Rassistische Rufe kann der Schiedsrichter nicht immer hören

Rassistische Rufe kann der Schiedsrichter nicht immer hören

9. Februar 2020 0 Von IG Schiedsrichter

Rassismus im Fußball – das Thema ist aktueller denn je. Und somit auch die Frage, wie man dieses Problem in den Griff bekommt.

Vorneweg: Es kann nicht Aufgabe des Schiedsrichters sein, sich auf die Zuschauer zu konzentrieren. was die von sich geben. Er hat es auf dem Platz schon schwer genug, da bekommt er gar nicht mit, wenn drei oder vier Idioten von der Tribüne rassistische Parolen rufen – er hört es einfach nicht. Das ist auch nicht seine Aufgabe, er ist Spielleiter und nicht Zuschauerleiter.

Deshalb stehe ich der Idee von Bundesliga-Anwalt Christoph Schickhardt (64) offen gegenüber. Der hatte in der BILD einen Beleidigungsbeauftragten ins Spiel gebracht. Internationale Spiele könnten da Vorbild sein, dort gibt es einen Match-Deligierten, der sich um alle Dinge rund um das Spiel kümmert. Und der auch bei rassistischen Vorfällen – in Abstimmung mit dem Referee – die Verantwortung übernimmt und sagt „Stopp! Bis hierhin und nicht weiter!“ Wobei die endgültige Entscheidung über einen Abbruch immer noch der Schiedsrichter in Zusammenarbeit mit dem ranghöchsten Polizeibeamten im Stadion trifft.

„Egal in welchem Stadion, sowas geht gar nicht. Egal ob es ein Deutscher oder Ausländer ist, sowas geht gar nicht.“ Herthas Niklas Stark.

Ich warne aber vor zu hohen Erwartungen. Ein Deligierter auf der Haupttribüne kann natürlich auch nicht alles hören. Wenn zum Beispiel drei Fans im Block hohle Parolen von sich geben, bekommt er das definitiv nicht mit. Hier würde nur Zivilcourage helfen. Nur die ist leider häufig nicht immer zu sehen.

Drei-Punkte-Plan der UEFA

Die UEFA hat vor einigen Jahren einen Drei-Punkte-Plan veröffentlicht, welcher folgender Maßen aussieht:

  • Sollten seitens der Zuschauer rassistische Äußerungen getätigt werden, muss der Zuschauer eine Durchsage des Zuschauers veranlassen, indem die Zuschauer dazu aufgefordert, die Beleidigungen zu unterlassen.

Auf dem Sportplatz sieht das so aus, dass der Schiedsrichter zum Kapitän geht und dieser muss zum PLatzordner gehen, der dafür sorgt, dass die Zuschauer beruhigt werden. Wenn das nichts bringt:

  • Das hier eine Spielunterbrechung passiert. Laut UEFA soll hier eine zehnminütige Spielunterbrechung veranschlagt, wo die Teams in die Kabinen gehen müssen. Das ist das letzte Warnsignal vor dem dritten Schritt;
  • Dann muss das Spiel abgebrochen werden, sollte es auch hier nicht aufhören.

In jedem Fall muss jegliches Vorgehen im Spielbericht vermerkt werden und Spieler und Trainer die rassistisch auffallen, müssen direkt mit der Roten Karte ohne Toleranzbereich des Feldes verwiesen werden. Hier sieht die UEFA eine Mindeststrafe von zehn Spielen vor.

Dazu ist aber wichtig, dass den Vorfall der Schiedsrichter einschliesslich die Assistenten bemerken. Das heißt, wenn ein Spieler oder der Trainer auf den Unparteiischen zukommt, pass auf, da ist etwas passiert, dann kann der Schiedsrichter nichts dagegen machen. Die drei Punkte sind nur dann, wenn dies auch vom Schiedsrichter, den Assistenten oder dem UEFA-Deligierten selbst wahrgenommen worden ist. Das ist wichtig, denn ansonsten wird es vor dem Sportgericht schwierig zu erklären, warum hier ein Spielabbruch letztlich veranlasst wurde, obwohl der Unparteiische nicht mitbekommen hat, wer etwas gesagt hat.

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