DISKUSSION MIT KRUG, MERK & LIENEN ZUM VIDEOBEWEIS

DISKUSSION MIT KRUG, MERK & LIENEN ZUM VIDEOBEWEIS

22. August 2017 0 Von Reiner Kuhn

Am Montagabend ging es bei der TV-Sendung „Sky 90″ um das Thema ,,Videobeweis“. Zu Gast waren keine geringeren als Sky Schiedsrichter-Experte Dr. Markus Merk, Ex-Schiedsrichter und DFB/DFL-Chefinstruktor Hellmut Krug, Bild-Schiedsrichter-Experte Christian Kitsch und der Technische Direktor vom FC St. Pauli Ewald Lienen.

Gleich zu Beginn wurde das Thema eröffnet mit dem exzellenten Beginn am Freitagabend, als Schiedsrichter Tobias Stieler nach Rücksprache mit Video- Schiedsrichter Dr. Jochen Drees zurecht auf Strafstoß für den FC Bayern München entschied.

Hellmut Krug lobte den Einstand am Freitag sehr, war aber auch sehr enttäuscht, wie der Videobeweis am Samstag funktionierte. Beim 2:0 für Borussia Dortmund durch Marc Bartra wurde ebenfalls der Videobeweis zu Hilfe genommen, ob Bartra nicht im Abseits stand. Am Ende zählte der Treffer, doch die kalibrierte Linie wurde wie schon beim Supercup nicht im TV gezeigt. Außerdem gab es auch technische Störungen. Hellmut Krug: ,,Die Technik ist das aller wichtigste beim Videobeweis. Das muss einfach funktionieren. […] daran muss noch mächtig gearbeitet werden und daran wird auch gearbeitet.“

Gerade im Netz wurde schon von Wettbewerbsverzerrung gesprochen. Doch Krug beteuerte, dass Fehler der Art passieren können, allerdings nicht vorkommen sollten. Das waren lediglich technische Störungen.

Bild-Schiedsrichter-Experte Christian Kitsch ist noch nicht davon überzeugt. Für ihn ist das ganze noch viel zu schwammig. Beispielsweise beim Bundesligaspiel zwischen dem HSV und dem FC Augsburg hätte der Schiedsrichter seiner Meinung nach auf Elfmeter entscheiden sollen. Warum greift da der Video Schiedsrichter nicht ein. Hellmut Krug antwortete darauf: ,,Bei genau solchen 50/50 Elfmeter greift der Video Schiedsrichter nicht ein, da da jeder Schiedsrichter anders entscheidet. Und genau dann kann und wird keiner eingreifen.“

Markus Merk bestätigte diese Aussage. Für ihn ist es eher Elfmeter als keiner, aber auch kein 100%.iger Strafstoß. Deshalb ist es genau richtig, dass der Video-Schiedsrichter nur bei klaren Vergehen wie in München eingreift.

Ewald Lienen: ,,Die Schiedsrichter sind so sehr in der Entwicklung, dass man auch sagen kann, der Videobeweis ist ebenfalls in der Entwicklung. […] Bsp. Schwalbe Timo Werner, genau bei sowas muss der Video Schiedsrichter eingreifen. Für so eine Schwalbe hätte ich meinen Spieler nach Timbuktu geschickt.“

Der sehr kritische Bild-Reporter Christian Kitsch meinte, dass es zu viel ist, wenn wie am Samstag alle Spiele mit dem Videobeweis bestückt werden. Das ganze hätte früher getestet werden müssen. Hellmut Krug antwortete prompt, dass dies vorher bei vier Spielen gleichzeitig getestet wurde. Doch für Kitsch ist das nicht genug. Es hätte mit sechs Spielen gemacht werden müssen. Damit alles so ist wie in Echtzeit abläuft. Sein Vorschlag ist es den Anbieter zu wechseln.

Da konnten alle 3 anderen Gäste nur rauf beneinen. Und weil jetzt die Technik mal scheiterte können wir nicht gleich den Anbieter wechseln. Markus Merk meinte: ,,Sollte der Videobeweis drei mal scheitern, sollte das Experiment beendet werden und es müssen die Schiedsrichter einfach gute Leistungen bringen.“

Relegation 2015 – KSC – HSV: Dieses Handspiel pfiff Manuel Gräfe in Minute 88. Der darauf folgende Freistoß rettete dem HSV den Abstieg.

Auch zu der Szene wurde diskutiert, ob da der Videobeweis helfen hätte können. Merk meinte, dass dies kein eindeutiger Fehler war und auch da der Videobeweis nicht zu 100% hätte helfen können. Auch Krug meinte, dass dies wieder ein Grenzfall zwischen eindeutig oder kann liegt. Deshalb kein Fall für den Videobeweis.

Mit harten Worten weist Hellmut Krug die Kritik von Schiedsrichter Manuel Gräfe zurück. Der hatte auch Krug Mauscheleien vorgeworfen.

Hellmut Krug hat die Kritik von Schiedsrichter Manuel Gräfe an der Auswahl und Bewertung der Unparteiischen zurückgewiesen und zum verbalen Gegenschlag ausgeholt.„Das hat uns alle sehr irritiert, vor allem was den Zeitpunkt und die Inhalte betrifft“, sagte der Schiedsrichter-Berater der DFL bei Sky 90. Gräfes Vorwürfe seien nicht nachvollziehbar, so Krug. „Es ist nicht akzeptabel und unverzeihlich, dass ein aktiver Kollege einen anderen aktiven Kollegen attackiert, diffamiert und diskreditiert“, fuhr Krug fort.

Damit bezog er sich auf Gräfes Aussage, der im Tagesspiegel Felix Zwayer scharf attackierte. „Wie kann so jemand bis in die Spitze der deutschen Top-Schiedsrichter kommen? Kann es vielleicht sein, dass (Herbert) Fandel und Krug dort einen Mann haben wollten, der ihnen zu bedingungsloser Loyalität verpflichtet war?“

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