Osmers, Winkmann und die Anweisung im Fokus – Eine Analyse

Osmers, Winkmann und die Anweisung im Fokus – Eine Analyse

5. Februar 2020 0 Von IG Schiedsrichter

Eine Einordnung zu den vergangenen drei Fällen von wichtigen Entscheidungen durch die verschärfte Ahndung von Unsportlichkeiten durch den Deutschen Fußball-Bund (DFB).

RB Leipzig 2:2 Borussia Mönchengladbach (SR: Tobias Stieler)

Am letzten Bundesliga-Spieltag wurde beim Spiel Borussia Mönchengladbach gegen RasenBallsport Leipzig Schauplatz einer sehr rigorosen Anwendung der neuen Anweisung bezüglich Unsportlichkeiten.

Schiedsrichter Tobias Stieler ließ in einem intensiven Spiel viel, schon fast grenzwertige Härte zu. Dje rote Lampe, die bei manchen Schiedsrichtern beim kleinsten Wort aus großer Entfernung aufleuchtet. Ohne jede Not griff Stieler nach leichter Unmutsbekundung von Pléa, in recht großer Entfernung von ihm, zur Karte. Das rief eine weitere Reaktion hervor, welche absolut respektlos und zu ahnden ist!

Einige werden sagen: „Der bekommt jetzt Gelb für’s abwinken und der andere nicht.“ Das sind ganz einfach subjektive Dinge, die der Schiedsrichter eben auch erst als respektlos wahrnehmen muss. Objektiv messbare Dinge, wie Ballwegschlagen, sind da deutlich einfacher zu ahnden. Deshalb weiß ich nicht, ob man sich mit der Anweisung in dieser Form einen Gefallen getan hat.

Sicher muss dauerndes Lamentieren und Schiedsrichter belagern geahndet werden. Aber hierzu gehört auch die Wahrnehmung als Unsportlichkeit durch den Schiedsrichter. Die rote Lampe, die bei manchen Schiedsrichtern beim kleinsten Wort angeht in großer Entfernung aufleuchtet, ist dafür aber eher kontraproduktiv, was auch die Minuten nach Pléas Platzverweis zeigten. Stielers Spielkontrolle ging nach einem aufgezwungenen Eingriff, der einen durch die Anweisung komplett gedeckten Platzverweis nötig machte, komplett verloren.

SV Werder Bremen 3:2 Borussia Dortmund (SR: Guido Winkmann)

Im DFB-Pokalspiel Bremen gegen Dortmund traf Guido Winkmann eine Entscheidung, die völlig gegen besagte Anweisung geht.

Bei einem Vorstoß in der 82. Minute des Dortmunder Reyna in den Strafraum kommt dieser nach leichten Kontakten mit zwei Bremer Abwehrspielern zu Fall. Nachdem der Pfiff vom Schiedsrichter Winkmann ausblieb forderte Reyna lautstark und gestenreich einen Elfmeterpfiff. Daraufhin fühlte sich der Bremer Moisander so provoziert, dass er sich den Dortmunder zur Brust nimmt. Dabei hält und zieht er an dessen Trikot und lässt diesen dann mit einem leichten Stoß gegen den Körper des Schwarz-Gelben wieder los. Während dieser erneut unsportlicherweise sich ins Gesicht fasst und einen Schlag simuliert. Darauf folgend gerieten noch Vogt und Haaland hitzig aneinander. Guido Winkmann schaut sich die Szene nochmal am Bildschirm an und entscheidet auf eine Schwalbe und Gelbe Karte für Reyna und damit auf indirekten Freistoß für Bremen, da dies das erste Vergehen war. Der Bremer Moisander sah für seinen robusten Angriff auf Reyna die Gelbe Karte.

Nachdem Reyna einen Strafstoß schinden wollte, ging ihn Moisander heftig an und es kam zur Rudelbildung. Nach Videobeweis ging es mit indirekten Freistoß für Bremen und gelb für Reyna wegen Schwalbe, sowie Gelb für Moisander, weiter.

Das ganze ist soweit völlig regelkonform und bringt auch Argumente für sich mit. Im Sinne der Anweisung lief das aber ganz sicher nicht! Dass gerade einmal Mats Hummels nach dem Spiel eine rote Karte und Strafstoß einforderte und sogar Teamkollege Julian Brandt von einem normalen Gerangel sprach, relativiert das ganze noch einmal. Ich meine, dass die Entscheidung im Sinne des Spiels eine taktisch gute war. Das Beispiel zeigt aber einmal mehr, dass die Ahndung von Unsportlichkeiten absolut ungleich durchgezogen wird.

Unsere Einordnung: Dem Dortmunder in dieser Situation eine Schwalbe zu unterstellen ist sehr hart. Der Bremer hingegen hätte sich vor allem in Hinsicht auf die aktualisierte Rückrundenauslegung, nicht über Rot beschweren dürfen. Pikant ist dabei, dass bei einer Beurteilung, dass es keine Schwalbe gewesen wäre die folgerichtige Entscheidung Strafstoß hätte lauten müssen. Auch durch Videobeweis hätte diese Entscheidung noch getroffen werden können da das Spiel erst nach dem Fehlverhalten von Moisander abgepfiffen wurde. Desweiteren hätte die Auslegung der Rückrunde auch zu einer Gelben Karte für Vogt und Haaland führen müssen.

FC Schalke 04 3:2 Hertha BSC (SR: Harm Osmers)

Ein weiteres Beispiel von rigoroser Anwendung zeigte das Pokalspiel Schalke gegen Berlin. Herthas bereits verwarnter Spieler Torunarigha wurde an der Seitenlinie gefoult, schleuderte eine Kiste Wasser auf den Boden und wird von Harm Osmers vom Platz gestellt. Das ganze ist verständlich, ungewöhnlich und sieht blöd aus. Aber Osmers muss hier reagieren!

Nach einem Zweikampf zwischen Torunariga und Mascarell kommt der Berliner in der Schalker Coachingzone zu liegen und ist im Anschluss so in Rage, dass er sich eine Getränkekiste schnappt und diese heftig zu Boden schmeißt. David Wagner packt den Berliner, vermutlich um diesem aufzuhelfen, und greift ihm dabei unter anderem an den Hals. Harm Osmers trifft die völlig korrekte Entscheidung und stellt den Herthaner mit der Gelb/Roten Karte vom Feld. Anschließend erhält er ein Signal aus Köln und prüft die Szene von Wagner am Bildschirm. Auf diesem bekommt er in mehrfacher Folge gezeigt, dass der Schalker den Berliner leicht am Hals packt. Osmers trifft daraufhin die Entscheidung Wagner aus dem Innenraum zu verweisen.

Die Gründe, die den Schiedsrichter und den Video-Assistenten dazu bewogen haben, diese Entscheidung zu treffen, würden mich wirklich mal interessieren. Möglicherweise war es die Hand am Hals von Torunarigha. Und da sind wir wieder bei der roten Laterne.

Klar hat die Hand am Hals nichts verloren. Aber die kommt da ganz bestimmt nicht zu einem Würgegriff oder sonstiger Tätlichkeit hin. Es sollten bei der Bewertung von solch subjektiven Dingen nicht nur objektive Merkmale abgeklopft werden, sondern man sollte sich bemühen den ganzen Vorgang zu verstehen und dann eventuelle Unsportlichkeiten auch zu sanktionieren (TV-Bilder).

Warum wird das nicht gleich sanktioniert?

Abschließend wage ich noch eine kleine Hypothese, warum diese Ungleichheiten in der Anwendung der Anweisung auftreten. Schiedsrichter sind alle eigenständige Persönlichkeiten, die ihre Art und ihr Vorgehen auf dem Platz über viele Jahre entwickelt haben. Jetzt kommt plötzlich eine Anweisung, die genau in diesen Bereich eingreift. Da tauchen natürlich erst einmal große Unterschiede auf.

Schiedsrichtern mit weniger großen natürlichen Autorität wird das ganze in ihrer Spielleitung absolut entgegenkommen, da sie freie Hand haben, die Reklamationen entsprechend zu ahnden. Das ist im Moment bei einigen jungen Zweitligaschiedsrichtern zu beobachten und auch absolut legitim. Man muss ihnen eben noch mehr persönliche Strafen zugestehen. Dann gibt es die Kollegen mit der roten Ampel, was meiner Meinung nach im Moment der schlechteste Weg ist.

Wieder anders sieht es bei Deniz Aytekin, Manuel Gräfe oder auch Tobias Stieler auch bei aus. Deutlich wurde es gestern in der ARD-Reportage. Aytekin’s Assistent empfiehlt ihm eine Verwarnung und er meint: „Das ist mir zu wenig!“

Da gehe ich völlig mit, aber das ist das derzeitige Problem der Schiedsrichter.

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