Teamwork ist alles – Die Analyse der DFB-Schiedsrichter-Kommission

Teamwork ist alles – Die Analyse der DFB-Schiedsrichter-Kommission

30. Juni 2020 0 Von IG Schiedsrichter

(red/ss) Im Analyseteil der 4. Schiedsrichter-Zeitung in diesem Jahr legt der DFB vor allem Wert auf die Kommunikation im Team und Szenen, wo durch einen Eingriff des Assistenten am Ende die richtige Entscheidung getroffen wurde. Die Autoren Alex Feuerherdt und Rainer Werthmann haben acht Szenen herausgesucht, die teilweise schon länger in der Vergangenheit liegen und in der 4. Ausgabe im Jahr 2020 bewertet. 

Borussia Mönchengladbach – Borussia Dortmund 1:2 (SR: Sascha Stegemann)

Zunächst wird Stellung zu einer Szene im Topspiel des 25. Spieltags in der 1. Bundesliga in der 84. Minute bezogen. Hier hielt der Gladbacher Ginter den Dortmunder Hakimi am Arm fest. Assistent Mike Pikel zeigte das Vergehen sofort mit der Fahne an, worauf Hinter hart protestierte. Für dieses insgesamt unsportliche Verhalten wurde in Folge dessen korrekterweise die gelbe Karte ausgesprochen. Auch das offene Fahnenzeichen des SRA wird als „wichtig“ bezeichnet, um den Schiedsrichter zu unterstützen. [TV-Bilder]

Hannover 96 – VFB Stuttgart 2:2 (SR: Thorben Siewer)

Eine ähnliche Szene geschah beim Duell der beiden Bundesliga-Absteiger am 18. in der 2. Bundesliga. In der 31. Minute grätscht Badstuber an der Außenbahn in einen Zweikampf mit Weydandt, trifft allerdings nur den Mann nicht den Ball. Auch hier bringt der Assistent jeweils nach einem Foulspiel schnell die Fahne und gibt damit dem Schiedsrichter die nötige Sicherheit und Unterstützung bei der Bewertung des Zweikampfes. Der Stuttgarter wurde in Folge dessen richtigerweise verwarnt. Sollte in solchen Fällen keine technischen Hilfsmittel zur Verfügung stehen, sollen Zeichen abgesprochen werden mit denen der Assistent seine Einschätzung diskret kommunizieren kann. [TV-Bilder]

1. FC Köln – Bayer 04 Leverkusen 2:0 (SR: Manuel Gräfe)

Im Derby am 15. Spieltag kam es in der 77. Minute zu einer Tätlichkeit von Bailey, der nach einem Foul des Kölner Gegenspielers diesem einen Schlag ins Gesicht verpasst hatte. Das ganze passierte vor den Trainerbänken, sodass hier sowohl der Assistent als auch der 4. Offizielle zunächst gut in die Rudelbildung eingegriffen hatten und dann Schiedsrichter Manuel Gräfe bei der Entscheidung, den Spieler mit der roten Karte des Feldes zu verweisen, unterstützen. Hier wird der Assistent besonders für sein „couragiertes Verhalten“ gelobt. [TV-Bilder]

Jahn Regensburg – Hannover 96 1:0 (SR: Patrick Alt)

Die vierte Szene stammt aus der Zweitliga-Partie Regensburg gegen Hannover am 19. Spieltag. Hier weißt Assistent Nikolai Kimmeyer Schiedsrichter Patrick Alt zunächst per Headset auf einen Strafstoß hin, den dieser in seiner Position nicht sehen konnte, bringt dann mit dem Pfiff später noch offen die Fahne. Auch dieses Verhalten wird ausdrücklich gelobt, ohne technische Hilfsmittel soll bei solchen klaren Strafstoßszenen gleich die Fahne von außen kommen. [TV-Bilder]

Borussia Dortmund – Eintracht Frankfurt 4:0 (SR: Bastian Dankert)

In der 53. Minute zog der Dortmunder Stürmer Haaland den Frankfurter Verteidiger Ilsanker zu Boden, als diese auf ein Flanke in den Strafraum gewartet hatten. Das besondere an dieser Szene ist, dass sowohl der Schiedsrichter als auch der zuständige Assistent keine Sicht auf diese Szene hatte. Hier griff der an der Mittellinie stehende SRA ein und teilte dem Gespann das Foulspiel über das Headset mit. Die Szene wurde richtigerweise mit einem direkten Freistoß gegen den BVB geahndet. Hier wird deutlich wie wichtig es ist, dass alle im Gespann stets konzentriert bleiben und das Spielgeschehen verfolgen. [TV-Bilder]

TSV 1860 München – 1. FC Magdeburg 1:1 (SR: Tobias Fritsch)

In der einzigen Szene aus der 3. Liga geht es um einen Strafstoß, den Schiedsrichter Fritsch zunächst gab, dann aber nach kurzer Absprache mit dem SRA wieder zurücknahm und das Spiel mit SR-Ball fortsetzte. Auslöser für diese Szene war der Magdeburger Gjasula, der ihm eigenen Strafraum sein Bein zum Ball streckte und dabei den Ball über sein Knie möglicherweise an die Hand bekam. Hier sind die Videobilder allerdings nicht eindeutig. Regeltechnisch war die Entscheidung in allen Fällen die richtige, da der Ball selbst wenn er an der Hand gewesen wäre, von einem eigenen Körperteil abgeprallt war. Das schließt ein strafbares Handspiel aus. Auch hier gibt es ein Sonderlob für den SRA, der eigentlich keine gute Sicht hatte, dennoch den Vorgang richtig wahrnahm und einschritt. Die direkte Absprache an der Linie (nicht nur über das Headset) ist aufgrund der Außenwirkung besser und wurde ebenfalls korrekt vorgenommen. [TV-Bilder]

VFL Osnabrück – SV Sandhausen 1:3 (SR: Timo Gerach)

Eine weitere kontroverse Szene, zu der Stellung bezogen wird, ist die Wiederholung des Strafstoßs in der Zweitliga-Partie am 19. Spieltag. Hier wurde der Strafstoß zunächst korrekterweise gegeben und auch die Verwarnung für Keeper Kühn geht vollkommend in Ordnung. Aufregung gab es allerdings danach bei der Ausführung: Kühn bewegt sich deutlich zu früh von der Linie und pariert den Schuss. Der Assistent auf der Torlinie (Tobias Christ) hat das gut bemerkt und es Schiedsrichter Timo Gerach über das Headset mitgeteilt. Diese Aktion hat nicht nur eine Wiederholung des Strafstoßes zu Folge, Torwart Kühn erhält noch die zweite gelbe Karte und muss damit vom Platz. Hier wird der Linienrichter für seine hohe Aufmerksamkeit und Unterstützung gelobt. Laut DFB-Schiedsrichter-Zeitung sollte in solchen Fällen von einem offenen Fahnenzeichen immer abgesehen werden. Sind keine technischen Hilfsmittel (Headset, Funkfahnen) verfügbar soll die Kommunikation über ein schlichtes Zeichen (zum Beispiel mit den Fingern) erfolgen.

FC Augsburg – VFL Wolfsburg 1:2 (SR: Dr. Felix Brych)

In der 67. Minute war der Ball im Wolfsburger Tor. Nach einer Freistoß-Hereingäbe von Max köpfte Uduokhai ein. Doch zum Zeitpunkt des Kopfballs befand sich der Augsburger Niederlechner in einer Abseitsposition unmittelbar vor dem Wolfsburger Torwart Casteels. Korrekterweise meldete sich VAR Marco Fritz und gab Brych den Hinweis er solle sich die Szene nochmal anschauen (aktive oder passive Abseitsstellung von Niederlechner). Das Tor wurde nicht gegeben, die richtige Entscheidung. Hier wird in der Analyse einmal mehr das „Teamwork“ betont. Der SRA kann die mögliche Abseitsstellung viel besser erkennen, eine mögliche Beeinflussung nur sehr schlecht. Anders der SR dieser kann die Stellung kaum, dafür das Eingreifen in der Regel gut bewerten. Stehen keine Headsets zur Verfügung, soll hier der Referee rausgehen und sich mit dem Assistenten absprechen. [TV-Bilder]

Fazit: Der Analyseteil der DFB-Schiedsrichter-Zeitung betont gut die wichtige Aufgabe des Schiedsrichterassistenten gerade über moderne, technische Kommunikationsmittel wie Headsets oder Funkfahnen. Nur im Team können oftmals schwierige Entscheidungen gemeistert werden.

 

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