Big News | Reformierung des Videobeweises ab nächster Saison

Big News | Reformierung des Videobeweises ab nächster Saison

18. Juni 2020 0 Von IG Schiedsrichter

Nach der häufigen Kritik in dieser Saison, was fehlende VAR-Eingriffe angeht, soll zur kommende Saison die Eingriffsschwelle stark gesengt werden und mehr die „bessere“ Entscheidung im Fokus stellen. Damit erhält der Videoschiedsrichter deutlich mehr Kompetenzen. 

In den vergangen Wochen war der Videobeweis einmal mehr Anlass zu heftigen Diskussionen und lag einige Male objektiv gesehen falsch. Grund für die fehlende Durchschaubarkeit und daraus folgende Unzufriedenheit beim Zuschauer, sind komplizierte Anwendungsregelungen.Hierbei kommt es auch häufig auf die Interaktion zwischen Schiedsrichter und Video-Assistenten an. Auch wollen wir nochmal erklären, warum der Eingriff bei faktischen Entscheidungen einfacher ist, als etwa bei persönlichen Strafen.

Viele fragen sich, warum sofort eingegriffen wurde, als Dortmunds Guerreiro den Ball an den angelegten Arm bekam, oder, wie es schon oft der Fall, der VAR die Fußspitze im Abseits aufdeckte. Es ist einfach so, dass wenige Zentimeter Abseits und Berührungen mit dem Arm vor Torerzielung Entscheidungen sind, die nur entweder in die eine, oder in die andere Richtung getroffen werden können. Der Spieler ist entweder im Abseits oder nicht, der Ball hat den Arm berührt oder nicht. Dazwischen gibt es nichts!

Liegt dann aber wirklich etwas vor (rote Karte, Strafstoß etc.), das Graubereiche zulässt, dann hängt das ganze auch noch von recht vielen Faktoren ab, die es dem Zuschauer nicht besonders leicht verständlich und durchschaubar machen. Entscheidende Faktoren sind die Wahrnehmung und Entscheidung des Schiedsrichters auf dem Platz und die Klarheit des Fehlers. Die Entscheidungen des Schiedsrichters haben auch mit dessen Linie zu tun. Dinge, wie Klammern, Rempeln usw. sind nicht immer gleich bewertet.

Diese Entscheidungen sollen dann auch so bleiben, vorausgesetzt, der Schiedsrichter hat die Wahrnehmung der Szene. Die Wahrnehmung wird dann vom VAR durch Checkfragen überprüft. Hintergrund ist, dass die entscheidende Person der SR auf dem Platz bleiben soll. Am Anfang des Videobeweises wurde ja oft moniert, dass der VAR die Entscheidungen trifft und nicht der Schiedsrichter. Das soll so eben nicht sein. Ist die Wahrnehmung vorhanden, verschiebt sich die Schwelle für die Klarheit des Fehlers nach oben. Der genaue Punkt, ab wann der Fehler klar ist, kann aber nicht an der genau einen Stelle festgehalten werden. Das macht die Durchschaubarkeit hier so schwer.

In der neuen Saison soll sich hier allerdings was ändern. Der Videoschiedsrichter, der ja meist auch für die gleiche Spielklasse qualifiziert ist, soll die bessere Entscheidung empfehlen dürfen. Das ist eine große Kompetenzerweiterung mit der es sicher zu mehr Eingriffen in der Saison 2020/21 kommen dürfte. Auf Szenen wie bei #BVBFCB (Handspiel von Boateng im eigenen Strafraum (bei Video ab 2:50) dürfte dann ein Review folgen, auch wenn der Schiedsrichter die Szene am Platz zunächst richtig wahrgenommen hatte. Diese Änderung der Protokolle nach diesen der VAR vorzugehen hat, könnte allerdings auch negative Effekte mitbringen, wie das zu oft eingegriffen wird oder öfter richtige Entscheidungen des SRs falsch korrigieren werden.

Ob die Diskussionen weniger werden, bleibt abzuwarten.

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