Kommentar zum Videobeweis: Weniger hören ist manchmal mehr.

Kommentar zum Videobeweis: Weniger hören ist manchmal mehr.

27. August 2018 0 Von Reiner Kuhn
Zunächst einmal bin ich sehr verwundert, dass der Video-Assistent (VAR) in Deutschland nicht einwandfrei verläuft, obwohl bei der WM auch VAR eingesetzt wurde und deutlich besser lief. Möglicherweise liegt das auch an der Menge der Spiele, die Fehlerquote lag dort genauso wie in der Bundesliga. Aber eben eine Vorbildfunktion und die Deutschen waren öfters als VAR eingesetzt worden. Also irgendwo/irgendwie zwischen Schiedsrichter, VAR und Supervisor-VAR herrscht keine klare Kommunikation oder alle haben eine unterschiedliche Meinungen. Die Regeln für VAR sind dennoch festgelegt, aber auch die Erfahrung der VAR müsste demnach sehr ähnlich gegenüber den SR liegen, da alle auf dem gleichen Stand ausgebildet werden und auch eine sehr „ähnliche“ Bundesliga-Erfahrungen haben.
 
Ich meine, ein VAR greift immer dann ein, wenn eine ganz klare Fehlentscheidung (Torerzielung, Strafstoß, Handspiel, Feldverweis und Verwechslung) übersehen worden ist. Egal ob der SR schon eine feste Entscheidung getroffen hat oder nicht, darf er immer angesprochen werden. Eine Zeitlimit gibt es dafür nicht und das macht uns alle so interessant. Mal dauert es 30, mal 60 und mal 90 Sekunden. Und gerade beim Handspiel, ob aus kurzer oder langer Distanz, ob absichtlich oder nicht absichtlich, darüber lässt sich nicht einheitlich einigen, wie zukünftig via VAR konkret umgegangen werden, damit alle Mannschaften gleich behandeln werden (Fairness). Letztendlich entscheidet der SR ganz alleine auf dem Platz.
 
Abschließend ist für mich zum Thema „Handspiel“ weiterhin im DFB Regeln schwammig beschrieben worden. Die Checkliste ist zwar da, die man selbst herauskristallisieren muss, aber es sind auch eben viele Kleinigkeiten, die man beachten muss. In der Praxis muss der SR superschnell entscheiden und entscheidet oft/stets aus der Erfahrung (Bilder im Kopf) anstatt die „Checkliste“ im Kopf durchzugehen. Und das wissen alle Bundesliga SR (inkl. VAR).
 
Ergo: Je mehr Schiedsrichter im Spiel sind, umso mehr unterschiedliche Meinungen bekommt man zum Hören, umso unsicherer wird der Haupt-SR auf dem Platz. Ich frage mich jetzt schon, was als nächster kommt, wenn die 2 VAR pro Spiel nicht ausreichen? 2 weitere „KI RR“ (Künstliche Intelligent Robot Referee (mir soeben spontan eingefallen)). So unwahrscheinlich wird das nicht! Nicht gerade sehr „benutzerfreundlich“ für einen SR auf dem Platz neben 2 SRA, 2 TRR, 1 VOR, 1 Ersatz-SR und 1-2 KI RR. Da hat man quasi 8-9 Radiosender am Ohr. Kann der SR wirklich dadurch 100% auf das Spiel konzentrieren? Nur einer muss hochkonzentriert bleiben. Mehrwert für DFB/UEFA/FIFA? Klar soll Fußball dadurch gerechter werden, aber wird das auch so langfristig gut funktionieren? Ich bin gespannt, was uns in 20 Jahren erwartet.

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