Ex-Schiedsrichter Gräfe mit Rundumschlag gegen den DFB – Klage gegen Altersgrenze geplant

Ex-Schiedsrichter Gräfe mit Rundumschlag gegen den DFB – Klage gegen Altersgrenze geplant

1. Juli 2021 5 Von IG Schiedsrichter

Manuel Gräfe teilt aus. In einem Interview mit dem „Zeit Magazin“ erhebt der ehemalige Bundesliga-Schiedsrichter scharfe Vorwürfe gegen den DFB. Gegen die Altersgrenze, die ihn zum Ruhestand zwingt, will er rechtlich vorgehen.

Wegen der Altersgrenze des DFB musste Schiedsrichter Manuel Gräfe mit 47 Jahren nach der vergangenen Saison aufhören. Dass Gräfe kein Freund dieser Richtlinie ist, war schon länger bekannt. Nun hat er aber erneut scharfe Kritik am Verband geübt. „Was der DFB macht, sieht nach Altersdiskriminierung aus„. Wie sagte Otto Rehhagel: Es gibt nicht junge und alte Spieler, sondern gute und schlechte. Beim DFB geht es jedoch zu wenig nach Leistung“, sagte er in einem Interview mit dem Zeit Magazin„Ich hätte gerne weitergemacht. Meinen Füßen, Knien und der Hüfte geht es gut. Aber der DFB pocht auf eine uralte Richtlinie“, so Gräfe.

Der bei Fans wie bei Spielern beliebte Referee will gegen das auferzwungene Aus nun rechtlich vorgehen: „Ich verklage den DFB wegen Altersdiskriminierung“, kündigte er an und erklärte: „Der DFB nimmt mir das, was mir Freude macht. Natürlich gibt es auch finanzielle Verluste, ich werde versuchen, wenigstens diese geltend zu machen.“ Beim Verband sieht der ZDF-Experte indes eine Doppelmoral: „Der DFB behauptet, sich gegen Rassismus, Diskriminierung und für Diversität einzusetzen. Die Altersregel steht dem entgegen.“

„Leider ändern in diesem Verband Argumente nichts, sondern nur die Steuerfahndung oder Richter“

In anderen Ligen ist die Altersgrenze schon länger Geschichte, in der Premier League gibt es mit Martin Atkinson und Andre Marriner etwa zwei Schiedsrichter, die sogar älter als 50 Jahre sind. Gräfe versteht die Entscheidung des DFB gerade in seinem konkreten Fall nicht. Er glaubt, dass man auch wegen seiner konfrontativen Haltung gegenüber dem Verband keine Ausnahme geschaffen oder die Regel sogar ganz abgeschafft hat: „Jetzt hat der DFB mal einen guten – ich hoffe, ich darf das so sagen – und beliebten Schiri, und dann sortiert er ihn aus, offenbar nur weil er nicht zu allem Ja und Amen sagt„, glaubt er und erlaubt sich einen Seitenhieb: „Leider ändern in diesem Verband Argumente nichts, sondern nur die Steuerfahndung oder Richter.“

Ohnehin vermisst Gräfe beim Verband einen moralischen Kompass. Er erinnert etwa an Felix Zwayer, der immerhin Champions League pfeift. Im Rahmen der Affäre um die Spielverschiebung durch Robert Hoyzer 2005 nahm auch Zwayer von Hoyzer einen geringen Geldbetrag an und meldete die Manipulationen zunächst nicht. Gräfe versteht nicht, wie Zwayer immer noch im Einsatz ist: „Da sind wir wieder beim DFB. Der befördert Zwayer auch noch, trotz durchschnittlicher Leistungen„, sagt er. Auch Reformbestrebungen würden unterdrückt, schimpft Gräfe: „Für mich sieht es so aus, als ob die Führungsriege des DFB diejenigen abstößt, die etwas ändern wollen.“

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