Technikpanne in Stuttgart? Videobeweis mit Licht und Schatten

Technikpanne in Stuttgart? Videobeweis mit Licht und Schatten

6. April 2019 0 Von IG Schiedsrichter

Früh in der Konferenz gab es Aufregung. Im Niedersachsenduell Wolfsburg gegen Hannover. Linton Maina tankte sich über die linke Seite bis in den Strafraum durch und lupfte die Kugel dort gegen den Arm von Robin Knoche. Schiri Benjamin Cortus winkte ab und ließ weiterspielen. Knifflig: Der Arm ging schon zum Ball, andererseits ist der Abstand minimal.

Der Arm ging klar zum Ball, was hier der Regel nach für die Absicht spricht. Zwar ist die Distanz ziemlich kurz, nur das ist kein Kriterium für ein absichtliches Handspiel, es ist lediglich ein Indiz. Für mich hätte es hier auch den Strafstoß geben können, aber wegen der Distanz ist es keine klare offensichtliche Fehlentscheidung! Eine klare Fehlentscheidung liegt dann vor, wen der Videoassistent beim ersten Mal draufschauen direkt sieht, dass hier der Schiedsrichter einen Fehler gemacht hat und er es sich nicht sah. Da Benjamin Cortus die Wahrnehmung auf dem Feld hatte, ist es auch kein klarer Fehler.

Vergleicht man das mit dem Handelfmeter im Pokalspiel bei Bayern gegen Heidenheim, hat der Schiedsrichter aus seiner Wahrnehmung heraus, auf Elfmeter entschieden. Handspiel ist meistens eine gewisse Interpretationssache.

Videobeweis auf Schalke: Bei der Partie Schalke 04 gegen Eintracht Frankfurt kam es in der 31. Minute zu einem Videobeweis. Hat Bruma da gegen Rebić im Strafraum zu sehr den Arm eingesetzt? Nein! Schiri Stegemann schaute sich die Szene selbst an und gab den Elfmeter nicht! Das ist eigentlich eine ganz klare Fehlentscheidung, denn der Schalker hatte Ante Rebić da ganz klar getroffen.

Ich denke aber, es ist wieder wegen der Wahrnehmung auf dem Feld. Wenn der Videoassistent einen klaren Fehler erkennt, greift er ein und schickt den Schiedsrichter in die Review Area. Der Schiedsrichter soll ja aber der Chef auf dem Platz bleiben und wenn ihm das nach Ansicht der Bilder nicht für einen Elfmeter ausreicht, geht’s weiter. Die Frage ist dann halt immer, was hat der Schiedsrichter bei normaler Betrachtung der Szene auf dem Feld (ohne Zeitlupe) gesehen und wahrgenommen. Und wenn es sich ein klein bisschen mit den Bildern deckt, geht’s weiter. Aber hier muss Sascha Stegemann mal erklären, warum er ihn den Strafstoß für Frankfurt nicht gab. Eine klare Fehlentscheidung des Schiedsrichters.

Mächtig Wirbel gab es am Ende der Partie. Zuerst flog Suat Serdar mit Gelb/Rot berechtigt vom Platz. In der 5. Minute der Nachspielzeit, meldete sich plötzlich Video-Assistent Martin Petersen aus Köln. War das Spiel schon aus? Er hat das Spiel unterbrochen, weil er schon wusste, dass da noch was zu prüfen ist. Es war ein einfacher Pfiff und nicht der klassische Abpfiff. Alles andere wäre skandalös, da nach Abpfiff keine Entscheidungen mehr verändert werden können, die im Spiel getroffen wurden. Schiri Stegemann ging erneut zum Videobeweis! Stegemann versammelte die beiden Kapitäne zu sich und sagte, der Elfmeter wird noch ausgeführt, danach ist Schluss. Und tatsächlich: Schalke verliert durch den Elfmeter noch mit 2:1.

Es war aber die richtige Entscheidung! Große Distanz, unnatürliche Handhaltung und die Hand geht zum Ball Alles spricht hier für den Handelfmeter.

Kurz nach der Pause bei der Partie Leverkusen gegen Leipzig jubelte die BayArena das dritte Heimtor, doch nach Absprache mit dem Video-Assistenten sowie Inaugenscheinnahme in der Review-Arena nahm Schiedsrichter Tobias Welz das vermeintliche 3:1 zurück. Bailey war von Wendell aus dem linken Mittelfeld geschickt worden und stand vor seinem wuchtigen Linksschuss in den linken Winkel aus gut 13 Metern selbst nicht im Abseits. Es war Volland, der das Anspiel aus der verbotenen Zone heraus mindestens abschirmte und damit aktiv wurde. Dafür ist der Videobeweis da.

Elfmeter in Leverkusen: In der 69. Minute War das ein strafstoßwürdiges Handspiel? Halstenberg wollte die Kugel nach einer Flanke von rechts vor dem langen Pfosten mit einer Hereingabe in die Mitte wieder scharfmachen. Weiser wurde dabei aus kurzer Distanz wohl an der abstehenden linken Hand getroffen. Ähnlich gelagert wie beim Handspiel in Wolfsburg. Der Arm ist nun mal vom Körper abgespreizt, aber das ist ja nicht Kriterium der Regel. Aus dieser kurzen Distanz kann man einem Spieler kaum Absicht unterstellen, sodass es eine sehr schmeichelhafte Entscheidung ist.

Tor in Stuttgart: González gab aus dem linken Halbfeld einfach mal nach innen. Dort verlängerte Donis etwas glücklich zu Kabak, der aus neun Metern per Linksschuss unten rechts einschob. Schiedsrichter Frank Willenborg musste die Szene per Videobeweis überprüfen lassen. Endlos lange mussten die Schwaben gefühlt warten. Dann stand fest: Der Treffer zählte!

Leider erfolgte da keine Aufklärung, ob es nun kein Abseits war oder der Spieler laut Video-Assistent nicht eingegriffen hat. Wobei für mich, steht der Spieler im Abseits, weil er aktiv eingriff. Wenn man allerdings den Worten von Sky während der Konferenz Glauben schenken darf, dann lagen hier keine kalibrierten Abseitslinien vor. Sehr skandalös, in einer Endphase des Bundesliga-Abstiegskampfen funktioniert scheinbar die Technik nicht!




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