Nach Eigentor von Hummels: Deutschland startet mit Niederlage in die EM

Nach Eigentor von Hummels: Deutschland startet mit Niederlage in die EM

16. Juni 2021 1 Von Felix Stark

Die DFB-Auswahl ist mit einer Niederlage in die EM-Endrunde gestartet: In München verlor der Weltmeister von 2014 mit 0:1 gegen Frankreich. Mats Hummels wurde zum Pechvogel.

Geleitet wurde die Partie vom Spanier Carlos del Cerro Grande. Bei seiner ersten EM-Teilnahme wurde der 45-Jährige von seinen Landsmännern Juan Carlos Yuste Jimenez und Roberto Alonso Fernandez, sowie dem Serben Srdjan Jovanovic. Video-Assistent war Munuera Martinez.

Gegen den denkbar größten Prüfstein Frankreich startete die deutsche Nationalmannschaft ins EM-Turnier. Joshua Kimmich startete auch gleich mit einem resoluten Einsteigen gegen Lucas Hernandez und holte sich die Verwarnung ab. Schiedsrichter Carlos del Cerro Grande unterlag hier wohl einem Wahrnehmungsfehler, der sich im Laufe des Spiels weiter auswirkte. Kimmich ging mit der Sohle voran in den Zweikampf, zog aber deutlich vor dem Aufprall zurück. Eine Ansprache wäre hier die richtige Maßnahme gewesen.

Frankreich begann das Spiel gut strukturiert und überlegen. Die Führung des Favoriten fiel dann aber aus deutscher Sicht denkbar unglücklich: Eine scharfe Hereingabe von Hernandez schob Mats Hummels unglücklich ins eigene Tor.

Weiter ging es mit einem Foulspiel von Presnel Kimpembe, der gegen Thomas Müller den Fuß draufhielt. Der Unparteiische gab den Vorteil, der aber in der Defensivposition wirklich unnötig war. Möglicherweise wäre hier gar die gelbe Karte angemessen gewesen.

Kimmich und Hernandez trafen bald darauf im nächsten, harten Zweikampf aufeinander. Dabei sperrte der Franzose seinen Teamkameraden aus München zuerst mit dem Arm weg, worauf, der Fuß von Kimmich dann im Gesicht von Hernandez landete. Del Cerro Grande entschied auf Foulspiel von Kimmich, was wieder nicht wirklich stimmig war.

Hitzig wurde es vor der Pause, als Antonio Rüdiger an Paul Pogba hing und merkwürdige Bewegungen machte, die ein Beissen erahnen ließ. Sicher stellte dies eine Unsportlichkeit dar, für eine Intervention von VAR Juan Martinez Munuera reichte das aber nicht. Vergleicht man das mit dem „Anlass“, warum Beissen teil des Regelwerks wurde, nämlich mit der Aktion von Luis Suarez vor einigen Jahren, versteht man auch, warum.

Nach der Pause ging die deutsche Mannschaft entschlossener ins Spiel: Serge Gnabry hatte eine erste Großchance, schoss aber über das Tor. Bei der nächsten Hereingabe ging Robin Gosens ins Luftduell mit Benjamin Pavard und erwischte diesen mit der Hüfte am Kopf. Dieser Zweikampf war im wahrsten Sinne des Wortes rücksichtslos geführt und es hätte eine Verwarnung folgen müssen!

Kilian Mbappé schob wenig später zum vermeintlichen 2:0 ein. „Spielverderber“ war Assistent Roberto Alonso Fernández, der die Fahne aufgrund einer Abseitsstellung des Youngsters hob. Mbappé war aber schnell wieder auf dem Weg zum deutschen Tor. Hummels verfolgte ihn und ging zur riskanten Grätsche runter. Del Cerro Grande wollte schon auf Strafstoß entscheiden, da Hummels auch Mbappe berührte, ließ dann aber doch weiterlaufen. Technisch war das ein Foulspiel, da die Berührung mit dem Gegner vor dem Ball erfolgte. Allerdings stellt eine Berührung noch kein Foulspiel dar und da die Aktion so zielgerichtet zum Ball ging, war die Entscheidung, das Spiel laufen zu lassen, eine gute Wahl.

Karim Benzema traf kurz vor Schluss nochmal ins deutsche Tor, aber VAR Martinez Munuera kontrollierte aufgrund einer Abseitsposition von Vorlagengeber Mbappe. So zählte auch dieses Tor dann zu Recht nicht. Nach einer langen Nachspielzeit von insgesamt 8 Minuten war das Spiel dann beendet. Innerhalb dieser Zusatzzeit zeigte sich allerdings nochmal, dass Schiedsrichter del Cerro Grande mit verbalen Warnungen nicht durchdrang. Das kann auch mal so sein, aber dann hat ein Referee eben auch andere Mittel zur Verfügung die in diesem Spiel vermisst wurden.

Schiedsrichter Carlos del Cerro Grande stieg mit einem ärgerlichen Fehler ins Spiel ein und wirkte dann verkrampft. Es folgten einige kleine Fehler in der Zweikampfbewertung. Der Spanier machte keine größeren Fehler, jedoch störte die schlechte Kommunikation mit den Spielern das Gesamtbild doch deutlich. Um Spiele zu leiten und zu lenken, muss man bestenfalls für jeden Spieler einen Plan haben und die Disziplinarkontrolle schrittweise aufbauen. Dieser rote Faden fehlte leider komplett.

Fazit: Insgesamt hatte Carlos del Cerra Grande keine wirkliche Akzeptanz, keine gute Ausstrahlung, bekam die Proteste nur schwer eingefangen und fiel gegenüber der bisherigen Leistungen  deutlich ab. Eine Note wird sich so im Bereich der 8,0 bis 8,1 anzusiedeln sein. Ob er dann ein zweites Spiel bekommt, ist fraglich.

Share This: