Die Schweiz gewinnt sensationell gegen Top-Favoriten und Weltmeister Frankreich!

Die Schweiz gewinnt sensationell gegen Top-Favoriten und Weltmeister Frankreich!

29. Juni 2021 0 Von Felix Stark

In einem hochemotionalen EM-Achtelfinale kann sich die Schweiz mit 5:4 nach Elfmeterschießen gegen Frankreich durchsetzen. Die ersten 9 Schütze trafen alle, bevor Kylian Mbappe den entscheidenden 10. Elfmeter verschoss. In der regulären Spielzeit führten die Schweizer zur Pause mit 1:0, bevor sie in der 2. Hälfte erst einen Elfmeter verschossen und dann drei Gegentore bekamen. Doch kurz vor Schluss gelang die Aufholjagd durch die Treffer von Seferovic (81.) und Gavranovic (90.).

Der Schiedsrichter der Partie war der Argentinier Fernando Rapallini. Ihm assistierten Juan Pablo Belatti und Diego Yamil Bonfa. Vierter Offizieller war der Pole Bartosz Frankowski. Als Ersatz-Schiedsrichterassistent fungierte der Pole Marcin Boniek. Im VAC in Nyon wurde der argentinische Schiedsrichter von 3 Spaniern und einem Italiener unterstützt. Chef-VAR war Juan Martínez Munera. Ihm assistierten Alejandro Hernandez Hernandez und Inigo Prieto Cerain. Als VA-A3 wurde noch der Italiner Massimiliano Irrati eingeteilt.

Ursprünglich sah es nach einem klassischen Duell von David gegen Goliath aus, als die Schweiz als Herausforderer gegen Weltmeister Frankreich antrat. Doch wie schon in weiten Teilen des Turniers wirkte das französische Spiel bieder und ermöglichte den Eidgenossen Nadelstiche: Bei einem solchen brachte Steven Zuber eine Flanke punktgenau herein, wo Haris Seferovic zum Kopfball ging, sich gegen Clement Lenglet wuchtig durchsetzte und einnickte.

Den wuchtigen Körpereinsatz des Schweizers ließ Schiedsrichter Fernando Rapallini zu Recht laufen.
Der Stil des argentinischen Unparteiischen war geprägt durch kraftvolle Bewegung, durch die er viel Präsenz ausstrahlte. Mitunter hatte er aber bei schnellen Wechseln Probleme, da er dabei immer eine Drehung weg vom Ball einbaute. So pfiff er dann ein vermeintliches Handspiel in seinem Rücken, obwohl Remo Freuler den Ball mit dem Bauch berührte. Die erste gelbe Karte sah Raphael Varane, nachdem er den Sturmlauf von Zuber auf dem linken Flügel rabiat stoppte. Recht ordentlich lange auch Nico Elvedi gegen Antoine Griezman und wurde ebenfalls mit dem gelben Karton bedacht.

Kurz nach der Pause kam es zu einer Schlüsselszene des Spiels. Benjamin Pavard rutschte im eigenen Strafraum am Ball vorbei und erwischte Steven Zuber genau auf der Strafraumlinie am Fuß. Rapallini stand nicht gut zum Zweikampf und ließ das Spiel zunächst weiterlaufen. VAR Juan Martinez Munuera griff aber schnell ein und schickte den Referee zum Bildschirm. Dort ging es, wie fast immer bei dieser EM, sehr schnell und es gab zu Recht den Strafstoß für die Schweiz.

Manuel Gräfe zu der Elfmeter Situation für die Schweiz:

„Die Frage die sich hier stellt ist, war das Foul auf der Linie oder außerhalb? Das schaut sich der Schiedsrichter Rapallini an. Pavard grätscht nur den Gegner um und spielt nicht den Ball, somit ein klarer Strafstoß“.

Allerdings verschoss Ricardo Rodrigues und dieser Fehlschuss schien den Schalter beim Weltmeister umzulegen.
Der von Coach Didier Deschamps lange verschmähte Karim Benzema drehte den Spielstand innerhalb weniger Minuten auf 2:1. Rodrigues, der gerade noch vom Punkt vergab, trat in der nächsten Situation von hinten gegen Griezman zu und erhielt die berechtigte gelbe Karte. Auch Pavard langte gegen Breel Embolo taktisch hin, Rapallini erkannte aber den sehr vielversprechenden Vorteil. Korrekt auch, daraufhin keine Verwarnung für den Franzosen zu verhängen.

Die vermeintliche Vorentscheidung besorgte dann Paul Pogba: Mit bekannter Stärke aus der Distanz versuchte er es einfach mal und hämmerte den Ball perfekt in den Winkel. Wenig später zeigte Rapallini eine weitere Verwarnung. Dabei traf es Granit Xhaka, der offenbar meckerte. Diese Szene wurde nicht gezeigt, sie passte aber zum typischen Spiel des Schweizers. Zu dieser Zeit waren die Eidgenossen beinahe abgeschrieben. Sie kamen aber doch nochmal vors Tor, wo der eingewechselte Kevin Mbabu für Seferovic auflegte, der souverän zum 3:2 einköpfte.

Mario Gavranovic traf kurz darauf gar zum vermeintlichen Ausgleich, jedoch schnellte die Fahne von Assistent Juan Pablo Belotti in die Höhe. Die Abseitsentscheidung war absolut korrekt und sehr gut erkannt!

Auch Kingsley Coman wurde kurz vor Schluss noch mit der Verwarnung bedacht, da er seinen Gegner mit dem Ellenbogen im Gesicht erwischte. Der Referee blieb damit sehr konsequent und arbeitete damit die möglichen gelben Karten konsequent ab, blieb dabei aber nicht bei der Linie, Karten möglichst zu vermeiden. Ohne Zweifel fuhr er damit aber sehr gut! Der große Willen der Schweizer wurde in der letzten Minute gar noch belohnt, als sich Gavranovic, dessen erster Versuch noch nicht zählte, durchtankte und tatsächlich zum 3:3 einschob.
Kingsley Coman hätte dem Spiel allerdings fast noch die Krone auf gesetzt, traf aber nur die Latte. So ging es in die Verlängerung!

Dort holte sich Pavard nach einem Foulspiel gegen Admir Mehmedi gleich mal die nächste gelbe Karte. Hier war die Summe entscheidend, da sich der Abwehrspieler schon eine Menge Foulspiele leistete. Sportlich machte Pavard dann aber auch auf sich aufmerksam und scheiterte bei seiner Großchance am stark reagierenden Yann Sommer.
Etwas gefährlich lebte der bereits verwarnte Xhaka: Er rutschte von vorne in Richtung Presnel Kimpembe, berührte den Ball und traf aber dann auch viel Gegner. Das Spiel lief mit Vorteil weiter und Rapallini tat auch gut daran, es dabei zu belassen. Viel Spielraum sollte das schweizer Raubein aber nicht mehr haben!
Auf den Notizblock des argentinischen Referees wanderte dann aber noch Manuel Akanji, der gegen Pogba taktisch zulangte.

Spieler des Spiels: Yann Sommer

Beim Unentschieden blieb es dann und es ging tatsächlich ins Elfmeterschießen. Dort sollte ausgerechnet Superstar Kilian Mbappe verschießen. Den Elfmeter hielt Gladbachs Yann Sommer glänzend. Damit war die Sensation perfekt und die Schweiz steht im Viertelfinale!

Fazit: Schiedsrichter Fernando Rapallini passte sich dem starken Niveau des Duells nahtlos an! Der Argentinier gefiel mit enormer Souveränität und Körpersprache. Sein Gefühl für die persönlichen Strafen war durchweg stimmig und damit genoss der Referee große Akzeptanz. Das Foulspiel zum Strafstoß hätte gegebenenfalls in Echtzeit erkannt werden können, das Zusammenspiel mit dem VAR funktionierte aber schnell und einwandfrei. Ein kleiner Kritikpunkt ist außerdem sein Stellungsspiel mit den Richtungswechseln, bei denen er seinen Blick vom Ball abwendete. Insgesamt ist ein solcher Gastreferee aber immer äußerst willkommen! Ein Halbfinale sollte für den Südamerikaner drin sein.

Eine Szene die Manuel Gräfe noch ansprach wurde leider durch die internationale Regie der UEFA nicht weiter gezeigt. Dabei ging es um einen möglichen Strafstoß.

„Nach einer Schweizer Ecke wurde Fabian Schär im Strafraum gehalten. Das hätte man definitiv pfeifen können, vielleicht sogar müssen. Jedoch am Ende nicht klar genug für eine großzügige Leine“.

Herzlichen Glückwunsch an die Schweiz zum Einzug ins EM-Viertelfinale. Gegner ist dann Spanien.

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