So wird der Videobeweis ad absurdum geführt

So wird der Videobeweis ad absurdum geführt

23. Februar 2020 1 Von IG Schiedsrichter

Dr. Felix Brych hatte das Spiel Gladbach gegen Hoffenheim über weite Strecken gut im Griff, unterbrach wegen der Schmähplakate aber dann fühlte er sich dann nach zwei Eingriffen des Video-Assistenten zum Eingreifen gezwungen. Eine Szene macht besonders nachdenklich.

In der 83. Minute: Rund 25 Meter vor dem eigenen Tor bekam Gladbachs Oscar Wendt am Boden liegend den Ball gegen die Hand. Schiedsrichter Dr. Felix Brych (44, München) sah es, ließ weiter laufen, weil es kein absichtliches Handspiel war.
Im Gegenzug fiel ein Tor für Gladbach. Brych schaute sich die Szene noch mal an – und kassierte den Treffer wieder ein.

Der ehemalige Bundesliga-Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer schloß sich quasi unserer Meinung an: „Für mich ist das ein Fehler“ !

Nur wenn ein Handspiel direkt und unmittelbar an einer Torerzielung beteiligt ist, ist es egal ob es absichtlich oder unabsichtlich passiert“ , führt Kinhöfer weiter aus.

Wendts Handspiel aber war circa 80 Meter vor dem Hoffenheimer Tor – wie soll das direkt mit dem Tor zusammenhängen, dass rund 15 Sekunden vorher fiel?

Spinnen wir die Szene mal weiter: Was wäre denn gewesen, wenn Wendt im eigenen Strafraum den Ball an die Hand bekommen hätte? Dann hätte Brych nicht nur das Tor anulieren, sondern auch Elfmeter für Hoffenheim geben müssen.

Für ein unabsichtliches, nicht strafbares Handspiel? 

Absurd! Das versteht dann wirklich kein Fan mehr. Und der Videobeweis den wir ja schon fast leidenschaftlich verteidigen wird so ins ad absurdum geführt…

Entfernung oder Abwehrversuche interessieren nicht

Allerdings könnte man auch vermuten, dass Felix Brych es nicht wahrgenommen hat. Ihm wurde durch mindestens zwei Spieler die Sicht versperrt. Brych versuchte durch eine Bewegung noch irgendwie drumherum zu gucken. Daher vermute ich das Brych hier keine Wahrnehmung hatte. In der Folge hat es nichts mit unmittelbare Torerzielung nach Handspiel zu tun, sondern die Szene wurde geprüft, weil Bastian Dankert der Meinung war, es handele sich um ein absichtliches strafbares Handspiel, welches Brych sich anschaute und es genauso bewertete.

Das mag strittig sein, aber Wendts Bewegung mit der Hand zum Ball ist schon erkennbar. Es ist reine Spekulation, ob Wendt nach vorne greift um sich abzustützen oder den Ball zu spielen. Fakt ist aber, er berührt den Ball sogar zweimal mit der Hand. Und die Hoffenheimer reklamieren ja direkt auch schon sehr heftig (TV-Bilder).

Das mag eine strittige Auslegung sein, aber man muss es akzeptieren.

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