Mehr Respekt für Schiedsrichter bitte!

Mehr Respekt für Schiedsrichter bitte!

25. April 2019 2 Von IG Schiedsrichter


Weil ich immer wieder lese, dass die Qualität der Schiedsrichter in Deutschland so katastrophal ist, hier mal ein paar Gedanken dazu: Ja, die Qualität der Schiris ist definitiv ausbaubar. Aber woran liegt das? Meiner Meinung:

1. Der DFB hat es versäumt, die Schiedsrichter der Lizenzligen zu Profischiedsrichtern zu machen. Ein Schiedsrichter in der Bundesliga geht unter der Woche (zum Teil Vollzeit) arbeiten, kümmert sich im Idealfall noch um den Amateurbereich und hält da mal einen Vortrag und muss dann noch trainieren, dazu kommen noch Schulungen vom DFB etc. Das ist unglaublich stressig und zeitfressend. Mit Profischiedsrichtern könnte man den Fokus voll auf das Schiedsrichterwesen legen. Tägliches Training mit Coaches und Fittnestrainern wären ein wichtiger Schritt.

2. Der Videobeweis. Durch den Videobeweis rücken immer mehr Schiedsrichter in den Kreis der Elite-Schiedsrichter, da auch einfach mehr benötigt werden. Das führt dazu, dass vor allem in Liga 2 und 3 die Qualität der Schiris abnimmt.

3. Die Rolle des Schiedsrichters. Als Schiedsrichter kannst du eigentlich nicht positiv auffallen, sondern wirst immer nur an deinen Fehlern gemessen. Bestes Beispiel war gestern Daniel Siebert, der bis auf den Strafstoß ein fehlerfreies und sehr gutes Spiel abgeliefert hat.
Darüber aber kein Wort verloren, sondern sich nur auf die falsch entschiedene Strafstoßszene gestürzt. Der beste Schiedsrichter ist der, der nicht auffällt. Und das ist ein Grund, weshalb die Schiedsrichter oft schlechter dargestellt werden als sie eigentlich sind. Bei so einem Spiel kann man nicht alles richtig entscheiden, das weiß jeder, der mal auf dem Platz gestanden hat, und erst Recht nicht bei der Geschwindigkeit eines Pokalhalbfinals.

4. Die Breite. Auf ca. sieben Millionen Fussballer in Deutschland kommen gerade einmal rund 70.000 Schiedsrichter. Das heißt, auf einen Schiedsrichter kommen 100 Spieler. Und wo es an der Breite fehlt, fehlt es in der Elite an Qualität. Das ist logisch.

5. Der Umgang mit den Schiedsrichtern. Der wichtigste Grund und der für die fehlende Breite. Viele junge Schiedsrichter hören nach den ersten Spielen direkt wieder auf. Warum? Weil sie von Eltern, Spielern und Trainern schon in den jüngsten Jugenden und den niedrigsten Spielklassen bepöbelt und beleidigt werden. Warum sollte man sich also diesen Job antun, gerade als 14-Jähriger Schüler? Dazu kommt fast jedes Wochenende ein Spielabbruch in Deutschland wegen Gewalt gegen den Schiedsrichter. Es fehlt massiv an Respekt vor den Schiedsrichtern!

Wir machen auch nur unseren Job, und dabei sicher nicht mehr Fehler als so mancher Spieler auf dem Platz. Aber von uns wird erwartet, dass wir perfekt sind. Über jede Entscheidung wird sich aufgeregt, wird gemeckert und sich beschwert. Auch, weil die Bundesliga das vormacht. Jedes Spiel sieht man dort Spielertrauben um die Schiedsrichter herum stehen und in einem alles andere als ruhigem Ton „diskutieren“. Die Schiedsrichter werden angeschrien, bekommen eine abwinkende Geste und werden von den Fans ausgepfiffen und beleidigt. Und das färbt ab! Und das gilt auch für die sozialen Medien. Wenn ich auf twitter, facebook und Co. immer nur lese, was die Schiris alle für Spastis sind, dann schreckt das einen davon ab, sich für einen Lehrgang anzumelden.

Also mein Appell an euch: Egal, ob auf dem Platz, im Stadion oder im Internet, habt gefälligst etwas mehr Respekt vor den Schiedsrichtern. Und vielleicht stellt sich der ein oder andere von euch auch mal auf den Platz und macht nen Schirischein, dann merkt ihr, wie schwer das ist.

Ein Kommentar von Fabian Lintker, 18 Jahre, Schedsrichter aus Hannover.

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