Die CL-Analyse vom Dienstag: Der VAR im Mittelpunkt

Die CL-Analyse vom Dienstag: Der VAR im Mittelpunkt

29. September 2021 1 Von IG Schiedsrichter

Mit einigen Nickligkeiten ging es nach der Pause weiter, doch der BVB verteidigte seine Führung und brachte diese auch schließlich ins Ziel.

Neben zwei ausführlichen Berichten zum Topspiel zwischen PSG und Manchester City, sowie dem Spiel von Borussia Dortmund geht es in unserer Analyse um zwei hoch umstrittene VAR-Entscheidungen und einen türkischen Referee, der sich in Mailand keine Freunde machte.

Borussia Dortmund 1:0 Sporting Lissabon (SR: Srdjan Jovanovic)

Borussia Dortmund startete sein zweites Gruppenspiel gegen Sporting Lissabon recht überlegen, kam aber lange nicht zwingend vor das Tor der Gäste. Der BVB wurde durch Donyell Malen zum ersten Mal gefährlich. Allerdings stand zum einen der Pfosten und zum anderen die erhobene Fahne von Assistent Uros Stojkovic im Weg. Auch das Tor von Marco Reus war wenig später aufgrund einer Abseitsposition irregulär. Erneut lag Stojkovic, der viele knappe Abseitspositionen zu bewerten hatte, richtig. Nach einigen Minuten Leerlauf traf Dortmund dann durch Donyell Malen zum 1:0. Vor der Pause musste Schiedsrichter Srdjan Jovanovic nochmal dingreifen, als Jude Bellingham Pedro Porro mit einer unnötigen Grätsche von hinten zu Fall brachte. Hierfür sah er zu Recht die gelbe Karte. Das gleiche Schicksal ereilte auch Mattheus Nunes, der sich beim serbischen Referee zu energisch beschwerte.

Assistent Milan Mihajlovic stand seinen Kollegen auf der anderen Seite in Nichts nach und signalisierte auch beim zweiten Tor von Marco Reus eine Abseitsposition. Korrekte Entscheidung! Die Portugiesen schienen, nach der Pause etwas mehr Emotionen ins Spiel bringen zu wollen. Schiedsrichter Jovanovic ließ sich allerdings nicht aus der Ruhe bringen. Die nächste gelbe Karte holte sich Mats Hummels ab, nachdem er Nunes kompromisslos abräumte.
Dann war der Ball wieder im Tor, allerdings hob Assistent Mihajlovic auch beim Kopfballtreffer von Malen die Fahne. Korrekte Entscheidung! Eine Vorteilssituation im Mittelfeld bewahrte Nunes dann vor der gelb-roten Karte, nachdem er Bellingham beim Konter kurz an der Schulter hielt. Nachdem das Spiel mit dem Vorteil weiterlief, kann das taktische Foulspiel nicht mehr bestraft werden und der Portugiese konnte auf dem Feld verbleiben. Kurz vor Schluss ließ Luis Neto im Mittelkreis das Bein stehen und traf Bellingham als der Ball bereits weg war an der Ferse. Jovanovic zog nach einer langen Vorteilssituation die berechtigte Verwarnung nach. Wenig später war es dann auch vollbracht und der BVB gewann mit 1:0.

Fazit: Schiedsrichter Srdjan Jovanovic hatte die Partie gut im Griff und leistete sich mit seinem Team nur kleinere Schwächen bei Entscheidungen bzgl. Abstoß/Eckstoß.

Paris St. Germain 2:0 Manchester City (SR: Carlos del Cerro Grande)

Die ersten Minuten waren geprägt von starken Druck von Paris. Genau dieser Druck wurde dann nach 8 Minuten belohnt. Über Rechts spielten sich die Franzosen in den Strafraum. Neymar bekam den Ball angespielt, schlug ein Luftloch, doch die Gefahr lebte noch. Gueye, dem in letzter Zeit alles gelang nahm den Ball an sich und jagte das Leder mit voller Gewalt rechts oben ins Tor.

Carlos del Cerro Grande machte es die ersten Minuten super und ließ das Spiel gut laufen. Der erste kleine Fehler unterlief ihm dann, als Marco Verrati Jack Grealish links außen sehr stark bearbeitet und letztendlich auf zu Fall brachte. Das war dann doch deutlich zu viel und hätte zwingend geahndet werden müssen.

Die erste Verwarnung gab es dann nach 23 Minuten für João Cancelo. Mbappe ist im Mittelfeld frei durch und wurde dann durch ein taktisches Foul gestoppt.

Dann wollte City plötzlich Elfmeter. Und den hätte es auch geben müssen.

Nach einer Ecke wurde Ruben Dias von Kimpembe über mehrere Sekunden umklammert und zu Boden gezerrt. Del Cerro Grande ließ weiterspielen und hat da wohl eine komplett andere Wahrnehmung drauf gehabt. Hier wäre ein Review zwingend notwendig gewesen, da die Sicht für den spanischen Referee komplett verdeckt war. Was es für VAR dann schwer macht ist, wenn Del Cerro Grande die Szene als nicht strafwürdig eingestuft hatte. Zwar ist das fast unmöglich aus seiner Sicht, jedoch fast die einzige Möglichkeit, hier keinen Eingriff des VAR zu bekommen.

Dann wurde es erneut hektisch. Im Mittelfeld kam Kevin de Bruyne gegen den Torschützen Gueye viel zu spät. Ganz leicht berührt de Bruyne da zwar den Ball trat dann aber anschließend seinem Gegner den Knöchel komplett durch. De Bruyne zog komplett durch, ging mit gestreckten Bein und offener Sohle voll drauf. Del Cerro Grande zückte direkt die gelbe Karte. Der VAR beließ es ebenfalls dabei. Leider ist es so, dass aufgrund des leichten Kontakt am Ball eine Rote Karte fast ausgeschlossen wird. Der Kontakt wird dann nicht mehr so bestraft so wie er stattfand. Da wird zu viel durchdacht bei einer solchen Szene u.a. ist das Fußverhalten nicht mehr so wie ohne Ballkontakt. Das ist die Wahrnehmung die der Schiedsrichter auf dem Platz hatte und somit denn VAR keine Möglichkeit gibt einzugreifen. Trotz alle dem hätte es hier den Platzverweis geben müssen.

In Halbzeit zwei passierte bis Minute 74 rein gar nichts. Doch dann kam der große Moment von Lionel Messi. Über rechst nahm Messi fahrt auf und spielte dann einen schönen Doppelpass mit Mbappe. Den Ball nahm Messi dann direkt und erzielte mit seinem starken linken Fuß ein Traumtor. Der Ball flog maßgenau oben rechts ein zum 2:0 für Paris.

Fazit: Carlos del Cerro Grande hat an Sicht recht wenig zu tun. Doch zwei mal war er gefordert und beide Male lag er daneben. Zuerst hätte es zwingend Elfmeter für Manchester City geben müssen, wenig später dann den Platzverweis für Kevin de Bruyne. Beide Male hielt sich der VAR zurück, was dann gerade bei der Szene von de Bruyne mit sehr viel Wohlwollen noch in einem weitem Rahmen vertretbar war. Dafür spricht der Ballkontakt des Belgier.

RB Leipzig 1:2 Club Brügge (SR: Slavko Vincic)

Christopher Nkunuku spielte den Ball an Torhüter Simon Mignolet vorbei in Richtung Tor. Kurz darauf kollidierten beide Spieler und Leipzig forderte einen Strafstoß. Schiedsrichter Slavko Vincic pfiff allerdings nicht und auch VAR Paolo Valeri hatte nach kurzer Prüfung nichts entgegenzusetzen. Wenn der Unparteiische das Spielen des Balles von Nkunku als Abschlussaktion wertete, kann man hier auch nicht das hundertprozentige Gegenteil beweisen. Ein Foulpfiff wäre aber wohl genauso wenig falsch gewesen. Knifflige Situation und Pech für Leipzig. [TV-Bilder]

AC Mailand 1:2 Atletico Madrid (SR: Cüneyt Cakir)

Cüneyt Cakir zeigt Mailands Kessié Gelb/Rot [Foto: Screen DAZN]

Franck Kessie ging in den Zweikampf mit Marcos Llorente und striff den Madrilenen nachdem der Ball weg war am Fuß. Schiedsrichter Cüneyt Cakir zeigte hierfür die gelbe Karte, was für den bereits verwarnten Mailänder den vorzeitigen Feierabend bedeutete. Eine zu harte Entscheidung, denn das war kein klassisches „Stempeln“, also ein Tritt auf den Fuß. Eine deutliche Ansage wäre noch absolut angemessen gewesen, denn hier lag für ein rücksichtsloses Foulspiel eindeutig zu wenig vor. [TV-Bilder]

Pierre Kalulu spielte den Ball im eigenen Strafraum eindeutig mit dem Arm, was einen Strafstoßpfiff für Madrid zur Folge hatte. Allerdings meldete sich VAR Abdulkadir Bitigen, der feststellte, dass Atletico’s Thomas Lemar den Ball zuvor ebenfalls mit dem Arm berührte. Nach Videostudium blieb die Entscheidung aber bestehen, da das strikt strafbare Offensivhandspiel nur noch beim Torerfolg geahndet wird. So wurde das Handspiel von Lemar nicht als klar strafbar eingestuft, was auch nachvollziehbar ist. [TV-Bilder]

Real Madrid 1:2 Sheriff Tiraspol (SR: Lawrence Visser)

Vinicius Junior versuchte im Strafraum von Tiraspol „mit dem Kopf durch die Wand“ zum Erfolg zu kommen und ging ins Duell mit zwei Gegenspieler. Dabei kam es natürlich zum Kontakt mit Edmund Addo, was den belgischen Referee Lawrence Visser allerdings nicht zum Pfiff veranlasste. Allerdings meldete sich VAR Clement Turpin und bat Visser vor den Monitor. Überraschenderweise gab es dann Strafstoß für Madrid!

Der Eingriff des Videoassistenten war aus unserer Sicht hier absolut nicht angebracht, da Visser gut stand und signalisierte, dass es sich nicht um ein Foulspiel handelte. Zudem konnte man doch recht gut erkennen, dass Vinicius nur ein Ziel hatte und das war der Strafstoß. [TV-Bilder]

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