RESPEKT IST ALLES – Eine Rezession

RESPEKT IST ALLES – Eine Rezession

21. Dezember 2021 0 Von IG Schiedsrichter

Deniz Aytekin -Schiedsrichter, Unternehmer und Buchautor aus Oberasbach

Im Buch „Respekt ist alles – Was auf und neben dem Platz zählt“ von DFB-Schiedsrichter Deniz Aytekin erhält der Leser exklusive Einblicke in den Profifußball. Der Unparteiische vermittelt seine Ansichten und Werte, die weit über den Fußball hinausgehen.

Auch wir haben das Buch gelesen und wollen in dieser Rezession einen kurzen Ausblick über die 214 Seiten und 18 Kapitel des Buchs „RESPEKT IST ALLES“ geben.

Eine Rezession.

Der 19. August 2006 wäre beinahe der Tag gewesen, an dem für Aytekin das Thema Bundesliga früh beendet gewesen wäre. Am 2. Spieltag der Saison stand Aytekin als Assistent im Spiel FC Energie Cottbus – Hamburger SV dem Schiedsrichter Günter Perl zur Seite. Ein Handspiel auf der Torlinie erkannte Aytekin, rief Perl zu sich. Alles lief glatt bis Perl fragte: „Wer hat das Handspiel begangen?“. „Keine Ahnung“, antwortete Aytekin. Der Elfmeter wird zwar zurecht gegeben, doch der fälligen Platzverweis konnte nicht ausgesprochen werden. Es konnte schlichtweg nicht ausgemacht werden, wer das Handspiel begangen hat.
Volker Rotz, damaliger Versitzender des DFB Schiedsrichterausschusses, führte nach jedem Spieltag mit dem Hauptschiedsrichter ein Gespräch, was nach eigener Aussage in der Regel nicht länger als 30 Sekunden dauerte. Doch nach diesem Spiel sagte Aytekin dauerte das Gespräch „3 Minuten 28 Sekunden“.
„Günter Perl schaffte es Roth zu beruhigen und nahm die Schuld auf sich.“ sagte Aytekin zu den Verlauf des sehr langen Gesprächs. „Der Rucksack ist schwer Deniz, du musst aufpassen das du nicht nach hinten kippst“. Das waren die Worte von Perl an Aytekin, die mittlerweile unzertrennlich sind.

Aytekin merkte früh, wie schwer es ist Geld zu verdienen und ein Leben aufzubauen. Seine Mutter machte ihre Arbeit jederzeit so genau und akribisch. „Noch heute macht es mich wütend, wenn man einer Putzkraft […] nicht ein nettes „Hallo“ entgegenbringen kann. Das macht mich sehr wütend, dass der nötige Respekt bei vielen fehlt.“ So Aytekins Worte und genau das spürt man bei ihm auch auf dem Platz (siehe Gelb/Rote Karte für Dahoud).

Bereits mit 6 Jahren verließ Aytekin seine ärmeren Eltern und zog zu seinen Großeltern im die Türkei. Die Wohnung in Deutschland war schlichtweg zu klein für mittlerweile zwei Kinder. Sein Opa brachte genau diesen Respekt auf, den Aytekin bis heute verlangt. „Er war streng aber immer gerecht“. Das ist es, wo sich viele eine Scheibe abschneiden könnten. Als Aytekin 10 Jahre alt war, erhielt er einen Brief von seinem Vater worin stand, dass seine Eltern eine größere Wohnung in Deutschland hatten und Aytekin zurück kommen soll. „Das war ein noch viel größerer Schock für mich, als die Nachricht vier Jahre früher“, meinte Aytekin. Auch seine Großeltern waren wenig erfreut über diese Entscheidung.

In der C Jugend hatte Aytekin dann als Innenverteidiger das erste mal Kontakt mit einem Schiedsrichter. „Bei beinahe jedem Pfiff verlangte ich eine Erklärung“, schrieb Aytekin zu seinem Verhältnis mit den Schiedsrichtern. Der Mann, der Aytekin schließlich auch zum Schiedsrichter machen wollte, war Manfred „Maddi“ Dölfel. Er gehörte dem gleichen Verein an, in dem Aytekin spielte. Aytekin spürte hier ebenfalls früh, dass er eine gewisse Verantwortung hat, wenn er auf dem Platz spiele leiten soll. Party machen war nicht, wenn am nächsten Tag ein Spiel anstand. Daran änderte auch sein bester Freund nichts, der oft meinte, dass das nicht so schlimm sei.

Eines Tages sollte Aytekin im tiefen Winter ein Landesliga Spiel leiten. Alles Spiele sollten abgesagt werden aufgrund des schlimmen Wetter. So ging Aytekin dann doch mal mit seinem besten Freund ein paar Bier trinken: „Heute können wir echt einen draufmachen“. Doch Aytekins Spiel war tatsächlich das Einzige, das nicht abgesagt wurde. So gab Aytekin nach eigener Aussage eine „entsetzliche Leistung“ ab. Seit dem trinkt Aytekin kein Tropfen Alkohol mehr vor Spielen.

Einen großen Schicksalsschlag erlitt Aytekin im Oktober 2002. Denn der Mann, der Aytekin dahin brachte, wo er heute steht, verstarb auf dem Sportplatz aufgrund eines Herzinfarktes. Somit musste Aytekin die ganzen Tipps und Hilfestellungen alleine umsetzen und sich auf andere verlassen.

Einen großen Erfolg landete Aytekin bei einem zweitägigen Lehrgang der Nachwuchs-Schiedsrichter. 59 von 60 Regelfragen konnte Aytekin zusammen mit einem anderen richtig beantworten. Der Rest kam nicht über 40 richtige Antworten hinaus. Der Lohn war am Ende eine Einladung zum Lehrgang der Bundesliga-Schiedsrichter.

Als Aytekin eines Tages ein Kreisliga B Spiel pfiff, das am Ende 1:15 ausging, meinte ein Spieler der unterlegenen Mannschaft Aytekin nach dem Spiel heftige Tritte ans Schienbein zu verpassen. Aytekin zog das volle Programm durch: Anzeige bei der Polizei wegen Körperverletzung sowie Meldung beim Verband.

Das erste spektakuläre Spiel hatte Aytekin in der Bezirksliga. Es war das sogenannte „Walberla“ Derby. „Wäre Deniz etwas mehr gelaufen wäre die Höchstpunktzahl von 50 Punkten möglich gewesen“, schrieb der Beobachter in seinen Bericht. Aytekin erhielt daher „nur“ 49 Punkte. 50 Punkte entsprechen heute in etwa einer 8,7/8,8. Quasi unmöglich.

Nach zwei Jahren Bayernliga fasste Aytekin einen Entschluss und wollte aufhören auf diesem Niveau zu pfeifen. Der Druck und Aufwand waren dann doch zu viel. Bis zu einem Anruf von Hans Rößlein. Er und Aytekin sollten Bernd Heynemsmann assistieren beim Abschiedsspiel von Andy Köpke.

In der 2. Bundesliga angekommen setzte sein damaliger Chef bei Mercedes ein Ultimatum. „Ihr privates Zeitvertreiben in aller Ehren, aber das geht so nicht Herr Aytekin“ zitiert Aytekin seinen Ex-Chef bei Mercedes. Daraufhin machte sich Aytekin mit einem Freund und seiner Schwester gemeinsam selbstständig.

Wir durften es bereits lesen und in den Händen halten 🙂

Im Sommer 2008 war es soweit. Dr. Markus Merk beendete seine Karriere weshalb Eugen Striegel am Telefon zu Aytekin sagte „Du bist dabei. Du pfeifst ab jetzt Bundesliga.“ Im Lehrgang auf die neue Saison passierte dann das, was sich keiner wünscht. Im Sprint verletzte sich Aytekin. Diagnose: Muskelbündelriss. Seine erste Partie in der Bundesliga fiel dann auf den 6. Spieltag. Hertha – Cottbus. Alles lief super, sagte auch der Beobachter. In seinem 4. Spiel im Oberhaus gab es große Kritik. „Das war heute nix. Du kannst ein Spiel nicht nur durch gelbe und rote Karten leiten“ sagte sein damaliger Beobachter Aron Schmidhuber.

„Zu Händen der Oberwurst Deniz Aytekin“: Solch ein Paket erhielt der DFB von einer Gladbacher Faninitiative nach einem Spiel als Max Eberl Aytekin als „Wurst“ betitelte.

Fazit: Auch wenn das hier nur ein Bruchteil von dem war, was im Buch erzählt wird, sind es unglaublich tiefe Geschichten die Deniz Aytekin hier erzählt. Sein gesamtes Leben ist auf 214 sehr schön zu lesenden Seiten zusammengefasst. Die gesamte Schiedsrichter Karriere wird beleuchtet. Auf Highlights wie das 4:4 Spektakel beim Revierderby und auch das Pokal Finale sind wir hier nicht eingegangen, um noch ein wenig Spannung offen zu lassen. Aytekin schreibt in einem extrem harmonischen Stil der es Jung und Alt ermöglicht dieses Buch zu lesen. Nicht nur für Schiedsrichter ist dieses Buch ausgelegt, jeder Mensch der dieses Buch liest kann sich sicher sein, dass er sehr tolle Geschichten erfährt.

Absolute Kauf- und Leseempfehlung unsererseits!


Das Buch kann im Fachhandel oder den Onlinestores geordert werden.

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