Hübners Platzverweis eine zu harte Entscheidung?

Hübners Platzverweis eine zu harte Entscheidung?

7. Juni 2020 2 Von IG Schiedsrichter

Es war der gestrige Aufreger. Bei der Partie Düsseldorf gegen Hoffenheim: die frühe rote Karte für Hübner. Wir haben uns die Szene nun nochmal zig-mal angesehen, die Reaktionen darauf zusammengefasst und eine abschließende Bewertung, auch im Hinblick auf den Video-Assistenten vorgenommen.

In der 9. Minute des Bundesligaspiels Fortuna Düsseldorf gegen die TSG Hoffenheim sah TSG-Kapitän Benjamin Hübner Blitz-Rot wegen einer vermeintlichen Tätlichkeit gegen Fortunas Ayhan, während die Spieler sich auf die Ausführung einer Ecke warten. Fakt ist: Die Hand von Hübner trifft das Gesicht von Düsseldorfs Ayhan. Die Frage hat Hübner absichtlich zugelangt? [TV-Bilder]

„Eine Schande!“

Der vermeintliche Täter wehrt sich, sieht sich sogar als Opfer. Hübners wütet nach dem Spiel: „Mein Arm ist an meinem Körper, er zieht meinen Arm nach oben in sein Gesicht. Das ist eine große Schande was Ayhan da macht. Das nimmt mir den Spaß am Fußball. Was er daraus macht, ist für mich eine Frechheit, eine Schande.

Torsten Kinhöfer hätte diese Rote Karte nicht gegeben

Diese Rote Karte ist gelinde gesagt, so etwas hat der ehemalige Bundesliga-Schiedsrichter Torsten Kinhöfer noch nie erlebt im langen Schiri-Geschäft. Um zu sehen wie die Hand Hübners ins Gesicht von Ayhan kommt, muss man sich die Szene in den TV-Bildern aus allen Winkeln mehrfach anschauen – und selbst dann ist es verdammt kompliziert.

Kinhöfer führt in der print-Ausgabe der Bild am Sonntag aus: „Hübner drückte seinen Arm gegen den Oberkörper von Ayhan. Dieser zog seinen Arm hoch – und damit auch Hübners Arm. Durch dieses Hochschieben traf Hübner Ayhan im Gesicht und damit war dieses Hochschieben für Torsten Kinhöfer der Auslöser des Gesichtstreffers und somit keine Tätlichkeit“. Aber hier die komplette Schuld beim Schiedsrichter zu suchen, wäre genauso falsch. Eher sollte man Ayhans Verhalten in dieser Szene überprüfen und infrage stellen.

Wir sehen es auch als eine harte Entscheidung. Aber warum muss man immer Argumente für den Täter suchen, wenn Spieler sich fehlverhalten? Der Schiedsrichter entscheidet immer nach besten Wissen und Gewissen und er sah den klaren Schlag ins Gesicht. Da er es gesehen, bewertet und auf Rot entschieden hat, hätte der Video-Assistent gar nicht eingreifen dürfen. Oder doch?

Unsere Meinung: Es ist kein Schlag, also auch keine Tätlichkeit und auch keine Rote Karte. Und das weil Ayhan den Arm von Benjamin Hübner selbst ins Gesicht befördert, hätten wir uns den Review gewünscht. Aber es ist verdammt schwer, weil man die Bilder wirklich bis ins Detail zerlegen muss und erstmal darauf kommen, dass ein Spieler sich so unsportlich verhält, dass man sich selbst die Hand des Gegners ins Gesicht befördert. Das es bei der Entscheidung geblieben ist, ist nachvollziehbar und wenn der Video-Assistent eine Szene erst zigmal ansehen muss, kann es doch nicht so klar und offensichtlich falsch sein.

Die Arbeit des Video-Schiedsrichters ist hier nicht so einfach. Einerseits muss er beim ersten draufgucken den klaren offensichtlichen Fehler feststellen, aber auch Detektiv spielen und eine Szene bis ins Detail zerlegen und das will man ja nicht. Aber auch bei falschen, fehlerhaften, oder nur teilweisen Wahrnehmung des Feld-Schiedsrichters muss eigentlich auch der Video-Assistent eingreifen. 

 

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