Gelebte Emotionaltät oder schon Unsportlichkeit – Wo ist die Grenze?

Gelebte Emotionaltät oder schon Unsportlichkeit – Wo ist die Grenze?

5. Januar 2021 0 Von IG Schiedsrichter

Naturgemäß fallen Entscheidungen für den einen und gegen den anderen. Da kann dann schon mal das ein oder andere harte Wort fallen, der Sport lebt ja schließlich von der Emotionalität. Die Grenze ist allerdings in jedem Falle das respektvolle Miteinander, bei dessen Missachtung der Unparteiische einschreiten muss. Doch wann ist einzuschreiten und vor allem wann ist welche Sanktion zu wählen? Wir haben uns drei Situationen vom vergangenen Wochenende genauer angesehen.

Von: Felix Stark (red/fs)

Mit dem klassischen Fall, wann eine gelbe Karte nach Reklamationen definitiv notwendig ist, hatte es Daniel Siebert beim Spiel zwischen Erzgebirge Aue und Eintracht Braunschweig zu tun. Der Aue-Spieler Clemens Fandrich, legte eine große Distanz zurück, um bei Siebert lautstark und fortgesetzt seine Meinung kundzutun. Das hat dann nichts mehr mit gelebter Emotionalität zu tun, sondern nur noch mit unsportlicher Pöbelei. Wer einen langen Weg zurücklegt und nichts anderes im Sinn hat, als den Schiedsrichter anzuschreien, muss mit einer gelben Karte rechnen!

Äußerst grenzwertig war der emotionale Ausfall des Wolfsburgers Wout Weghorst im Spiel bei Borussia Dortmund. Nachdem Schiedsrichter Manuel Gräfe ein klares Foulspiel des Torjägers ahndete, brach es aus diesem heraus und er schimpfte in ziemlicher Lautstärke und Ausdauer vor sich hin. Gräfe ließ ihn allerdings gewähren und folgte dem Spiel. Zum einen lag es hier sicher an der Art der Spielleitung, die Manuel Gräfe auszeichnet, dass Weghorst hier straffrei davonkam. Der Umgang mit Reklamationen, die nicht auf den ersten Blick als unsportlich einzustufen sind, soll auch dem Referee vorbehalten sein. Zum anderen bewegte sich Weghorst hier auf einem schmalen Grad, der unter Schiedsrichter schon mal Diskussionen möglich macht.

War das noch okay oder war es schon zu viel?

Sicher birgt das aber vor allem für jüngere Schiedsrichter die Gefahr, dass sich solch emotionale Ausfälle wiederholen und der Respekt vor dem Referee abnimmt. Was allerdings auch hier sicher geholfen hätte, wäre der gesunde Mittelweg, nämlich das Gespräch mit Weghorst gewesen.

Auch beim Spiel des FC Bayern, der gegen den FSV Mainz 05 zwischenzeitlich zurücklag, wurde deutlicher bei Schiedsrichter Markus Schmidt vorgesprochen. Jonathan Burkardt setzte seinen Körper gegen Jerome Boateng grenzwertig ein und verwandelte zum Mainzer Führungstreffer. Aufgrund des Zweikampfs lief Boateng aufgebracht in Richtung Schmidt und wurde umgehend verwarnt. Allerdings waren Manuel Neuer, Thomas Müller und David Alaba ebenfalls zu gegen und besonders letzterer überschritt hier eigentlich eine Grenze, indem er Schmidts Arm runterdrückte, während dieser Boateng die gelbe Karte zeigte. „Mobbing the Referee“ – im Regelbuch eine Verwarnung!

Eigentlich kann man hier alle vier Spielern verwarnen, doch das würde mit Blick auf das weitere Spiel Akzeptanz kosten. Solang ein Spieler das ertragbare Maß nicht komplett überschreitet, sind in der Bundesliga effektives Management und gute Kommunikation statt Karten gefragt. Doch den Unparteiischen während einer Reklamation anzufassen, sollte ein Tabu bleiben und in jedem Fall die gelbe Karte zur Folge haben!

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