.

Zweimal reklamierte der FC Schalke beim 0:3 gegen Bayern Handelfmeter, zweimal schaute sich Schiedsrichter Marco Fritz die Szene nicht mal an. Nachdem sich alle Beteiligten zu den strittigen Situationen geäußert haben, haben wir nun die offizielle interne Begründung gegen die Elfmeterentscheidung des Handspiels von Ivan Perisic erfahren.

DFB: Perisic zieht beim Sprung in der Mauer die Hand hoch und merkte, dass diese da oben nichts zu suchen hat. Denn wenn ihn dort oben der Ball an der Hand trifft, wäre es ein klarer Strafstoß gewesen. Also zieht er die Hand runter und sobald man in der Luft ist, hat man seine Arme nicht mehr unter Kontrolle. Perisic beugte sich zwar auch noch leicht nach vorne, allerdings zieht er ebenfalls das Bein hoch, in dem Moment, wo er die Hand runterzog. Damit versucht er, das Nötigste zu retten und nicht in Gefahr zu laufen, dass seine Hand über der Schulter ist.

Vielleicht wäre in beiden Fällen als Überzeugungskraft für die Außenwirkung ein „On-Field-Review“ wahrscheinlich die beste Lösung gewesen. Da der Schiedsrichter in der Situation mit Perisic selbst eine sehr gute Sicht auf die Dinge hatte, war formal ein Eingriff nicht möglich.

Eine Platz-Entscheidung

Was viele immer noch nicht verstanden haben ist, dass Bastian Dankert als Videoassistent hier nicht eingreifen darf und Marco Fritz als Schiedsrichter auch nicht sagen kann, er will sich die Szene gerne nochmal anschauen. Das geht nämlich erst, wenn der Videoassistent sagt, er hätte hier komplett anders entschieden (siehe Berlin – Wolfsburg 1. Minute). Da das hier nicht der Fall ist, ist ein Weg in Richtung Review Area unmöglich.

Es bringt auch nichts, wenn ganz Fußballdeutschland alles schlecht redet. Es wird von keinem irgendeine Analyse oder Meinung akzeptiert, welche gegen den Elfer spricht. Der Videobeweis wird von (fast) allen schlecht geredet. Dass das Fakten sind, will wohl einfach nur keiner verstehen. Man muss einfach mal selbst hochspringen und dann versuchen, wenn ein Ball mit 80 km/h aus 9,15 Meter auf dich zu kommt, die Hand nicht unter Kontrolle zu bringen. Solange keiner in Maradonna-Manier agiert, kann man Perisic hier fast nichts vorwerfen.

Dass das bis zu dem Bereich, wo es keinen Video-Assistent gibt, schwer zu lösen ist, ist klar. Deshalb sagt kein Mensch etwas, wenn man hier unterhalb der 2. Bundesliga da auf Strafstoß entscheidet.

Im Bereich Handspiel wird es nie, die eine klare Auslegung geben, denn das geht gar nicht, weil es Menschen sind. Handspiel ist keine Schwarz-Weiß-Situation, es wird immer Grau bleiben und diesen Interpretationsspielraum geben und da versucht man, die Sichtweisen abzugleichen und die beste Lösung zu finden. Perisic ist hier zu gute zu halten, dass er die Hand runterzieht und nicht oben lässt. Genau das ist der Spielraum, der in Richtung weiterspielen tendiert.

Wir Schiedsrichter agieren oft spielabhängig. Wir stehen nicht mehr mit dem Regelbuch auf dem Platz. Es wird immer mehr dem Spiel entsprechend gepfiffen, jedoch immer noch im Rahmen des erlaubten. Und genau so machen es Fritz und Dankert hier auch (aufs Handspiel bezogen).

Das spricht für einen Strafstoß:

• Arm angespannt;
• Entfernung zwischen Ball und Arm ist mit 9,15m relativ groß.

Das spricht gegen einen Strafstoß:

• Keine Absicht;
• Arm geht nicht zum Ball;
• Arm unter der Schulter;
• Keine große Vergrößerung der Körperfläche.

Das sind zwei extreme Situationen. Die obige Aufstellung sagt, dass es eine 50/50- Entscheidung ist und diese Situationen wird es immer wieder geben, da hilft kein VAR und auch kein Regelbuch. Grundsätzlich bin ich zur Zeit aber der Ansicht, leichter zu verkaufen sind die Situationen wenn du pfeifst, da sagt das Fußballpublikum: Klar, so wie der den Ball mit der Hand berührt soll es kein Elfmeter sein? Und man erspart sich alle Argumente. Leider….

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