Straßenkampf unter Profifußballern

Straßenkampf unter Profifußballern

15. September 2020 0 Von IG Schiedsrichter

Am Sonntag fand in der französischen Ligue 1 ein denkwürdiges Abendspiel statt. Die Rivalen Paris St. Germain und Olympique Marseille standen sich gegenüber. Das Staresemble aus der Hauptstadt stand nach verpatztem Auftakt und einigen Schlagzeilen aufgrund Corona-Infektionen extrem unter Druck und fand gegen eine frech aufspielende und hart verteidigende Mannschaft aus Marseille keine Mittel zum Erfolg. Am Ende stand mit dem 0:1 eine weitere Niederlage für das Team von Thomas Tuchel.

Doch auch FIFA-Schiedsrichter Jerome Brisard, sowie sein international sehr angesehener Video-Assistent Francois Letexier werden dieses Spiel so schnell nicht vergessen. Bei Abpfiff lässt sich bilanzieren: 12 gelbe Karten, 5 Platzverweise, unverständlicherweise ausbleibende Eingriffe des VAR und ein Rassismusvorwurf von Neymar.

Die erste ekelhafte Szene des Spiels: Nachdem die erste Halbzeit schon von extrem harten Fouls und Rudelbildungen geprägt war, in denen es Schiedsrichter Brisard verpasste, Ruhe in die Partie zu bringen, griff Angel di Maria zur Spuckattacke. Diese eklige Aktion gegen Alvaro Gonzalez erkannte der Schiedsrichter auf dem Feld nicht, doch auch von VAR Letexier kam kein Signal. Kein Vorwurf an Brisard, so etwas ist verdammt schwer zu sehen. Doch wenn dann auch kein Signal vom Videoassistenten kommt, kann sowas ein Spiel dann auch komplett eskalieren lassen. Wozu es später ja auch kam… [Ab 01:25 Minute, Spuckattacke von Angel Di Maria gegen Alvaro Gonzalez].

Marseilles Dario Benedetto erzielte Mitte der zweiten Hälfte vermeintlich das 0:2. Doch Schiedsrichter Brisard pfiff das Tor wegen einer vermeintlichen Abseitsstellung von Vorlagengeber Florian Thauvin zurück. Dieser stand allerdings auf gleicher Höhe mit einem Pariser Verteidiger. Kein Vorwurf an den Assistenten, eine Gegenbewegung in höchstem Tempo ist sehr schwer zu bewerten. Doch für solche Fälle gibt es eigentlich den VAR! Doch trotz kalibrierter Linien bekam Brisard keine Korrektur seiner Entscheidung und das Tor zählte nicht [ab 02:50 Minute Abseitstor Dario Benedetto].

Die Nachspielzeit des zweiten Durchgangs war dann endgültig nicht mehr zum Fußball spielen gedacht, sondern zur Durchführung eines hässlichen Straßenkampfes! Doch die Aufsehen erregende Szene hatte eine Vorgeschichte und hätte wohl verhindert werden können: Es lief der Beginn der Nachspielzeit und der in jeder Hinsicht auffällige Alvaro González geriet an der eigenen Torlinie mit Neymar aneinander. Beide beschimpften sich über eine längere Zeit, ehe, Neymar Gonzalez noch leicht wegschubste. Warum Brisard hier absolut nicht reagierte, wäre es doch ein Leichtes gewesen, beide bereits verwarnten Akteure mit der Gelb-Roten Karte vom Feld zu schicken, erschließt sich mir nicht! [ab 03:50 völlige Eskalation des Spiels].

So ging es dann selbstverständlich in die nächste Runde: Bei einem Kopfballduell im Mittelfeld holte Dario Benedetto gegen Leandro Paredes zum wüsten Check aus. Dieser revanchierte sich ebenfalls mit einem Check und der Straßenkampf war eröffnet: Es entstand eine riesige Rudelbildung, in dieser Layvin Kurzawa und Jordan Amavi munter Schläge und Tritte austauschten. SR Brisard schickte alle vier Spieler völlig berechtigt vom Feld, bekam aber nun endlich ein Signal vom VAR:

Zwischen den eben genannten Streithähnen Neymar und Gonzalez entbrannte erneut ein Wortgefecht, in diesem Neymar seinem Gegner auf den Hinterkopf schlug! Nach kurzer Sichtung der Bilder wurde dann auch Neymar mit der Roten Karte vom Feld geschickt!

Die Platzverweise am Ende waren alle völlig korrekt und es wurde sogar recht gut die Übersicht bewahrt. Doch hätte es wohl verhindert werden müssen, indem Neymar und Gonzalez wenige Sekunden zuvor schon des Platzes verwiesen worden wären.

Schiedsrichter Jerome Brisard, der eigentlich einer der Besten seines Landes ist, wird an dieses Spiel bestimmt noch einige Zeit denken! Eine sehr harte Auseinandersetzung war erwartbar, doch die völlige Eskalation ist zu einem Teil auf das Schiedsrichtergespann zurückzuführen. Ekelhafte Aktionen, wie die von Di Maria, die das Aggressionjslevel noch einmal steigen lassen, können nicht immer alle erkannt werden. Doch dazu ist der VAR Teil des Teams, welcher dem nicht zu beneidenden Brisard leider keine Hilfe war.

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