Warum der Vorschlag des IFAB die Schiedsrichter nicht weiter bringt

Warum der Vorschlag des IFAB die Schiedsrichter nicht weiter bringt

2. Januar 2020 3 Von IG Schiedsrichter

Der Videobeweis sorgt aktuell auch in der Premier League für hitzige Diskussionen. Minutenlanges Warten und hauchdünne Abseitsentscheidungen zehren an den Nerven von Spielern und Fans. Jetzt wollen die Regelhüter des IFAB eine Neu-Ausrichtung des VAR und eine Toleranzgrenze einführen.

Was für ein Schwachsinn!

Abseits ist Abseits. Es gibt eine Linie, die kann man ziehen und das wird durch den Vorschlag des IFAB wieder ins Ermessen gelegt. Alles was man Ausmessen kann, gibt es kein Ermessen. Dann kommen die Medien und Fans wieder und sagen „Oh, warum greift der Blinde da jetzt wieder ein“? Ja, weil es nicht klar ist. Was ist denn nun eine klare Abseitsposition? 5, 10 oder 15 Zentimeter? Dann empfindet der Nächste 20 Zentimeter als kein klarer Fehler. Das ist alles nur krank und hilft den Schiedsrichtern so auf keinen Fall weiter. Die Öffentlichkeit wird immer etwas zu Meckern haben. Abseits sind faktische Entscheidungen aber das begreifen manche einfach nicht. Abseits ist Abseits, egal wie knapp.

Man kann es nie jeden Recht machen

Dann fällt ein Tor wegen der Toleranz und alle Meckern wieder. Man kann es nie allen recht machen. Wenn der Ball 1 Millimeter hinter der Torlinie, dann ist es auch ein Tor. Und nur weil es nicht mega knapp war und kein offensichtlicher Fehler soll es dann nicht zählen?

Ein eigener Ermessensspielraum wird beim Videobeweis bleiben

Der Ruf nach transparenten Änderungen des Regelwerks geht ins Leere: Es wird immer einen Ermessensspielraum der Schiedsrichter geben.

Hand oder nicht Hand? Foul oder kein Foul? Gelb oder Rot? Das sind die Fragen die die Gemüter von Fußballern, Trainern, Zuschauern und natürlich auch die der Schiedsrichter bewegen. An jedem Spieltag gibt es übereifrige, heftige Diskussionen, ob ein Handspiel beabsichtigt war, nicht beabsichtigt, oder ob wir es mit einem „Stützarm“ zu tun haben. Wurde durch eine Handbewegung die Körperfläche des Spielers vergrößert? Sind die Handspielregeln ungerecht gegenüber den Stürmern oder den Abwehrrecken?

Jede strittige Szene wird nach jedem Spieltag seziert und anschließend empört diskutiert. Der Ruf nach transparenten Änderungen des Regelwerks für ein strafbares oder nicht strafbares Handspiel wird vor allem medial lauter. Ob Veränderungen die Diskussionen dann aber verstummen lassen? Kaum. Denn zuletzt vor der laufenden Saison hat es ja bereits Änderungen gegeben – die nun aber auch nicht für mehr Transparenz und Klarheit gesorgt haben.

Egal wie Regeln aussehen: Es wird immer einen Ermessensspielraum der Schiedsrichter geben. Deshalb wird es bei verschiedenen Schiedsrichtern auch immer unterschiedliche Entscheidungen geben. Menschlich halt.

Aber jetzt auch noch beim Abseits herumzudoktorn und eine Toleranzgrenze einzuführen ist der größte Schwachsinn der je diskutiert wurde. Alles was eindeutig messbar ist, da hat der Schiedsrichter keinen Spielraum.

Dann lasst den Scheiß ganz  bleiben!

Entweder man kann etwas technisch oder eben nicht. Dann soll man es doch bitte gleich ganz sein lassen. Es wird immer Unmut geben und die Vereine haben sich für den Videobeweis ausgesprochen. Das haben sich ja nicht die Schiris ausgedacht. Wenn der Vorschlag des IFAB durchgeht dann muss der DFB das Projekt sofort beenden, denn das hilft den Schiedsrichter nicht weiter!

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