Niederlande jubelt bei Fünf-Tore-Gala

Niederlande jubelt bei Fünf-Tore-Gala

13. Juni 2021 0 Von IG Schiedsrichter

Die Holländer gingen durch zwei Treffer von Wijnaldum und Weghorst nach der Pause in Führung, doch in der Schlussviertelstunde traf Roman Yarmolenko zum 2:2-Ausgleich. Doch damit war noch Schluß: Dumfries gelang fünf Minuten vor dem Ende der umjubelte 3:2-Siegtreffer für Oranje in einem unterhaltsamen und dem bisher besten EM-Spiel, dem Felix Brych den i-Punkt aufsetzte.

Der Schiedsrichter ist einer der beiden aus der Bundesliga: Felix Brych pfiff. Der Jurist aus München ist beim Bayrischen Fußball-Verband beschäftigt und war auch schon bei den drei letzten großen Turnieren dabei. 2017 war er Weltschiedsrichter des Jahres.

Von: Felix Stark

Bereits zwei Tage vor der deutschen Mannschaft startete mit Dr. Felix Brych einer der beiden DFB-Schiedsrichter ins Turnier. Die Niederlande hatte es mit einem sehr mutigen Gegner aus der Ukraine zu tun, der immer wieder Nadelstiche im Strafraum der Gastgeber setzte. Auf der anderen Seite hallte ein Aufschrei durchs weite Rund der Johann-Cruyff Arena, als Ruslan Malynovsky den Ball im eigenen Strafraum an die Hand bekam.

Kein Handspiel? Der ukrainische Spieler Ruslan Malynovsky bekam in der Anfangsphase den Ball an den vom  Körper abstehenden Arm. Das soll kein Handspiel sein?

Ruslan Malynovsky blockte den Ball mit dem Arm

Natürliche Bewegung: Die Hand ist ohne Spannung

Hintergrund ist die neue Handspielregel. Die UEFA wendet bei dem Turnier bereits das neue Regelwerk für die Saison 2021/22 an. Und darin wurde die Handspielregel erneut modifiziert. Wollte er den Ball aufhalten? Oder ist es eine normale Bewegung im Laufen? Der Spieler sei gelaufen und habe entsprechend mit den Armen geschwungen: Die Hand ist auch ohne Spannung. Deshalb habe Dr. Felix Brych zu Recht nicht auf Strafstoß entschieden.

Nach der neuen Regel liegt in folgenden Fällen ein Handspiel vor:

  • Wenn der Ball absichtlich mit der Hand oder dem Arm gespielt wird.
  • Eine Ballberührung mit dem Arm oder der Hand ist zudem dann strafbar, wenn ein Spieler seinen Körper „unnatürlich vergrößert“. Das sei gegeben, wenn die Position seines Arms oder seiner Hand keine Folge der Körperbewegung des betroffenen Spielers oder der speziellen Situation ist. Außerdem gilt die „unnatürliche Vergrößerung“, wenn der Spieler mit seiner Körperhaltung das Handspiel „in Kauf nimmt“. Damit hat der Schiedsrichter mehr Spielraum zur Interpretation als bisher.
  • Wenn ein Spieler unter Zuhilfenahme der Hand oder des Arms ein Tor erzielt, zählt das Tor weiterhin in keinem Fall, egal ob die oben genannten Kriterien zutreffen oder nicht.

Der letzte Punkt galt bislang auch für Vorbereitungen von Toren. Dieser Teil ist gestrichen. Damit ist eine Torvorbereitung bei einem sonst nicht strafbaren Handspiel grundsätzlich wieder möglich. „Da sind wir einen Schritt zu weit gegangen“, sagte FIFA-Präsident Gianni Infantino zu der Rückabwicklung dieses Teils der Regel. Die FIFA stellt die Hälfte der acht stimmberechtigten Mitglieder im entscheidenden Gremium des IFAB, das die Änderungen beschloss.

Die offiziellen Spielregeln 2021/22 | theifab.com

Im Laufe der ersten Halbzeit erarbeitete sich dann auch die Niederlande einige Chancen. Die beste Möglichkeit hatte Georginio Wijnaldum, der aber am hervorragend reagierenden Heorhyi Bushchan scheiterte. Die Zweikämpfe wurden äußerst engagiert geführt, aber Brych ließ laufen, wo er nur konnte und blieb dabei für die Akteure immer berechenbar.

Wenige Minuten nach Wiederbeginn erzielte Oranje dann die Führung: Denzel Dumfries Flankte scharf vor das Tor von Bushchan, welcher nur unzureichend in die Mitte klären konnte, wo sich Wijnaldum bedankte und zum 1:0 traf.

Das 2:0 für Niederlande aus Nicht-Abseitsposition

Wout Weghorst erhöhte kurz darauf gar zum 2:0. Allerdings stand Dumfries direkt vor Bushchan in dessen Sichtfeld. So überprüfte VAR Marco Fritz das Tor, bestätigte aber nur, was Assistent Stefan Lupp ganz stark erkannte: Dumfries stand zwar direkt vor dem Torwart, aber auf gleicher Höhe mit Illya Zabarnyi. Somit handelte es sich um ein korrektes Tor. Wer allerdings dachte, dass es das schon war, machte die Rechnung ohne Andrey Yarmolenko: Zunächst holte er einen unglaublichen Hammer raus und ließ Marten Steekelenburg überhaupt keine Chance. Dann brachte er einen Freistoß in den Strafraum, wo Roman Yaremchuk einköpfte – schon stand es 2:2.
Allerdings dauerte es nicht lange, bis in einem sehr gut anschaubarem Spiel der nächste Treffer fiel: Dumfries traf mit einem ganz starken Kopfball zum 3:2 für die Niederlande. Serhy Sydorchhuk holte sich in der Nachspielzeit die einzige gelbe Karte des Spiels, als er Luuk de Jong abseits des Spielgeschehens festhielt. Korrekte Entscheidung!
In einem höchst attraktiven Spiel holte sich die Oranje also den Auftaktsieg gegen tapfere Ukrainer.

Fazit: Schiedsrichter Dr. Felix Brych startete sehr gut ins Turnier! Es war auch sein Verdienst, dass die Mannschaften sich speziell in der zweiten Halbzeit nur noch auf Fußball konzentrierten. Er pfiff nur, wenn es wirklich nötig war und fuhr damit sehr gut. Stark auch Assistent Stefan Lupp, der die schwere Szene um das 2:0 korrekt bewertete.

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