Eine höchst diffizile Fehlentscheidung

Eine höchst diffizile Fehlentscheidung

8. Februar 2020 39 Von IG Schiedsrichter

Viele Fragen erreichten uns zum nicht gegebenen 3:3-Ausgleich beim Zweitligaspiel Dynamo Dresden gegen den SV Darmstadt.

Was war passiert?

Dresden bejubelte zunächst den vermeintlichen Ausgleichstreffer, doch nach VAR-Überprüfung nahm der Unparteiische Patrick Schmidts erfolgreichen Treffer zurück. Der Leihspieler aus Heidenheim hat nach Honsaks unfreiwilliger Vorarbeit aus sechs Metern in die flache Ecke versenkt, doch Nikolaou, der einen Verteidiger behindert hatte, stand in der Entstehung vermeintlich im Abseits.

Das ist eine ganz schwierige Entscheidung, bei der es in beide Richtungen Argumente gibt. Ich persönlich sehe das auch sehr kritisch:

Bei dem Freistoß ist Nikolaou im Abseits, kommt aber nicht an den Ball. Hier ist die entscheidende Frage: Beeinträchtigt Honsak, indem er dessen Sicht versperrt, mit ihm einen Zweikampf um den Ball führt, den Ball in seiner Nähe zu spielen versucht oder eindeutig aktiv wird und so Honsaks Möglichkeit beeinflusst, den Ball zu spielen.

FIFA-Abseits-Regel 11

Lediglich der letzte Punkt kommt hier gemäß Abseits-Regel 11 in Betracht, und der Schiedsrichter hat diese Frage nach dem On-Field-Review (OFR) bejaht. Allerdings flog der Ball über beide Spieler hinweg, zum Kopfballduell kam es einige Meter weiter, und da ist auch keine Ballorientierung von Honsak. Hier können wir keine Beeinträchtigung erkennen und daher hätte der Treffer zum 3:3-Ausgleich für Dresden zählen müssen.

Überhaupt sehe ich den eigentlichen Eingriff und den On-Field-Review als falsch an, denn eigentlich sollen die Unparteiischen bei Abseitssituationen nicht raus gehen. Das sollen sie nur, wenn der Torhüter in der Sicht behindert wurde. Alles andere muss der Video-Assistent mit kalibrierter Linie selbst entscheiden.

Eine weitere Situation erhitzte die Gemüter bei den Anhängern der SG Dynamo Dresden.

War das Rot für Simon Makienok?

Dresdens Debütant Makienok kassierte eine glatte Rote Karte! Der Däne setzte im gegnerischen Sechzehner brutal gegen Torhüter Schuhen nach, der die Kugel schon unter Kontrolle hatte. Schiedsrichter Bacher traf die vertretbare Entscheidung und schickt den Ex-Utrechter vom Feld.

Gelb wäre die aber auch noch im Bereich des Möglichen gewesen: Rot kann man geben, Gelb wäre aber auch noch okay. Er will zum Ball. Das ist nicht sonderlich brutal. Wenn so ein Einsteigen gegen den Torhüter passiert, sieht so etwas immer heftig aus. Das ist auch viel Unglück und Pech dabei, aber wer den Ball nicht spielt, trägt das Risiko. Insofern ist hier Rot durchaus möglich.

 

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